Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bundesligatrainerin statt Eisprinzessin

Theresa Merk zwischen Trainerjob und Studium

Sie trainiert die U 17-Bundesliga-Fußballerinnen des VfL Sindelfingen. Fußballerin, Trainerin, Studentin – der Terminkalender von Theresa Merk ist meistens randvoll.

21.11.2012
  • Michael Sturm

Tübingen. Als Eisprinzessin wäre sich Theresa Merk irgendwann vermutlich blöd vorgekommen. Mit vier begann die Tochter eines Eishockeyspielers mit dem Eiskunstlauf. Sie errang diverse Abzeichen, bis sie keine Lust mehr dazu hatte „Perlen zu bügeln.“

Theresa Merk wuchs im Umland von Ravensburg auf. Von der ersten Klasse an habe sie Jungs als Kumpels gehabt. „Ich war auf einer Dorfschule am Waldrand. Wir hatten einen Wiesenplatz und haben dort in jeder Pause gekickt. Irgendwann war ich auch mal bei den Vorderen, die gewählt wurden.“ Am Fußball, sagt Theresa Merk, habe ihr schon immer der Teamgedanke gefallen. In einen Verein ging sie allerdings erst, nachdem ihr Vater von einer Kollegin erfahren hatte, dass deren beide Töchter kicken wollten.

Mit 17 wusste Theresa Merk, dass sie Trainerin werden wollte. An ihrer Schule meldete sie sich zu einem Schülermentoren-Lehrgang an der Sportschule in Ruit. Nach einer Woche hielt sie ein Zertifikat in den Hände, das sie berechtigte, die Fußball-AG der Unterstufe zu leiten. Nach dem Abi machte sie ein halbjähriges Praktikum im Nachwuchs-Leistungszentrum des VfB Stuttgart. Sie leitete gelegentlich das Aufwärmen, organisierte die Talenttage und durfte bei der Trainerausbildung referieren.

Jetzt ist sie 23 und hat die eigenen Kickstiefel an den Nagel gehängt. Sie hat keine Zeit mehr, selbst zu spielen. Bis in den Nachmittag hinein ist sie meist am Tübinger Sportinstitut zu finden, als Sportmanagement-Studentin und Hilfskraft. Um 16.30 Uhr beginnt das Training beim VfL Sindelfingen. Theresa Merk trainiert dort die U 17-Fußballerinnen, die in der Bundesliga spielen. Vier Mal in der Woche. „Ein fünftes Training halten wir uns offen.“ Dazu ein Spiel am Wochenende. Und die Arbeit an der Sportschule in Ruit, wo sie als Stützpunkttrainerin arbeitet. Die Nähe zu Ruit habe eine Rolle gespielt, als sie sich für Tübingen als Studienort entschieden habe.

Der VfL Sindelfingen, ist für seine langjährige gute Jugendarbeit bekannt. Theresa Merks Mädels trainieren auf dem ganzen Platz, auf Naturrasen – eine Vorschrift des DFB. Im Sommer gingen zwei Spielerinnen ins Jugendinternat nach Freiburg, eine nach Frankfurt, eine nach Hoffenheim. Einmal in der Woche trainieren sie mit Jungs: „Es fördert das Zweikampfverhalten und das Spieltempo. Die Mädels haben weniger Zeit zu überlegen, was sie als nächstes machen“, betont die gebürtige Ravensburgerin.

Was für eine Trainerin ist Theresa Merk? „Wer nicht mitzieht, kann daheimbleiben“, sagt sie. Auch nach dem Training verlangt sie Disziplin: „Karten spielen wäre in Ordnung, aber kein Weizen und keine Kippen!“ Das wissen ihre Sindelfinger Mädels. Im Herbst gab es eine Diskussion darüber innerhalb der Mannschaft: „Die wollten mich nicht mit auf den Wasen nehmen“, erzählt Theresa Merk. Sie lächelt und sagt: „Als Trainer muss man nicht alles wissen.

Bei so viel Fußball kommt die restliche Freizeit für Theresa Merk manchmal zu kurz. „Was mir am meisten in Tübingen fehlt ist, dass ich nicht kurz für einen Tag Ski fahren kann.“ Ansonsten genieße sie das Leben in der Unistadt – „trotz des komischen Dialekts“ seiner Einwohner, sagt die Oberschwäbin mit einem schelmischen Grinsen. Nach dem Donnerstags-Training finde man sie zusammen mit ihrer Clique öfters im Jazzkeller oder in der Butterbrezel, sagt die 23-Jährige.

Der schönste Platz in Tübingen? „An der Steinlach“, sagt Theresa Merk, wie aus der Pistole geschossen. In der Fürststraße hat sie eine WG gefunden, in der sie sich pudelwohl fühlt und das Wasser vor der Haustür liebt sie. „Ich bin mit meinen Mitbewohnern oft am Fluss. Wir haben im Sommer auch schon einen Staudamm gebaut und eine Bierbank reingestellt.“

Theresa Merk zwischen Trainerjob und Studium
Geht mit den Derendinger Fußballerinnen in die neue Oberliga-Saison: Trainerin Theresa Merk. Privatbild

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.11.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball