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Terror dämpft Tourismus
Städtereisen sind nach wie vor beliebt. In Berlin hatte der Terroranschlag kaum Auswirkungen auf die Übernachtungszahlen. Foto: Bildquelle
Reisemesse

Terror dämpft Tourismus

Paris, Brüssel, Istanbul, Berlin – Europas Metropolen wurden seit Ende 2015 von Terroranschlägen erschüttert. Der Schock schreckt nur kurze Zeit ab.

14.01.2017
  • DPA

Stuttgart. Mancher Reiseführer bleibt derzeit in den Regalen liegen: Beim Verkauf seiner „Istanbul“-Ausgabe musste der Verlag Michael Müller im vergangenen Jahr ein Minus von 80 Prozent hinnehmen, beim „Brüssel“-Titel waren es 70 Prozent, bei „Paris“ 50 Prozent. Konkurrent MairDumont ging es nicht besser. Die Verkaufszahlen der „Istanbul“-Reiseführer seien „unter die Wahrnehmungsschwelle“ gefallen, sagt eine Verlagssprecherin.

Als Grund nennen die Verlage und viele in der Branche Terroranschläge – aus Angst vor weiterer Gewalt sank das Interesse deutscher Urlauber. Auch Städtereisen-Anbieter bekamen das zu spüren: Dertour spricht von „Zurückhaltung“ bei Buchungen von Touren in die Metropolen.

Terrorismus zeigt Wirkung auf die Urlauberströme, zumindest kurzfristig. Die Gästezahlen sind im Minus. In Istanbul sank der Wert im Juli 2016 verglichen mit dem Vorjahresmonat um ein Drittel. In Paris wurden sechs Prozent weniger Hotelgäste gezählt als 2015, in Brüssel ging die durchschnittliche Hotel-Belegung laut Brussels Hotels Association um elf Prozentpunkte auf knapp 62 Prozent zurück. Und bei der Buchungsplattform Opodo war Istanbul 2015 noch das viertbeliebteste Reiseziel, inzwischen liegt es auf Platz 22.

Terror und Tourismus – dieses Thema wird auch bei der Touristikmesse CMT besprochen, die heute in Stuttgart startet. Werden Terroranschläge den jahrelangen Boom im Städtetourismus abbremsen und den betroffenen Metropolen gar dauerhaft eine Urlauberflaute bringen? Branchenvertreter schütteln den Kopf. Solch einen Effekt gebe es nur vereinzelt und temporär, sagt der Sprecher des Deutschen Reiseverbandes, Torsten Schäfer.

Bei der CMT dabei ist auch die Tourismus-Marketingorganisation Atout France. „Nach den Anschlägen sind die Buchungen deutlich runtergegangen, aber das hat sich schnell wieder normalisiert“, sagt deren Sprecherin Monika Fritsch. Besonders Familien mit Kindern würden sich bisweilen gegen Städtetouren entscheiden. Die Organisation hat ihr Marketing-Konzept umgestellt: Im Internet bewirbt sie verstärkt Naturregionen wie die Atlantikküste und die Auvergne.

Und was ist mit Berlin? Kurz vor Weihnachten erschütterte der Anschlag auf den Breitscheidplatz die Welt. Könnte das zu weniger Buchungen führen? Nein, sagt Burkhard Kieker, Chef der Tourismus-Organisation Visit Berlin. Es habe zwar vereinzelte Stornierungen gegeben, aber so gut wie keine Abreisen. Schon Weihnachten und Silvester – also nur wenige Tage später – hätten sich die Gästezahlen normalisiert, sagt Kieker. „Im Gegensatz zu Paris herrschte in Berlin kein Ausnahmezustand, die Straßen waren nicht wie leergefegt.“ Die Silvesterparty am Brandenburger Tor sei wie üblich sehr voll gewesen – „auch das zeigt, dass die Berliner und ihre Gäste zurück sind zur Normalität“, sagt Kieker. Amtliche Zahlen für Dezember liegen noch nicht vor – Kieker bezieht sich in seiner Einschätzung auf Rückmeldungen von Berliner Hotels an seine Organisation.

Auch bei der Deutschen Zentrale für Tourismus gibt es keine tiefen wirtschaftlichen Sorgenfalten. „Anschläge wie in Berlin, sofern sie Einzelereignisse bleiben, können zwar zu kurzfristigen Nachfragerückgängen führen, langfristig werden diese jedoch durch ein stabiles starkes Markenimage aufgefangen“, so die DZT.

Klar ist: Der Trend zu Städtereisen geht weiter – dank der guten Konjunktur haben die Deutschen mehr Geld in der Tasche, und Wochenendtrips sind auch dank Billigfliegern günstiger. Dieser Trend wird sich aber verändern. Es würden vermehrt kleinere Städte gebucht, heißt es bei Dertour. Der Sprecher des Michael-Müller-Verlags, Matthias Kröner, sagt, Städteführer zu Rom, Lissabon, Amsterdam und Hamburg liefen 2016 deutlich besser als zuvor. dpa

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14.01.2017, 06:00 Uhr

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