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Suppentheater - Nudel-Rollen für Impro-Mimen

Theatersportchef Volker Quandt macht neue Erfolgsküche auf

Er ist Mister Theatersport, hat einen florierenden Verlag für Kinderstücke und tummelt sich auch sonst ganz munter in der internationalen freien Theaterszene: der Tübinger Volker Quandt. Jetzt haben er und seine Frau Shoko eine neue Geschäftsidee, das Suppentheater. Erst Verköstigung mit japanischer Nudelsuppe, danach 20 Minuten abwechslungsreiche Mittags-Show – am 20. Oktober geht‘s los.

10.10.2014
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Quandt hat bis vor 22 Jahren das LTT-Kinder- und Jugendtheater geleitet, das damals ein Hort schwungvollen Theaters aus Dänemark und die Keimzelle der Theatersport-Improvisation war, getreu der Methode von Keith Johnstone, dem Kanadier. Quandt hat das dann kultiviert. Sein Harlekintheater hat mittlerweile 1263 Theatersport-Vorstellungen vor über 540 000 Zuschauern und 890 Impro-Shows hinter sich. Und ein Ende ist keineswegs abzusehen.

Quandts gedankenreaktionsschnelle Stegreif-Truppe bespielt regelmäßig Tübingen, zumeist im LTT, bespaßt aber auch mal Unternehmensberater etwa im barocken Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses, wenn‘s sein muss. Die Impro-Selbstläufer sind Lebensversicherung und Altersabsicherung, nicht nur für die Quandts – sie sind aber auch einfach gut gemacht.

Trotzdem scheint es nun Zeit für etwas Neues, Zusätzliches, Unerprobtes. Das Suppentheater. „Eine uralte Idee“, sagt Volker Quandt, „das Kulinarische im Kleinformat mit Theaterspielen verbinden“. Auch für Gattin Shoko, die offenbar nicht nur ihre vorzüglichen Sushis gut und gern kocht, „ein lang gehegter Traum“. Dem Theatermacher selbst war, seit seligen Londoner Studientagen vor 41 Jahren, das dortige Lunch-Theatre kaum aus dem Kopf zu kriegen.

Suppentheater funktioniert also folgendermaßen: Mittags um zwölf treffen sich bis zu 50 Leute im Café Haag, um Shoko Quandts angerichtete japanische Nudelsuppe schlürfend einzunehmen. Das mit dem Schlürfen ist wörtlich zu fassen, denn in asiatischen Kulturbreitengraden wird die Suppe durchaus geräuschvoll genossen, wie Quandt erläutert. Schließlich zeigt man so, dass es schmeckt. Also Nudel reinziehen, „und dabei durch die Nase ausatmen“. Ein bisschen ist das auch, so Quandt, „wie Weinverkostung“. Als er vor vielen Jahren, erstmals in Japan zu Gast, als einziger im Raum nicht mitschlürfte, fühlte er sich gleich als Außenseiter.

Deshalb gibt es nun beim Harlekin-Suppentheater zuerst einmal eine „Schlürf-Phase“, bis ein Gong den Countdown zum Kulturblock ankündigt. Je 20 Minuten fürs Kulinarische und für die Kultur, so ist der Plan: 14 bewährte Mitglieder der Theatersport-Kompanie plus die beiden Gäste Dietlinde Elsässer und Thomas Vogel kümmern sich dann in kleineren Teams um die Theaterversorgung, die „kulturelle Nachspeise“ (Quandt), die alles sein kann: Comedywürze, Stegreifliches, Suppenkaspertheater, Musikeinlage. Unter den Protagonisten sind veritable Kleinkunstpreisträger wie Harry Kienzler und Jakob Nacken, auch die ausgezeichnete Suchtpotenzial-Musikerin Ariane Müller, dazu Altmeister wie Heiner Kondschak, Bernd Kohlhepp, Helge Thun und Udo Zepezauer.

Stegreif mit Stäbchen

„Man weiß nicht, was kommt“, soviel verspricht Zeremonienmeister Quandt. Und man ahnt eben nicht, wer kommen wird aus dem reichen Theatersport-Pool; das bleibt lang genug Quandts Geheimnis. Ganz optimistisch hat er bis zu 56 Vorstellungen angesetzt, von Anfang November an wird Frequenz sogar auf zwei mittägliche Termine (zwölf und ein Uhr) gesteigert. Um ausreichende Versorgung ist ihm nicht bang. „Das Café Haag hat eine Superküche.“

Etwas Vergleichbares, darauf ist er stolz, gebe es bislang nirgends. Zumindest in Deutschland nicht, sonst wohl nur in England, Irland oder Schweden. „Wir betreten gewisses Neuland.“ Selbst wenn „Essen zusammen mit Kultur“ mitunter nichts Neues mehr sei: „Kultur in der Mittagspause über Wochen hinweg allerdings schon.“

„Nudeln machen glücklich“. Diese Erkenntnis gilt als wissenschaftlich gesichert. Kohlenhydrate lassen den Körper den Stimmungsaufheller Serotonin produzieren. Die original japanische Suppenküche kennt dazu drei Nudelvarianten: eine dünnere Sorte namens Ramen, die etwas dickere Udon und schließlich Soba, die aus einem anderen Teig besteht. Darf man wissen, muss man aber nicht.

Gespielt wird immer von Montag bis Donnerstag. Um die typische Atmosphäre eines japanischen Nudelrestaurants zu schaffen, ist geplant, ein Schlürf-Video laufen zu lassen. „Dieser Klangteppich“, sagt Volker Quandt, „soll die Gäste schon beim Eintreten motivieren, die Suppe mit Stäbchen zu essen.“

An den meisten von 32 Veranstaltungstagen sind zwar täglich zwei Suppentheater-Durchläufe geplant. Trotzdem rät Quandt, rechtzeitig zu reservieren (0151-57281412 oder volker.quandt@t-online.de). Nicht nur den ungeübten Nudelsuppenschlürfern verspricht er: Genug große Lätzchen werden auf alle Fälle bereitgehalten.

Theatersportchef Volker Quandt macht neue Erfolgsküche auf
Harlekin-Theaterleiter und Theatersportmoderator, Kindertheaterverleger, Workshopper, Impro-Akademieleiter – ach was, Tausendsassa: Volker Quandt.

Theatersportchef Volker Quandt macht neue Erfolgsküche auf
So wird’s gemacht: Shoko Quandt (rechts im Bild) und eine Mitarbeiterin führen vor, wie man am besten Nudelsuppe verzehrt.

Vom 20. Oktober bis zum 11. Dezember gibt es insgesamt 56 Termine des (Nudel-)Suppentheaters im Café Haag. Bis zum 30. Oktober jeweils von montags bis donnerstags um zwölf Uhr mittags, dann vom 3. November bis 11. Dezember jeweils montags bis donnerstags um zwölf und um 13 Uhr. Das reguläre Ticket, inklusive lecker Suppe, Show, Kleckerlätzchen und Tee, kostet 14 Euro, für Studenten ermäßigt neun Euro.
Neben Volker und Shoko Quandt sowie dem Küchenpersonal sind auf der Bühne dabei: Dietlinde Elsässer, Tobi Karrer, Harry Kienzler, Bernd Kohlhepp, Heiner Kondschak, Ilka Luza, Romeo Meyer, Ariane Müller, Jakob Nacken, Stefan Pitsch, Volker Quandt, Chrysi Taoussanis, Helge Thun, Stefan Töpelmann, Thomas Vogel, Matthias Weiß, Mirjam Woggon, Volkmar Wolters und Udo Zepezauer.

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10.10.2014, 12:00 Uhr

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