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40 Jahre Epplehaus

Tolle Atmosphäre bei der 40-Stunden-Feier

Vor 40 Jahren wurde das Tübinger Epplehaus besetzt, benannt und zum Jugendzentrum gemacht. Am Wochenende wurde gefeiert. Dazu kamen viele ehemalige Mitarbeiter und Besucher angereist.

25.06.2012
  • Michael Sturm

40 Jahre Epplehaus: Demo als Feier-Auftakt

40 Jahre Epplehaus: Demo als Feier-Auftakt --

00:37 min

Tübingen. Samstagnacht im Keller des Epplehauses: Sophie Hütterhofer ist das erste Mal hier – und „beeindruckt von der Atmosphäre, auch wenn ich mit 26 Jahren das Durchschnittsalter etwas anhebe.“ Nicht doch: Zu zischenden Beats vom DJ-Pult wirbelt auch der Endvierziger Jakob Meyer. „Einer fragte, ob er für mich die Bässe lauter drehen soll“, sagt Meyer und lacht.

Vor 30 Jahren ist er als Schüler oft im Epple gewesen – „ein wohlbehütetes Professorenkind, das hier versumpft ist“, wie Meyer überspitzt formuliert. Er habe damals meistens den kurzen Weg genommen, direkt vom Kepler-Gymnasium, um im Epplehaus Billard oder Tischfußball zu spielen, um Musik zu hören und in der ruhigen Teestube seine Hausaufgaben zu machen. Es ist „eine Art von Lifestyle“ gewesen, die ihn damals ins Tübinger Jugendhaus gezogen hat. Kurios: „Meine Kinder hätte ich nie hier rein gebracht.“

Früher am Abend hatte Meyer die Ausstellung zur Geschichte des Hauses im oberen Stockwerk besucht. Darunter waren Bilder und kurze Filme, die in einer Dauerschleife gezeigt wurden. Meyer traf dort auf Leute aus seiner Generation. Immer wieder seien Sätze gefallen wie: „Das ist doch der Manni.“ Das, sagte Jakob Meyer, habe ihn richtig gerührt.

Die große positive Überraschung des Wochenendes war das Open-Air-Gelände im Schatten des ehemaligen Casinos: Es reichte von einem Steg über die Steinlach hinter dem Epplehaus bis zu jener Stelle, wo die Schaffhausenstraße unter der Blauen Brücke verschwindet. Ein bis dahin völlig ignoriertes Eck blühte auf. „Es hat sich angeboten“, so Rainer Letsche vom Tübinger Ordnungsamt. Dessen Chef Rainer Kaltenmark sei auf die Idee gekommen, das Festival dort stattfinden zu lassen. Dies stieß auf großen Zuspruch: „Die Arena sollt‘ mr grad so lassa“, fand Besucherin Annette Künne.

Ihr Partner Armin Müller gehörte zu denjenigen, die das Epplehaus vor 40 Jahren besetzt hatten. Als gelernter Maurer trug er etliche Arbeitsstunden zur Umgestaltung des Gebäudes bei: „Wir wollten es damals für die Ewigkeit renovieren.“ Bai solchen Arbeitseinsätzen haben Müller zufolge einige der Beteiligten so gute handwerkliche Fähigkeiten erlernt, dass sie darüber in Lohn und Brot kamen. Die wenige Jahre später einsetzende Punkphase habe er nicht mehr mitgemacht: „Wir waren Rocker. Unser Rockmusiker schlechthin war Frank Zappa. Auf den haben sich alle einigen müssen.“

Am Freitag und am Samstag traten auf den beiden Bühnen im Epplehaus und draußen vorwiegend Bands mit Verbindungen zum Tübinger Jugendhaus auf. Einige der Musiker beschworen Erinnerungen an ehemalige Tübinger Bands wie die Court Jester‘s Crew oder die Hölderlin Tunes herauf. So freute sich Daniel Müller, „dass die verschiedenen Genres, die das Epplehaus einst geprägt haben, ob Metal, Reggae oder Hardcore, heute vertreten sind.“

Das Epplehaus ist mittlerweile eine ähnliche Marke wie der unter Linken populäre Fußballclub FC St. Pauli. Die jüngste Generation von Mitarbeitern kümmerte sich darum, Devotionalien unter das Volk zu bringen. Es gab T-Shirts, Tassen, Buttons, Feuerzeuge und selbst bedruckte Jutetaschen zu kaufen. Anna (17) und Dinah (16) fanden über das offene Plenum zur Mitarbeit.

Die beiden Mädchen, deren Eltern „früher nie hier rein gegangen“ wären, wühlten sich durch alte Aktenordner, um die Geschichte des Hauses mit seiner antifaschistischen Tradition zu erfassen und in der bereits erwähnten Ausstellung gebührend heraus zu streichen. Einen geruhsamen Samstag hatte Polizist Rudolf Hellstamm, der die entspannte Atmosphäre vor der Freiluftbühne genoss. In Bezug auf das bunte Publikum fragte er rhetorisch: „Warum sollten die Rabatz machen?!“

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25.06.2012, 12:00 Uhr

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