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Die ersten Foto-Schätze unserer Leser/innen

Tolle Bilder mit dem Blech der frühen Jahre

Die Zeitzeugnisse kommen in Schwung: Nach dem Start des Geschichtsprojekts am vergangenen Samstag haben sich die Leserinnen und Leser mit außergewöhnlichen Fotos aus der vielfältigen automobilen Welt beteiligt.

13.05.2011
  • Manfred Hantke/Axel Habermehl

Kreis Tübingen. Zum Thema „125 Jahre Automobil“ suchten wir lokale Bilder aus der Frühzeit des Autos, auch Fotos mit Seltenheitswert und jene, die schöne oder abenteuerliche Geschichten mit dem teuren Blech erzählen. Die Leser konnten ihre Fundstücke in den Archiven oder im TAGBLATT kostenlos einscannen lassen und dem Geschichtsprojekt zur Verfügung stellen.

Wahre Schätze sind dabei: Die Tübingerin Gretl Merkt etwa brachte uns ein Foto von 1909. Auf dem Fahrersitz des Lkw der ehemaligen Tübinger Brauerei Marquardtei (Herrenberger Straße, 1840 gegründet, Ende der Brauerei ist nicht bekannt) sitzt ihr Großvater Johannes Schneider. Eine Augenweide ist auch der Pkw der Cousine von Elisabeth Hintrager aus Tübingen. Fotografiert im August 1931 zeigt es einen Stoewer V 5, den ersten serienmäßig hergestellten deutschen Wagen mit Frontantrieb.

17 Jahre später entstand das Bild von Joachim Jantzen und seinem Tretauto. Jantzen, Enkel von Eugen Schäfer, dem einstigen Chef der Tübinger Stuhlfabrik Schäfer (heute ist im Gebäude das Landestheater untergebracht) hatte das metallene Tretauto zu Weihnachten bekommen. Gefertigt hatte es ein Schlosser von „Stuhl Schäfer“. „Es war mordsschwer“, sagt er, „aber so solide wie die Schäfer-Stühle.“ Der in Essen lebende Zahnarzt im Ruhestand ist TAGBLATT-Abonnent, hatte daheim über das Geschichtsprojekt gelesen und brachte sein Bild beim Tübingen-Besuch Anfang der Woche in die Redaktion.

Den rollenden Engel von der ADAC-Straßenwacht fotografierte der damals neunjährige Tübinger Eberhard Enders. Das Bild entstand 1955 in Lustnau an der Adlerkreuzung.

Tolle Bilder mit dem Blech der frühen Jahre
Ein richtiger Foto-Schatz: Auf dem Bild von 1909 sitzt am Steuer des einstigen Brauereiwagens der Marquardtei der Großvater von Gretl Merkt, Johannes Schneider.

Sportlich ließ es schon als Kind Kurt Moser angehen. Der spätere Motorrad-Rennfahrer sitzt als Zehnjähriger in seiner Seifenkiste, bestaunt von seinen Freunden. Vater Wilhelm hingegen liebte die Autorennen. Er war Automechaniker, arbeitete bei der einstigen Tübinger Textilfirma Astra Wollwerk, war Testfahrer bei Maico und werkelte an eigenen Rennwagen. Wilhelm Moser sitzt in einem Kleinstrennwagen der Formel III. Er hatte ihn mit Scheinwerfer und Radschutz ausgestattet, um auch die Straßenzulassung zu bekommen. Das Foto entstand Mitte der 50er Jahre.

Langsamer, aber genauso abenteuerlich war die Fahrt mit dem Lloyd Kastenwagen, Baujahr 1952. Er gehörte dem Mössinger Robert Ehmann, hatte stolze 13 PS und transportierte fast eine gesamte Fußballelf. Im Innenraum brachte er acht Stühle mit abgesägten Stuhlbeinen unter. Wenn dann der SSV Reutlingen kickte, fanden acht Kumpel einen Sitzplatz. Zu zehnt ging es dann zum Stadion.

Robert Ehmann war auch der Besitzer des Lloyd 300 Coupé, Baujahr 1951. Der Zweitakter mit zehn PS fuhr maximal 70 Stundenkilometer. Der Kofferraum hatte keine Klappe, das Gepäck musste von der Fahrer- oder Beifahrertüre aus nach hinten bugsiert werden. Die Seilzugbremsen waren wenig vertrauenerweckend, und die Holztüren lebten mit der Jahreszeit: Im Winter ging das Holz auseinander, die Türen klemmten, im Sommer zog es sich zusammen, die Türen sprangen beim Fahrtwind auf. So nagelte Ehmann die Beifahrertür zu.

Komfortabler ist da schon der Mercedes 230 SL, Baujahr 1964. Das Schmuckstück gehört der Tübingerin Lilo Bäuchle, die Söhne Max (links) und Florian kümmern sich um die Pflege. Den Traum vom SL erfüllte sich Lilo Bäuchle 1978. Da kaufte sie ein Los der ARD Fernsehlotterie. Und gewann: einen Renault R 5 – den sie aber sofort für 9.000 Mark (rund 4.500 Euro) verkaufte und sich das Cabrio für 12.000 Mark zulegte. „Es war das erste Los, das ich in meinem ganzen Leben gekauft habe“, erinnert sich Lilo Bäuchle. „Fünf Mark hat es gekostet, und ich wusste ganz genau, dass ich gewinne.“

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13.05.2011, 12:00 Uhr

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