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Madrids linke Stadtregierung beendet Subvention - Escuela de Tauromaquia sucht Hilfe

Todesstoß für Torrero-Schule

Wie rottet man den Stierkampf aus? Indem man ihm Subventionen streicht. Genau das versucht die Stadt Madrid. Sie will der größten Stierkämpferschule des Landes den Todesstoß versetzen. Die wehrt sich.

04.04.2016
  • FABIAN WEGENER, DPA

Madrid. Fahles Licht fällt durch die teils zersplitterten Fenster der großen Halle, in der man Jungen das Töten lehrt. Erst wenn sie eintreffen, erwacht das baufällig anmutende Gebäude zum Leben. Hier werden die Schüler Abend für Abend auf einen sehr speziellen Beruf vorbereitet.

In der Escuela de Tauromaquia de Madrid (Madrider Stierkampfschule) lernen sie, wie man in der Arena Stiere tötet - und damit die Massen begeistert. Derzeit sind der Jüngste von ihnen neun und der älteste 18 Jahre alt.

Mit gebücktem Rücken, in der Hand ein Hörnerpaar, bewegen sich einige Jungen stöhnend und grunzend auf schwere rote Tücher zu, die andere Jungen ihnen entgegenhalten. Es ist ein unwirkliches Bild, wenn Jungen in Jogginghosen anmutige und bedächtige Kreisbewegungen um die Stierattrappen herum vollführen und üben, was zum Beispiel El Luli, ein ehemaliger Absolvent der Schule, ihnen vor einigen Tagen in Valencia und Arles vorgemacht hat: mit dem Stier tanzen - und ihm im rechten Moment den Todesstoß versetzen.

An den Wänden der Halle hängen dutzende vergilbter Poster, Relikte einer alter Zeit. Wie es aussieht, könnte die Schule bald selbst der Vergangenheit angehören. Denn die Stierkampfschule vor den Toren Madrids, die als die älteste und renommierteste in Spanien gilt, soll auf Bestreben der linken Stadtregierung geschlossen werden.

"Der Stierkampf wird politisiert", schimpft José Luis Bote, früher ein erfolgreicher Stierkämpfer und jetzt Direktor der Schule. Dabei schlägt er mit der Hand immer wieder energisch auf den Holztisch vor ihm. "Der Stierkampf gehört nicht den Politikern, er gehört dem Volk!" Seit mehr als 40 Jahren!

Selbst dem Laien wird klar: Wäre der Stierkampf eine Religion, dann wäre die Madrider Schule eine bedeutsame Kirche. "Sie ist die Mutter aller Stierkampfschulen", sagte Bote und zählt Namen über Namen berühmter Stierkämpfer auf. "Nicht nur in Spanien, sondern in der ganzen Welt."

Doch das einst so glorifizierte Spektakel, Sinnbild spanischen Kulturguts, trifft auf Widerstand. Petitionen von Stadtparlamenten, regionale Verbote wie in Katalonien oder auf den Kanaren, negative Berichterstattung - die Liste dessen, was die Stierkampffreunde als Repressalien begreifen, ist lang.

Die Stierkampf-Lobby hatte darauf lange Zeit lethargisch-lässig reagiert. Umso größer die Überraschung, als Mitte März mehr als 30 000 Menschen in Valencia für die Rechte der Stierkämpfer demonstrierten. "Freiheit, Freiheit" hallte es durch die Straßen.

Für die Stierkampfschule könnte das Aufbegehren zu spät kommen. Die Subventionen für die "Torero-Talentschmiede", ein Überbleibsel alter Verträge mit der vorigen konservativen Stadtregierung, sind vor Monaten eingestellt worden.

Den Stierkämpfern ist deshalb klar, dass ihre Zukunftsaussichten eher düster sind. Auf einem Schild am Ende der Übungshalle prangt der Slogan: "Es im Stierkampf zu etwas zu bringen, gleicht einem Wunder", und gleich darunter der Slogan: "Wer es doch schafft, wird wohl vom Stier auf die Hörner genommen."

Einer, der dieses "Wunder" vollbringen könnte, sagte Bote, sei Carlos Ochoa, ein 18-jähriger Schüler der Escuela. Er denkt nach eigenen Angaben "nur an den Stierkampf", schaut sich Videos an und studiert Bewegungen ein. Ochoa hat nur ein Ziel: "Ich möchte mir in der Arena einen Namen machen".

Dass die Schule geschlossen werden soll, stimme ihn zwar traurig, sagt Ochoa, in erster Linie aber eher rebellisch. "Wir werden sie nicht gewinnen lassen. Wir sind viele und vertreten unsere Sache mit Leidenschaft."

Für die Tierschutz-Partei Pacma ist die geplante Schließung der Schule alles andere als ein Grund zur Trauer. "Das ist ein "Schritt in die richtige Richtung", sagt die Vorsitzende Silvia Barquero. Der Stierkampf sei "eine Geißel" der Vergangenheit, von der sich die Politik der Gegenwart nicht lossagen will.

"Wir geben uns aber optimistisch, dass diese Barbarei in 20 Jahren vollständig aus Spanien verschwunden sein wird", sagt Barquero. Dabei stützt sie sich auch auf Umfragen wie die des Institutes Ipsos, wonach 57 Prozent der Erwachsenen zwischen 16 und 65 Jahren dem Stierkampf gegenüber negativ eingestellt sind.

Bote kann die Anfeindungen nicht nachvollziehen und gibt sich kämpferisch. Angesichts der schwierigen Lage hatte er die konservative Regierung der Region Madrid um Hilfe gebeten - und wurde erhört. Regierungschefin Cristina Cifuentes: "Wir werden nicht zulassen, dass man Professoren und Schüler auf die Straße setzt."

Cifuentes bewirkte, dass die Madrider Stierkampfarena "Las Ventas", eine der größten der Welt, die Schule finanziell unterstützt. Zudem ist die Eröffnung einer neuen Schule in eben dieser Arena geplant. Nur wann genau - das weiß hier noch niemand.

Die Fronten scheinen geklärt. Die linke Stadtverwaltung will die Schule beerdigen, die konservative Regionalregierung sie retten. "Wir sind Spielball der Politiker geworden", sagt Bote. Für ihn geht es um ein kulturelles Erbe. "Wir werden diese Schule besetzen", beschwört der Mann, der von seinen Schüler ehrfurchtsvoll "Meister" genannt wird. "Wenn sie uns dann rausjagen wollen, müssen sie schon die Polizei rufen."

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04.04.2016, 06:00 Uhr

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