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Motocross: Zäher Weg zurück nach der Zwangspause

Tobias Garhammer will in Reutlingen mit dem Seitenwagen zu alter Stärke finden

Erst 2012 hat Tobias Garhammer mit dem Motocross angefangen. Und sich in der nationalen Spitze etabliert – bis letztes Jahr seine Achillessehne riss. Der 31-jährige Öschinger hat sich für das Heimspiel in Reutlingen am Wochenende einiges vorgenommen. Und kämpft darum, dass der Verband seinen 50-jährigen Beifahrer Bruno Kälin auch weiterhin im Seitenwagen mitfahren lässt.

23.07.2015
  • Moritz Hagemann

Öschingen. Die Erinnerungen ans letzte Jahr sind negativ. Während die anderen Fahrer in Reutlingen ihre Runden drehten, konnte Tobias Garhammer auf Krücken gestützt nur zuschauen. Damals war gerade eine Woche vergangen, nachdem er sich bei einem Rennen in Tschechien die Achillessehne gerissen hatte. „Ich dachte erst, dass mein Fuß gebrochen ist“, erinnert sich Garhammer. „Und das wäre fast besser gewesen.“ Bei einem Bergab-Sprung hatte er seinen Fuß so überstreckt, dass die Belastungen zu groß geworden sind. Doch ein Achillessehnenriss ist langwierig. Drei Stunden täglich habe er der Physiotherapie gewidmet, um unbedingt zum Jahresende wieder fit zu sein. Denn: „Wenn man am Ende vom Jahr keinen Beifahrer gefunden hat, sind alle schon weg.“

Über den Vater Michael, Ratgeber des eigenen Rennstalls „Team Garhammer“, kam dann der Kontakt zum Schweizer Bruno Kälin zustande. „Der Älteste von allen“, sagt Garhammer junior. Aber nicht nur ein guter, sondern trotz seiner 50 Jahre auch ein fitter Beifahrer. Garhammer: „Es hat sofort gepasst – auch menschlich.“ Was nicht passte, waren jedoch die Leistungen zu Saisonbeginn. Kälin wurde krank, Garhammer musste ein Rennen auslassen und eines mit einem Ersatzbeifahrer bestreiten. Ende Mai in Dolle riss das Pech auch nicht ab: Sturz im Training, Rückenschmerzen bei Garhammer, den ersten Lauf irgendwie absolviert – aber der zweite Lauf musste ausgelassen werden.

Im umgebauten LKW touren sie durch Europa

Kein Wunder, dass der Öschinger mit einem „überhaupt nicht“ antwortet, wenn er auf die Zufriedenheit mit dem aktuell 13. Platz in der deutschen Meisterschaft angesprochen wird. Denn vor seinem Achillessehnenriss war Garhammer mit dem damaligen Beifahrer Michael Klooz nur wenige Punkte hinter Rang drei in Deutschland positioniert. Nach „ganz vielen Problemen“ blickt Garhammer der Zukunft nun optimistischer entgegen. Und die heißt: Reutlingen, kommendes Wochenende. „Da ist ein starkes Teilnehmerfeld am Start“, sagt Garhammer. Aber er habe natürlich im Hinterkopf, vor vielen Freunden an der Strecke in die Phalanx der Spitzenfahrer einbrechen zu können.

Einen LKW haben sie zu einem Wohnmobil umgebaut und touren damit durch ganz Europa. Denn Garhammer fährt auch um die Weltmeisterschaft. Qualifiziert man sich dort für ein Rennen, gibt’s 500 Euro Prämie. „Aber zuletzt haben wir in Frankreich alleine 800 Euro für Benzin und Maut ausgegeben.“ Die Kosten waren der Grund, warum Tobias Garhammer so spät erst mit dem Rennsport angefangen hat. Und dafür die Fußballkarriere beim TSV Öschingen opferte. Er erzählt, dass bei einem Rennen in Tschechien alleine 2500 Euro für Motorreparaturen fällig geworden seien: „Da zahlt man dann einiges aus eigener Tasche.“ Und das Team um Trainer und Vater Michael Garhammer, Teamchef Axel Siegle, den Betreuer sowie drei Mechaniker gibt es ja schließlich auch noch.

Wie es in der kommenden Saison weitergeht, weiß der hauptberufliche Polizist Garhammer noch nicht. Der Weltverband will keine Beifahrer mehr über 50 Jahren – wie eben Bruno Kälin. „Dagegen protestieren alle Teams“, sagt Garhammer. Ende November ist eine Sondersitzung anberaumt. Bis dahin wollen Garhammer und Kälin nach über einem Jahr auch wieder zu Deutschlands Spitze gehören.

Tobias Garhammer will in Reutlingen mit dem Seitenwagen zu alter Stärke finden
T. Garhammer.

Tobias Garhammer will in Reutlingen mit dem Seitenwagen zu alter Stärke finden
Deutsch-Schweizer Duo: Fahrer Tobias Garhammer (vorne) und Bruno Kälin.

Am Samstagmorgen ab 8 Uhr beginnen die Trainings- und Qualifikationseinheiten für die Motocross-Fahrer beim 53. ADAC Motocross in Reutlingen. Ab 13 Uhr suchen dann diverse Klassen in zwei Läufen ihre Sieger. Am Samstagabend dürfen Seitenwagen- und Quad-Fahrer noch im freien Training testen. Am Sonntag (13 Uhr) wird zunächst der erste Lauf im Baden-Württemberg-Pokal der Crosser ausgetragen, der zweite Lauf steigt um 15.10 Uhr. Außerdem finden mit dem Quad und dem Seitenwagen Läufe zur deutschen Meisterschaft statt. Die Seitenwagen-Fahrer um Tobias Garhammer sind um 14.20 Uhr und 16.40 Uhr dran. Der Eintritt ist für Kinder unter zwölf Jahren frei. Am Samstag zahlen Erwachsene 8, am Sonntag 18 Euro. Die Strecke befindet sich rund einen Kilometer vom Kreuzeiche-Stadion entfernt an der L383. Am Freitag gibt es erstmals eine Mountainbike-Jump-Show statt Freestyle.

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23.07.2015, 12:00 Uhr

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