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Der uralte Traum vom Fliegen

Torsten Merker aus Bühl baut eine ME 109 in Originalgröße

Die meisten Schlagzeuger haben einen an der Waffel. Torsten Merker, Drummer der Bühler Sailer Brothers, ist keine Ausnahme: Das Modellflugzeug, das er gerade baut, hat die Maße des Originals.

24.10.2014
  • Michael Sturm

Bühl. „Ich bin ein Typ, der Sachen macht, die andere nicht machen“, sagt Torsten Merker. Der 39-Jährige aus Bühl meint damit jenes seiner Hobbys, das momentan, wortwörtlich, den größten Raum einnimmt: Merker baut gerade ein Flugzeugmodell aus Holz, eine Kopie des Jagdflugzeugs Messerschmitt BF 109 – im Maßstab 1:1. Ich wollte beweisen, dass es möglich ist“, so Merker.

Der Werkstoff Holz ist mein Ding

Die ME 109, wie sie im Sprachgebrauch meist genannt wird, wurde ab Mitte der 1930er Jahre unter der Leitung von Willy Messerschmitt bei den Bayerischen Flugzeugwerken (daher das Kürzel BF) gebaut. Eigentlich handele es sich dabei um einen fliegenden Motor, den stärksten seiner Zeit, „mit etwas Blech drumrum, damit er fliegt“, sagt Merker und zählt schwärmerisch die Daten auf: Zwölf-Zylinder-Reihenmotor mit über 33 Liter Hubraum und 1475 PS Startleistung. Und dann dieser Sound. „Ich habe eine CD davon. Die lasse ich laufen, um runter zu kommen.“

Merkers Vater Lothar, den Fußball-Fans im Kreis als Betreuer des SV Nehren bekannt, brachte seinen Sohn mit dem Modellbau in Berührung. Der damals Achtjährige war unzufrieden: „Ich wollte einen Düsenjäger bauen.“ Das Flugzeug, das ihm der Vater vorschlug, war eine ME 109. Damals habe ihm die Form nicht gefallen. „Das drehte sich im Lauf der Jahre, als ich mich immer mehr für historische Flugzeuge interessierte“, sagt Torsten Merker heute.

Vor zwölf Jahren setzte er es sich in den Kopf, dieses Modell in einem größeren Maßstab zu bauen. 1:24 – „da hat man was in der Hand.“ Die Ideen schossen fortan nur so aus ihm heraus. Als nächstes baute er ein RC-Modell zum Fernsteuern. Dann zeichnete er Pläne für ein ME 109-Modell im Maßstab 1:6. „Ich hatte noch Holz übrig“, so Merker. Um ein Gefühl für die Größe des Modells zu bekommen, baute er die Cockpit-Haube. „Danach dachte ich, den Rest brauch‘ ich auch!“

Zu diesem Zeitpunkt, 2010, besuchte Merker, gelernter Zimmermann, die Meisterschule. „Der Werkstoff Holz ist mein Ding. Damit mach‘ ich fast alles.“ Etwa Schiffsmodelle. Dabei konstruiere man auch Spanten, wie bei Flugzeugen. Die wiederum seien verwandt mit dem Sparrenbau der Zimmerleute. Auch seine Schlagzeugstöcke drechselt er selbst. Die braucht er bei den Sailer Brothers. „Meine erste richtige Band“, sagt Merker stolz. Eine musikalische Vorprägung habe es nicht gegeben: „Meine ganze Familie ist völlig unmusikalisch. Die können den CD-Player an- und ausmachen.“ Merker bestand das strenge Vorstellungsgespräch bei Bandboss Mike Sailer im September 2003, drei Monate, nachdem er in Bühl mit seiner Frau im Haus ihrer Eltern zusammengezogen war.

Da hat er Raum für seine Hobbys. Wobei das mit dem Raum so eine Sache ist: Das Modell-Cockpit füllt seinen Hobbykeller bereits aus. Alles daran ist selbst gemacht: Pedale, Gashebel, Steuerknüppel aus Holz, die verglaste Kanzel, bemalte Armaturen. Dazu baute er Trimmräder und Kettenzüge für Landeklappen und Höhenleitwerk ein. „Es hätte ein Standmodell werden sollen. Jetzt wird es ein Flugsimulator mit Bildschirmen vorne drin, quasi ein PC-Spiel.“

Eines Tages will er mit der ME abheben

Mittlerweile hat Torsten Merker seine Idee noch weiter gesponnen: Er will das Modell im Maßstab 1:1 bauen. Mehr noch: „Ich will es auch fliegen,“ sagt der Zimmermann. Das heißt, nacheinander zuerst den Segel-, dann den Motorflug-Schein machen. Bei den Flugtagen in Albstadt-Degerfeld kam er in Kontakt mit Leuten, die Erfahrung darin haben, historische Flugzeuge zu restaurieren. Er sagt, es gäbe eine Möglichkeit, eine zu 75 Prozent restaurierte Maschine zu erwerben. Das würde Bauzeit und Kosten erheblich reduzieren.

Für das Projekt braucht er eine Halle. Und Sponsoren – immerhin gehe es um einen sechsstelligen Betrag. Die Messerschmitt-Stiftung verwehrte ihm die Unterstützung. Merker sagt: „Die glauben nicht daran.“ Das spornt ihn nur umso mehr an. Voller Überzeugung sagt er: „Ich schaff‘ das!“

Info Der Fortschritt des Projekts wird auf Facebook unter dem Namen Airplane Projekt festgehalten.

Torsten Merker aus Bühl baut eine ME 109 in Originalgröße
Irgendwann will er richtig abheben: Torsten Merker im Cockpit seiner hölzernen ME 109

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24.10.2014, 12:00 Uhr

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