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Terrorverdächtiger gefesselt der Polizei übergeben
Gut gelaunt: Sachsens Innenminister, Markus Ulbig (CDU), und LKA-Präsident Jörg Michaelis. Foto: dpa
Dresden

Terrorverdächtiger gefesselt der Polizei übergeben

Nach zwei Tagen endet die Flucht des mutmaßlichen Terroristen Dschabar al-Bakr. Drei Syrer haben ihn in Leipzig festgesetzt und ausgeliefert.

11.10.2016
  • DPA/AFP

Dresden. Hunderte Polizisten suchen fieberhaft in ganz Deutschland nach Dschaber al-Bakr – doch am Ende sind es drei Landsleute des Syrers, die den Terrorverdächtigen in der Nacht zum Montag überwältigen. „Der Tatverdächtige ist uns im gefesselten Zustand übergeben worden“, sagt der Präsident des sächsischen Landeskriminalamts, Jörg Michaelis. Al-Bakr suchte Schutz bei den Syrern – doch diese gingen zur Polizei.

Laut Hans-Georg Maaßen, Präsident des Verfassungsschutzes, ging im September ein Hinweis auf IS-Anschlagsplanungen gegen die Infrastruktur ein. Bei der Observierung des Verdächtigen sei festgestellt worden, dass er Heißkleber gekauft habe. „Und unverzüglich haben wir dann alle Maßnahmen in Bewegung gesetzt, damit ein Zugriff erfolgte, weil wir davon ausgingen: Dies kann im Grunde genommen die letzte Chemikalie sein, die für ihn notwendig war, um eine Bombe herzustellen“, so Maaßen.

Der am 19. Februar vergangenen Jahres in einer Erstaufnahmeeinrichtung in München als Flüchtling erstmals in Deutschland registrierte al-Bakr verfügte wohl über TATP und Metallteile wie Muttern und zwei Zünder. „Diese Art würde dem verwendeten Sprengstoff bei den Attentaten von Paris und Brüssel entsprechen“, sagt LKA-Präsident Michaelis. Die Substanz, angeblich eine Mischung aus Nagellackentferner und Haarbleichmittel, sei hochexplosiv. Der Sprengstoff und und al-Bakrs Verhalten nährten den Verdacht, dass es eine Verbindung zum „Islamischen Staat“ geben könnte.

700 Polizisten waren im Einsatz

Mitte September gab es laut Michaelis erste vage Hinweise. Das Bundesamt für Verfassungsschutz ist dafür verantwortlich, auch der Bundesnachrichtendienst und Landesämter für Verfassungsschutz waren früh mit im Boot.

Kurz vor der Festnahme spitzte sich die Situation dramatisch zu. Weil es die Erkenntnisse über die Fertigstellung des Sprengstoffgürtels gab, gingen die Ermittler ab Freitag in die Offensive. Der Wohnblock in Chemnitz wurde observiert, dazu eiligst ein großes Polizeiaufgebot zusammengezogen – mit verschiedenen Polizeibehörden und allein aus Sachsen über 700 Polizisten im Einsatz.

„Wir sind geschafft, aber überglücklich“, feiert die Polizei in einem Tweet sechs Stunden nach Mitternacht die Festnahme. Ministerpräsident Stanislaw Tillich lobt den „mutigen und verantwortungsbewussten syrischen Mitbürger“. Die drei Syrer, die Dschaber al-Bakr den Ermittlern übergaben, gelten derzeit als Zeugen. Nähere Informationen will die Polizei nicht veröffentlichen – zu deren Schutz. Sie scheinen aber unerschrocken vorgegangen zu sein. Als sie erfuhren, dass al-Bakr gesucht wurde, überwältigten die Syrer den Terrorverdächtigen. Zwei bewachten ihn, einer ging zur nächsten Polizeiwache. Er habe den Beamten gesagt, dass sie doch bitte in ihre Wohnung kommen sollten, schildert Michaelis – „was wir auch unverzüglich getan haben“. afp/dpa

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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