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Kolumbien

Tod im Schlamm

Die Kraft der Wasser- und Geröllmassen radiert ganze Wohnviertel aus. Die Menschen in Mocoa verlieren alles, hunderte sterben.

03.04.2017
  • TOBIAS KÄUFER

Alexander Lopez rannte um sein Leben. Fünf Minuten lief er so schnell er konnte, weg vor den Wassermassen der Flüsse Mocoa, Sangoyaco, Taruca und Mulato, die längst zu einer gewaltigen Schlammlawine zusammengewachsen waren. Zum Glück entschied er sich für die richtige Richtung und kam mit dem Leben davon. „Viele meiner Freunde haben ihre Familie und ihre Häuser verloren. Zumindest meine Leute sind noch am Leben“, berichtet der Mann der Tageszeitung „El Tiempo“. Alles was er noch besitzt, trägt er am Leib. „Aber ich lebe noch. Gott sei Dank.“

Die Katastrophe in Kolumbien kam über Nacht. Verwackelte Videos zeigen wie Bewohner zugleich erschrocken und fasziniert beobachten wie sich die ersten Wassermassen ihren Weg durch die Stadt Mocoa bahnen. Wenig später filmt niemand mehr, stattdessen rennen die, die es noch können um ihr Leben. So wie Alexander Lopez. Denn nun bahnt sich eine gewaltige Lawine aus Schlamm, Geröll und Wasser ihren todbringenden Weg durch Stadt an der ecuadorianischen Grenze.

Helfer völlig überfordert

Hunderte von Toten werden befürchtet; die Helfer sind völlig überfordert. Und es werden immer noch viele Menschen vermisst, die der Wucht des Wassers nicht entkommen konnten. Die Bilder, die sich bei Tagesanbruch zeigen, sind verheerend: Entwurzelte Bäume, eingestürzte Häuser, dazu riesige Felsbrocken, die mit dem Wasser alles niederwalzten was sich ihnen in den Weg stellte. Dazwischen klettern Helfer mit Liegen über die Trümmer. Sie transportieren Schwerverletzte und Leichen aus dem Katastrophengebiet.

Wie in Peru vor wenigen Wochen wird auch Kolumbien derzeit von ungewöhnlich heftigen Regenfällen heimgesucht. „Die halbe Stadt ist weggespült“, rief ein Bewohner aus der Ferne als er den Tross um Präsident Juan Manuel Santos sah, der ins Katastrophengebiet kam. Die Katastrophe hat die „Nabelschnur“ der Stadt durchtrennt. Es gibt kein Strom, kein Wasser, kein Gas. Im Krankenhaus fehlt es an Betten, Medikamenten und Hilfsmittel um die vielen Verletzten zu versorgen.

Viele Häuser existieren nicht mehr, die Menschen darin hatten keine Chance zu entkommen. Ihnen wurde im wahrsten Sinne des Wortes von der urplötzlich anwachsenden Flut den Boden unter den Füßen weggespült. Andere Opfer wurden in den Trümmern zerquetscht oder ertranken.

Was die Lage für die Kleinstadt besonders dramatisch macht: Zwei Brücken, die einzigen die in der Nähe über die Flüsse führen, sind eingebrochen; der Ort muss aus der Luft versorgt werden.

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03.04.2017, 06:00 Uhr

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