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Kein Computerchaos, wenig Notfall-Einsätze

Tote Hose an Silvester

KREIS TÜBINGEN (thi). In ihren Szenarien hatten Kliniken, Stromversorger, Behörden und Computeranwender mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch statt Datenchaos und Netzkollaps herrschte beim Datumswechsel 1999 auf 2000 im Kreis Tübingen der Normalzustand. Auch Polizei und Feuerwehr hatten weniger zu tun, als befürchtet.

26.04.2011
  • Thomas Hindermann

Seit langem haben sich allerlei Krisenstäbe akribisch auf den vermeintlich unberechenbaren Datumswechsel eingestellt. Bis ins letzte Detail waren Notfallpläne geschmiedet und Testläufe absolviert worden. In den Tübinger Kliniken war man sich am Ende relativ sicher, auf Notstromaggregate und Batteriekolonnen verzichten zu können — zu Recht, wie sich schon im Laufe des Silvestertages herausstellte.

Vom anderen Zipfel der Welt kam ja schon früh die Botschaft: Alles läuft wie geschmiert. „Da sind viele ruhiger geworden“, sagte Rainer Kaltenmark vom Tübinger Ordnungsamt gegen ein Uhr in der Silvesternacht am Bürgertelefon der Stadt Tübingen. Das war ab 20 Uhr geschaltet, gedacht als erste Adresse für „y2k“-geschädigte Tübinger/innen. „Es ist alles normal verlaufen“, resümierte Kaltenmark zufrieden, selbst Stress mit Schieß- und Feierwütigen gab es kaum.

Dank intensiver Vorbereitung der Jahr-2000-Experten durften die Notfallpläne auch im Klinikum in der Schublade bleiben. „Es funktioniert alles bestens, wir haben keine Ausfälle“, meldete um 0.23 Uhr Horst Leipp, der diensthabende „Leitwärter“ im Uniklinikum. So blieben auch die Piepser der Klinikumsleitung stumm: Die für den „worst case“ anberaumte Krisensitzung der Führungskräfte um 1 Uhr konnte getrost ausfallen.

Das gleiche Bild bei Feuerwehr und Polizei: „Keine Besonderheiten“ und Einsätze sogar „unter dem üblichen Niveau“, meldete Kreisbrandmeister Karl Hermann um 0.57 Uhr. „Wir sind froh darüber“, sagte der Chef aller freiwilli-gen Feuerwehrleute im Kreis erleichtert.
Wenig Aufregendes bei der Polizei: Ein angesengtes (aber leeres) Kinderbett durch eine verirrte Rakete in der Stuttgarter Straße in Tübingen, ein 44-jähriger Hirrlinger Leergutdieb und ein 19-jähriger Bondorfer, der sogar einen Vier-Meter-Sturz durch das Oberlicht eines Rottenburger Autohauses unverletzt überstand.

In Seebronn schoss zehn Minuten nach Mitternacht ein 19-Jähriger einem 17-jährigen Remmingsheimer im Streit mit der Gaspistole ins Gesicht. Der junge Mann musste ärztlich versorgt werden.

„Alles ist ruhig“, berichtete Hauptkommissar Bernd Wellhäuser von der Jahr-2000-Führungsgruppe der Polizeidirektion Tübingen am Samstag um 0.36 Uhr. Selbst eventuell befürchtete Probleme mit Alarmanlagen blieben aus. Sie standen auch beim Jahrtausendwechsel immer unter Strom — zur besonderen Freude der Stadtwerker.

„Wir sind sehr zufrieden, unsere Rechner haben problemlos umgestellt“, sagte Herbert Weitzenberg, der für die Stromversorgung zuständige Prokurist der Stadtwerke Tübingen, kurz nach halb eins auf der Leitwache. Auch dort hatte man nach Neuseeland geschaut und das Ausbleiben von technischen Katastrophen „mit einer gewissen Beruhigung“ registriert. Er sei jedenfalls froh, dass „die deutsche und internationale Ingenieurskunst“ das Problem so gut bewältigt habe.

Und schließlich konnten die Bankkunden aufatmen: Geld abheben, Kontoausdruck drucken, Geldkarte laden — all das war an den Tübinger Bank-Terminals kurz nach Mitternacht kein Problem.

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26.04.2011, 12:00 Uhr

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