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Viel mehr miteinander schwätzen

Thomas Engesser bringt „Blick von außen“ in den Wahlkampf

Er wohnt in Singen, ist seit acht Jahren Hauptamtsleiter in Gailingen und würde, wie es in seinem Faltblatt heißt, gern „neue Wege gehen“: Thomas Engessers erste Kandidatur für einen Bürgermeister-Posten führt ihn nach Dettenhausen. Selbstbewusst sagt Engesser: „Das passt“.

19.10.2010
  • Martin Mayer

Dettenhausen. Thomas Engesser ist laut Visitenkarte „bodenständig und verwaltungserfahren“. Aber inzwischen ist er auch schon 38. Seit rund zehn Jahren ist er nun in kommunalen Hauptämtern tätig – und daher schaute er sich seit einiger Zeit die Stellenangebote im Staatsanzeiger genauer an. Als er sah, dass Dettenhausen einen neuen Schultes sucht, machte er mit Ehefrau Christina einen Ausflug in den Schönbuch.

Er erkundete die Gemeinde, freute sich an der „wunderschönen Landschaft“, taxierte die Lage zwischen Stuttgart und Tübingen. „Hier könnten wir’s uns sehr gut vorstellen“, war sein Fazit. Und seit er nun bei seinen Hausbesuchen viele Dettenhäuser kennengelernt hat („die Leute sind sehr freundlich“), sieht er sich bestätigt: „Hier fühlt sich offenbar jeder wohl – ich auch.“ Engessers Ansicht ist: „Es macht keinen Sinn, Bürgermeister werden zu wollen irgendwo – das muss passen.“

In Dettenhausen ist er nun also dabei: als „unabhängiger Kandidat“ mit „umfangreicher Verwaltungserfahrung“. Warum er ausgerechnet hier und nicht in seiner Heimatregion für ein Schultes-Amt kandidiert, wird Engesser oft gefragt – und erklärt das so: Hier müsse er nicht auf Freundschaften und Loyalitäten Rücksicht nehmen. Im Kreis Konstanz habe er mit den Hauptamts-Kollegen in den Kommunen ringsum ein so gutes Verhältnis, dass ihm Kandidaturen dort aus kollegialen Gründen schwerfallen würden.

Für den Wahlkampf in Dettenhausen hat er sich fünf Wochen frei genommen, hat sich hier eingemietet – auch „als Zeichen“, wie er sagt, „dass ich das sehr ernst nehme: Für mich ist das keine Larifari-Geschichte.“ Das will er bei seinen Hausbesuchen, Bürgergesprächen und Wahlveranstaltungen auch rüber bringen.

Zuhören, Argumente austauschen, Kompetenz zeigen: Jeder Bürgermeister (und jeder Kandidat) habe „seine eigene Handschrift“. Sein Handwerkszeug in der Politik sei eben das Gespräch und die Information. „Kommunikation ist unser wichtigstes Medium“, meint Engesser. Politik sei nicht allein „das, was sich der Bürgermeister vorstellt“: „Man muss sich mehr am Bürger orientieren.“ Schließlich sei die Legitimation der Politiker „aufgebaut auf dem, was die Bürger wollen – und daher habe ich auch die Pflicht, den Wunsch des Bürgers umzusetzen, nicht, mich selber zu verwirklichen.“

Damit ist der Mann aus Singen auch bei den 21er-Themen, die derzeit Dettenhausen und erst recht Stuttgart umtreiben. Zu „Dettenhausen 21“, dem umstrittenen Einkaufszentrums-Projekt und dem bevorstehenden Bürgerentscheid schickt er voraus: Erstmal gelte es, „abzuwarten, was die Bürger entscheiden“. Dann werde die Verwaltung diese Entscheidung umzusetzen haben. Bliebe es bei dem vorgesehenen Standort auf dem Areal des ehemaligen „Bären“ müsse man die Verkehrsfragen dort an der zentralen Dettenhäuser Kreuzung lösen. Werde das Einkaufszentrum dort aber abgelehnt, werde es Hauptaufgabe des neuen Bürgermeisters sein, einen „neuen, möglichst attraktiven Standort zu finden und zu schauen: Was ist machbar?“

Dettenhausen müsse darauf achten, dass der eigene Ortskern mit seinen Versorgungs-Angeboten intakt und zukunftsfähig bleibt. Daher dürfe man „neue Ansiedlungen nicht nur als Bedrohung“ sehen, müsse vielmehr auch die befruchtenden Faktoren erkennen, die sie mit sich bringen. Schon aufgrund ihrer traurigen Finanzlage müsse die Gemeinde schauen, wie sie „aus dem Wenigen möglichst viel“ machen kann und wo sie – etwa durch Bauland-Entwicklung – „wieder Geld generieren“ kann. „Erschreckend“ sei „halt die Null bei den Investitionen im Vermögensetat.“

Weil die Kommunen im politischen Verteilungskampf immer „die schwächsten Glieder“ seien, müsse man in der Kommunalpolitik „an einem Strang ziehen“. Bürger, Räte, Rathausleute müssten viel mehr miteinander reden. „Es wird viel zu wenig miteinander geschwätzt“, sagt Engesser – und meint damit auch die Parteien.

Zwar sei er in der CDU, weil deren Programm seiner „Grundüberzeugung am nächsten steht“ – aber Parteipolitik gehört für ihn nicht ins Rathaus: „Was interessiert mich hier ein Parteibuch?“ – die Realpolitik im Rathaus müsse sich „an Tatsachen orientieren“. Dazu gehört für ihn auch die frühe Information der Bürger. Einen Bürgerentscheid, wie er jetzt in Dettenhausen ansteht, findet er zwar in Ordnung, aber man sollte sowas „nicht zum Standardinstrument machen“. Besser sei es, die Bürger „im Vorfeld mitzunehmen“ – etwa durch gemeinsame Rats-Foren von Gemeinderäten und Bürgern einmal im Jahr.

Dettenhäuser Kandidaten (2): Thomas Engesser

Thomas Engesser ist 1972 in Singen geboren, machte dort 1972 Abitur und studierte an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl, wo er 1997 als Diplom-Verwaltungswirt abschloss. Danach arbeitete er im Singener Rathaus sowie in den Hauptämtern von Küssaberg und Blumberg. Seit 2002 ist er Hauptamtsleiter von Gailingen (3100 Einwohner). Seine Frau Christina (31, von Beruf Biologielaborantin) unterstützt die Bewerbung in Dettenhausen. Ansonsten tritt der 38-Jährige, der CDU-Mitglied ist, „als unabhängiger Kandidat“ an. Engesser und seine Frau sind leidenschaftliche Minigolfer. Engesser ist Jugendleiter und Fachtrainer im Minigolf-Verband.

Thomas Engesser bringt „Blick von außen“ in den Wahlkampf
Zur Zeit täglich unterwegs im Ort zu Vorstellungsgesprächen bei den Wählern: Bürgermeisterkandidat Thomas Engesser, 38, aus Singen. Bild: Sommer

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19.10.2010, 12:00 Uhr

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