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Stille Explosion

Tomasz Stanko Quintet begeisterte im ausverkauften LTT

Mit einem umwerfenden Konzert eröffnete der polnische Weltklasse-Trompeter Tomasz Stanko am Samstagabend die Jazz- und Klassiktage.

18.10.2010
  • Madeleine Wegner

Tübingen. Bereits früher bewies Stanko ein Händchen für die Auswahl junger Musiker – etwa mit dem polnischen Pianisten Marcin Wasilewski, der mittlerweile mit einem eigenen Trio tourt. Nach mehreren Alben in Quartett-Besetzung hat Tomasz Stanko im vergangenen Jahr mit vier jungen skandinavischen Musikern – zwei Finnen und zwei Dänen – das ECM-Album „Dark Eyes“ eingespielt, das sie nun im Konzert vorstellten.

Wie ein gemeinsames, meditatives Mantra wiederholten die Musiker zur Eröffnung eine Phrase, der E-Bass leitete den zweiten, groovenden Teil ein. Zusammen mit Gitarre und Perkussion breitete er einen Teppich aus, auf dem sich die samtig-kratzige Solo-Trompete des 68-Jährigen bewegte und scheinbar fliegend leicht ausbreitete, sich dann aber bald raubeinig zeigte. Stanko ließ sein Instrument elegant schreien und sich in Läufen ergehen, bis sein Gesicht unter dem Base Cap rot anlief.

Gänzlich unaufdringlich und unaufgeregt war dazu das Spiel von Pianist Alexi Tuomarila. Die Gitarre von Jakob Bro, der bereits mit Paul Motion zusammen arbeitete, hatte etwas Abgeklärtes, Schwebend-Lichtes. Den Übergang zum folgenden Stück gestalteten die fünf Musiker fließend, so dass sich zunächst kaum jemand zu applaudieren traute, dann jedoch nach kurzem Zögern jubelnder Applaus losbrach. Das Konzert wirkte – wie das Album – wie ein in sich geschlossenes Werk, das die fünf Musiker still, konzentriert und überzeugend auf die Bühne brachten.

Stanko kündigte keinen der Titel an. Lediglich um am Ende der beiden Sets sein Quintett vorzustellen, trat er ans Mikrofon. Und doch hätten sie präsenter kaum sein können. Alle fünf Musiker haben die Fähigkeit und Größe, auch nur einen dezenten, passenden und einfühlsamen Beitrag zu leisten oder sich gänzlich zurückzunehmen, wo es sinnvoll ist. Stanko lauschte dann etwa in der Hocke sitzend in der Mitte der Bühne oder stand abseits, während ihn der Rhythmus seiner Mitmusiker durchzuckte.

Bassist Anders Christensen, dessen Spiel auf dem Album wunderbar mitträgt und mitgestaltet, wirkte auf der Bühne schwächer und schwerfälliger. In dem Finnen Olavi Louhivuori hat Stanko einen genialen, äußerst einfühlsamen und kreativen Schlagzeuger gefunden, der einen vielschichtigen Sound und hinreißende Soli präsentierte. In den schönsten Momenten verschmolzen die fünf Musiker und atmeten einen Klang.

Das Konzert war von einer dunklen, lyrischen Stimmung und von subtiler Spannung geprägt, die sich kaum gänzlich entlud, sondern das Konzert weiter durchzog: eine stille Explosion in schönster Form – wie das Aufbrechen einer prächtigen Blüte.

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18.10.2010, 12:00 Uhr

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