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Die Idee einer CDU-Ministerin?

Thomas Waldenspuhl: Auftrag für Nationalpark-Prüfung kam von Tanja Gönner

Weit weniger emotional als im Murgtal und in den Höhengemeinden des Nordschwarzwalds hat sich die CDU in Horb am Montag dem geplanten Nationalpark genähert. Der Stadtverband hatte zur Info-Veranstaltung mit Dr. Thomas Waldenspuhl von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes und Dr. Wolfgang Schlund vom Naturschutzzentrum Ruhestein ins „Schiff“ eingeladen.

04.04.2012

Von Marike Schneck

Horb. Das Interesse war ordentlich und die Kritik deutlich, vor allem jener, die aus den betroffenen Gebieten zu der Veranstaltung ins Neckartal gekommen waren. Viele Horber haben sich derweil nur am Rande mit dem geplanten Nationalpark (die SÜDWEST PRESSE berichtete) beschäftigt. „Wir haben hier andere Themen, die uns umtreiben?, sagte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thomas Kreidler und zählte die Hochbrücke, die Bahnhofsbebauung und das Citymanagement auf.

Der Kreisbauernverbandsvorsitzende Gerhard Faßnacht aus Altheim hatte sich dennoch vorab zu einer Wanderung in den Bannwald aufgemacht, um einen Eindruck zu gewinnen. Überzeugt hat ihn diese nicht: „Wir haben hier keine Rohstoffe außer unseren Wald. Wir müssen uns gut überlegen, ob wir uns einen Nationalpark leisten können.? Seine Kritik, dass abseits jeder Wirtschaftlichkeit Geld bei Planung und Umsetzung wohl keine Rolle spiele, konterte Wolfgang Schlund mit dem Kölner Dom: „In den stecken wir auch Millionen Euro, weil er uns das wert ist ? ohne zu fragen, was er uns wirtschaftlich bringt.? Man könne nicht von Nachhaltigkeit sprechen und gleichzeitig Rohstoffflächen brachliegen lassen, monierte der Eutinger Werner Gsell. „Auch uns tut jeder Meter weh, den wir aus den Kulturflächen rausnehmen?, erwiderte Schlund. „Wenn wir das für Industrieflächen machen, schreit kein Mensch. Wenn wir aber der Natur ein kleines Stück zurück geben, ist der Aufschrei groß. Dabei ist diese Fläche dann wenigstens noch grün.?

Falkner Jürgen Meyer aus Starzach bat darum, wirtschaftliche Interessen in der Diskussion außenvorzulassen. „ Es geht darum, Natur für unsere Kinder und Enkel zu erhalten.? Auch die Evolution schwinge bei solch einer ideellen Diskussion mit, sagte Waldenspuhl. „Uns Menschen würde es nicht geben, wenn die Natur nicht eine lange Zeit sich selbst überlassen worden wäre.?

Dass sich die Christdemokraten in und um Horb über den geplanten Nationalpark informieren, ist vom Kreisverband unbedingt gewollt. Zwar ist das Neckartal von der Planung nicht unmittelbar betroffen, wohl aber könnte Horb mit in die Entscheidung einbezogen werden. „Wenn es zu einer Bürgerbeteiligung im ganzen Landkreis kommt, wollen wir, dass alle Bescheid wissen, ehe sie abstimmen?, sagte Andreas Bombel, Nationalpark-Beauftragter der CDU im Kreis.

Diesem Auftrag wurden Thomas Waldenspuhl und Wolfgang Schlund vom Naturschutzzentrum auf dem Ruhestein durchaus gerecht. Sie reihten Fakten an Fakten, beantworteten eine Frage nach der anderen und sorgten mit einer Google-Earth-Flugsimulation über das geplante Gebiet für ein Aha-Erlebnis. „Das war schon eindrücklich?, sagte Thomas Kreidler hernach. „Da ist mir erstmal bewusst geworden, wie klein die Fläche des möglichen Nationalparks wirklich ist.? Die beträgt mit geplanten 10 000 Hektar nicht mal 3 Prozent des bestehenden Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord (375 000 Hektar) und soll ausschließlich auf den Höhen fernab der Siedlungsfläche entstehen. Schlund: „Der Nationalpark könnte der Impuls Mehr sein, der den Naturpark noch attraktiver macht.?

Überrascht zeigten sich einige, als Waldenspuhl, selbst CDU-Mitglied, erzählte, dass nicht der grüne Landwirtschaftsminister Alexander Bonde die aktuelle Nationalparkplanung vorangetrieben habe, sondern die frühere CDU-Landesumweltministerin Tanja Gönner. Die habe 2011 den Auftrag erteilt, zu prüfen, wo im Schwarzwald ein Nationalpark möglich ist. Zudem habe das schwarz-gelbe Bundeskabinett bereits 2007 beschlossen, bis 2020 5 Prozent der deutschen Waldflächen der Wildnis zu überlassen. Schlund: „Uns geht es um die Sache. Genauso ernst wie wir damals den Auftrag von Frau Gönner genommen haben, zu schauen, ob ein Nationalpark möglich ist, nehmen wir nun den Auftrag von Herrn Bonde, zu prüfen, ob sich ein Mehrwert für die Region ergibt.? Sei es eine befürchtete Borkenkäferkalamität, wie Hans-Peter Duss, früherer Forstamtsleiter von Schönmünzach, sie anmahnte, der drohende Zerfall der Kulturlandschaft (Alfred Finkbeiner aus Besenfeld) oder die Frage nach der Haftung (Karl Kappler aus Besenfeld) ? die Fachleute nahmen die Sorgen und Nöte der Zuhörer ernst und blieben selten eine Antwort schuldig. Aber die Rahmenbedingungen eines Nationalparks, sagten sie, ließen sich erst mit dem Gutachten klären und seien Verhandlungssache. „Deshalb brauchen wir auch ein kommunales Mitspracherecht?, so Schlund.

Dass dieses Gutachten der Beratungsunternehmen „PricewaterhouseCoopers? und „Ö:Konzept? objektiv und fundiert und keinesfalls nach geschuldeter Gefälligkeit ausfalle, davon seien sie überzeugt, so Waldenspuhl auf Nachfrage des früheren Staatssekretärs Norbert Schneider. Nicht das Ministerium, sondern der Lenkungskreis Nationalpark mit den Landräten aus Freudenstadt, Calw, Rastatt und der Ortenau, dem Oberbürgermeister des Stadtkreises Baden-Baden und den Regierungspräsidenten von Freiburg und Karlsruhe habe die Unternehmen beauftragt. Zudem arbeiteten lokale Experten in regionalen Arbeitskreisen mit. Deren Aufgabe sei es, Bedenken aus der Region aufzugreifen. „Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden im Internet veröffentlicht, damit sie jeder anschauen kann und weitere Anregungen anbringen kann?, so Waldenspuhl. „Das ist offen für alle. Machen Sie da unbedingt mit!?

Wolfgang Schlund und Thomas Waldenspuhl (rechts vorn) informierten die CDU in Horb über den geplanten Nationalpark Nordschwarzwald. Bild: Kreidler

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Erstellt:
4. April 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. April 2012, 12:00 Uhr

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