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Tod einer Aktivistin
Foto: fotoarena/zuma press/dpa
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Tod einer Aktivistin

16.03.2018
  • TOBIAS KÄUFER

Rio de Janeiro. Marielle Franco hatte keine Chance. Die Stadträtin und Menschenrechtsaktivistin starb im Kugelhagel mitten in Rio de Janeiro. Die Bilder von der zerschossenen Karosserie ihres Fahrzeuges in dem auch der Fahrer blutüberströmt sein Leben ließ, lassen erahnen, wie sich der Überfall abspielte. Nur eine Assistentin überlebte. Insgesamt feuerten die Täter acht Projektile ab.

Dieses Mal hat das Konsequenzen. Die Menschen in Rio de Janeiro gehen nicht zur Tagesordnung über wie bei den vielen anderen Morden in der Olympiastadt von 2016. Diesmal versammeln sie sich trotz der Hitze vor dem Stadtparlament und demonstrieren: gegen die Militärpolizei, gegen die Gewalt in der Stadt, gegen die strategielosen Sicherheitskräfte. Gegen den Absturz einer Stadt, die eigentlich nach Olympia hätte im Glanz erstrahlen sollen, nun stattdessen im Sumpf der Korruption untergeht. Der Fall hat das Potential, eine neue Protestwelle auszulösen. Der prominente Befreiungstheologe Frei Betto sagt: „Wir sind alle Marielle.“ Sie stehe für den Kampf all jener, die sich für ein besseres Brasilien einsetzten.

Die Polizei geht laut einem Bericht der Tageszeitung „O Globo“ von einer Hinrichtung aus. Damit bekommt der ohnehin schon dramatische Fall eine politische Dimension. Die 38-jährige Abgeordnete des Stadtparlaments leitete die Menschenrechtskommission, die die Mitte Februar gestartete Intervention des Militärs in Rio überwachte. Und sie galt als die Hoffnung der Schwarzen: Die Linkspolitikerin war in der Olympia-Stadt äußerst populär, kam bei den jüngsten Wahlen 2016 auf den respektablen fünften Platz. Marielle Franco selbst stammt aus dem Armenviertel Mare, einem der gefährlichsten Viertel Rios und kennt die Probleme, mit denen die Menschen dort zu kämpfen haben. Sie war Ansprechpartnerin, Kritikerin, Beobachterin – nun ist sie tot.

Militarisierung der Stadt

Franco hatte in den vergangenen Tagen über mögliche Menschenrechtsverletzungen der Militärpolizei berichtet. So sollen zwei Jugendliche im Armenviertel Acari hingerichtet worden sein, über einen weiteren Fall berichtete sie in der vergangenen Woche. „Wie viele müssen noch sterben, bevor dieser Krieg endet?“ kommentierte sie ihren Post. Offenbar ist sie nun selbst Opfer dieses Krieges geworden, den zuletzt zahlreiche Menschenrechtsorganisationen scharf kritisierten. Auch die Vereinten Nationen meldeten sich in dieser Woche zu Wort und kritisierten die Militarisierung der Stadt durch die Militärpolizei. Tobias Käufer

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16.03.2018, 06:00 Uhr

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