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Prozess in Frankfurt

Tödlicher Kampf gegen den Teufel

Lange und qualvoll muss der Tod einer Südkoreanerin in einem Frankfurter Hotel gewesen sein. Die Anklage sagt: Verwandte wollten ihr Dämonen austreiben.

11.10.2016
  • AFP

Frankfurt. Die nüchternen Worte der Anklage lassen nur erahnen, wie grausam Mitglieder einer südkoreanischen Familie eine 41-Jährige in einem Frankfurter Hotel zu Tode gequält haben sollen. Sie fügten ihr nach Ansicht der Staatsanwaltschaft bei einer angeblichen Teufelsaustreibung stundenlang Schmerzen zu, nachdem die Frau Selbstgespräche geführt und um sich geschlagen hatte. Auch ihr Sohn steht deshalb nun vor Gericht.

Der 16-Jährige sitzt am Montagmorgen erstmals zusammen mit vier Verwandten im Alter von 16 bis 45 Jahren auf den Anklagebänken im Landgericht Frankfurt am Main. Insgesamt zehn Verteidiger und drei Dolmetscher haben an ihrer Seite Platz genommen, als Staatsanwältin Sandra Dittmann vorträgt, was am 5. Dezember 2015 in Zimmer 433 eines großen Frankfurter Hotels geschehen sein soll. Mitten in der Nacht soll sich die Familie zu einer Teufelsaustreibung entschieden haben. Nach Überzeugung der Anklage drückten sie die Frau zu Boden, hielten ihre Arme und Beine fest, knieten auf Brust und Bauch. Schließlich hätten sie ein Handtuch und einen Kleiderbügel in den Mund gedrückt, um das Schreien zu unterdrücken. Mindestens zwei Stunden soll das Leiden der Frau gedauert haben. Sie erstickte schließlich. An ihrem Körper fanden sich Blutergüsse, ihre Mundwinkel waren eingerissen.

Was in den Köpfen vorging

Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen. Äußerlich ruhig sitzen die fünf Frauen und Männer da, als die Dolmetscher ihnen die Anklage übersetzen. Wie schwierig das Verfahren werden könnte, deutet ein Antrag der Verteidigung an. Ein Anwalt beantragt, einen ethnosoziologischen Sachverständigen hinzuziehen, um die kulturellen Hintergründe in der koreanischen Heimat der Angeklagten zu erhellen. Sein Mandant sei nur dort sozialisiert worden, sagt Oliver Wallasch. Es gehe um den Versuch, möglichst viel davon zu verstehen, was geschehen und in den Köpfen vorgegangen sei.

Neben dem 16-jährigen Sohn des Todesopfers sind dessen ebenfalls 16 Jahre alter Cousin sowie die 45-jährige Cousine der getöteten Frau, deren 22 Jahre alter Sohn und ihre 19-jährige Tochter angeklagt. Bis Mitte Januar sind 14 weitere Verhandlungstage angesetzt. afp

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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