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Horrorshow und alte Hymnen

Tolle Stimmung beim 9. Rock of Ages-Festival in Seebronn

Regenschauer am Freitag und Samstag verwandelten das Rock of Ages-Gelände in Seebronn in einen matschigen Sumpf. Bei den Auftritten der Hauptgruppen Saxon, Lordi und Kansas blieben die 7500 Zuschauer an beiden Festivaltagen aber trocken.

27.07.2014
  • Martin Zimmermann & Katharina Tomaszewski

Seebronn. Großes Gedränge herrschte am Samstag hinter der Bühne. „Wann kommen die Monster?“ Dutzende Teenager-Mädchen zückten ihre Handys, um ein Selfie mit der finnischen Monsterband vor und nach deren Auftritt zu ergattern.

Die Hoffnung erfüllte sich nur für wenige Fans, da die Rocker in ihren aufwändigen Horror-Kostümen direkt vom Bus an die Bühne gebracht wurden. Aus gutem Grund, denn Monster-Chef Mister Lordi hatte mit seinen schweren Plateausohlen Schwierigkeiten, die Bühnentreppe herunterzusteigen. Immerhin: Lordi-Gitarrist Amen, versteckt unter einer schrecklichen Monstermaske, ging auf die wartenden Fans zu und begrüßte sie mit Handschlag.

Rauchender Totenschädel und Kettensägen

Auf der Bühne hantierte Mr. Lordi mit rauchendem Totenschädel und Kettensägen, ließ sich zur Schönheitskönigin krönen und breitete zum Höhepunkt der Show Fledermausflügel aus. Deutlich ruhiger ging es anschließend bei Kansas zu. Bei ihrem größten Hit „Dust in the Wind“ hielt es Sänger Steve Walsh nicht an seinen Platz hinter dem Keyboard. Er schmetterte die Lagerfeuer-Hymne auf dem ins Publikum hineingebauten Laufsteg. Mehrere tausend Zuschauer stimmten im Refrain mit ein.

Tolle Stimmung beim 9. Rock of Ages-Festival in Seebronn
Kansas

Den Sound von Kansas prägten die virtuosen und teilweise improvisierten Instrumentalsoli von Gitarrist Richard Williams, Violinist David Ragsdale und Steve Walsh, der während der Songs zwischen Keyboard, Gesang und Mundharmonika wechselte. Mitsingen konnten die Fans erst wieder die Zugaben: „Carry on, my Wayward Son“ und „Fight Fire with Fire.“

Von der Originalbesetzung von Nazareth ist nach dem Live-Rücktritt von Sänger Dan McCafferty nur Bassist Pete Agnew geblieben. Der neue Sänger Linton Osborne ist mit seiner hohen Kopfstimme akustisch fast eine Kopie McCaffertys, der das im Juni veröffentlichte Album „Rock ’n’ Roll Telephone“ zwar noch eingesungen hat, aber keine Live-Shows mehr bestreitet.

Tolle Stimmung beim 9. Rock of Ages-Festival in Seebronn
TNT

Aus dem Nachmittagsprogramm ragte die norwegische Power-Metal-Band TNT heraus. Sänger Tony Harnell hat einen Stimmumfang von vier Oktaven und eine Frisur, die an Costa Cordalis erinnert. Von seinen Fans wurde Harnell mit „Tony, Tony“-Sprechchören gefeiert. sobald er die Bühne betrat. Bei „Tribe of Gypsies“ um den Gitarristen Ray Z fühlten sich viele Zuschauer an Carlos Santana erinnert. Einen überzeugenden Auftritt legte am frühen Nachmittag die schwedische Nachwuchsband Houston hin, der es trotz Nieselregens gelang, eine beachtliche Menge an Zuschauern vor der Bühne zu begeistern. Die Mitglieder von Houston mischten sich nach ihrem Auftritt unters Festivalvolk.

Tolle Stimmung beim 9. Rock of Ages-Festival in Seebronn
Für die jüngsten Fans gab es Ohrenschützer.

„Das ist der Wahnsinn“, sagte Lukas Plappert zu seiner Freundin Laura Ziegler aus Calw, als plötzlich zwei Houston-Mitglieder vor ihnen standen Die Schüler holten sich schnell ein Autogramm und machten ein gemeinsames Foto. Auch Tribe of Gypsies plauderten nach dem Auftritt vor der Bühne mit den Fans und verschenkten Plektren mit Bandemblem. „Das macht für mich Rock-of-Ages aus“, fand Volker Müller aus Sindelfingen, „hier geht´s locker zu und alle feiern zusammen“. Wer auf die Schnelle wie ein Rockstar aussehen wollte, konnte sich an Ständen mit Airbrush-Tattoos und Pseudo-Piercings versorgen.

Am Freitag waren kurz vor Beginn des Festivals noch Hagel- und Regen schauer niedergegangen, die den Campingplatz in einen Sumpf verwandelten. Nach der Ansicht vieler Zuschauer zu früh betrat die englische Band Dr. Feelgood als Opener mit sanftem Bluesrock die Bühne. An Toto erinnerte der Sound von Tokyo, einer Band um den österreichischen Gitarristen Robert Musenbichler. Ihr Song „One World“ hatte eine einfach gestrickte, eingängigdie, das Publikum konnte mitsingen.

Tolle Stimmung beim 9. Rock of Ages-Festival in Seebronn

Wishbone Ash spielte fast ausschließlich Songs aus dem 1973er Album „Live Dates“. Am Abend füllte sich das Gelände mit Saxon-Fans, doch die mussten sich noch etwas gedulden. Denn zuvor kam noch das Klassik-Metal-Crossover Lingua Mortis Orchestra auf die Bühne. Die ansonsten katastrophal niedrige Frauenquote auf der Bühne erhöhten die hübschen Streicherinnen des Orchesters in ihren schwarzen Abendkleidern und elegant frisierten Haaren. Die Herren trugen Anzug und Krawatte. Sie legten einen opulenten Klangteppich für die Gitarrenriffs der Heavy-Metal-Combo Rage, die sich mit den beiden lyrischen Sängerinnen Jeannette Marchewka und Dana Harnge verstärkt hatte. Von den Songs ihres Konzeptalbums über die Hexenverfolgung im hessischen Gellnhausen gefiel das Titelstück „Cleansed by Fire“ am besten. Danach kam nur noch wenig Spannendes.

Tolle Stimmung beim 9. Rock of Ages-Festival in Seebronn
Saxon

Rustikaler ging es bei den Schwermetallern von Saxon zur Sache. Eine solide Fangemeinde der britischen Band war nach Seebronn gekommen und feierte ihre Idole mit „Saxon, Saxon“-Sprechchören. Ein Großteil des Publikums konnte Hits wie „Crusader“ oder „The Power and the Glory“ textsicher mitgrölen.

Organisator: Das 10. Festival könnte das letzte sein

Veranstalter Horst Franz kündige an, dass das zehnte Rock of Ages-Festivalim nächsten Jahr ein dreitägiges Best-of von Bands, die schon einmal in Seebronn aufgetreten sind, werde: „Erzählt allen, wie toll es hier ist. Wenn nächstes Jahr wieder so wenig Leute kommen, könnte das zehnte auch das letzte Festival gewesen sein.“

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27.07.2014, 12:00 Uhr

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