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Kommentar

Tote Hose, wo einst die Toten Hosen waren

In Tagen wie diesen sollte man sich vielleicht daran erinnern, dass in den 80er-Jahren im Tübinger „Zoo“ die Toten Hosen rockten und die Fantastischen Vier rappten.

28.08.2012
  • Matthias Stelzer

Zwischenzeitlich ist es zwar ruhiger um Tübingens Wilden Westen geworden. Der Musikclub samt Biergarten am Ende der Westbahnhofstraße hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr von der Livemusik abgewandt. Nach dem Abgang der Gründergeneration um Brigitte Heilemann und Winfried Kast haben sich die Pächter der Event-Gastronomie samt Partys verschrieben.

Tote Hose, wo einst die Toten Hosen waren
Bessere Zeiten im "Zentrum Zoo" bei der Weihnachtsparty 2007.

Dennoch oder gerade deshalb ist es traurig, dass sich am Dienstag ein weiteres „Zoo“-Kapitel schließt: Nach der Insolvenz seiner Vorgänger Birgit und Oliver Schwenk (2009) schmeißt jetzt auch Andreas Rauer hin. Die fehlende Investitionsbereitschaft des Verpächters, die anstehende Erhöhung der Gema-Gebühren, neuerliche Probleme mit Anwohnern und drohende Sperrzeit-Verlängerungen durch das städtische Ordnungsamt sollen dafür gesorgt haben, dass der Schlüssel jetzt umgedreht wird.

Schlimm ist dies für Tübingen nicht nur, weil sich für den ältesten Club der Stadt bisher keine Nachfolgelösung abzeichnet, sondern auch, weil das „Zoo“-Ende mit an der Abwärtsspirale der Ausgehstadt Tübingen dreht. Das „Mancuso“ geschlossen, „Zoo“ zu, der „Blaue Turm“ zum Jahresende auf der Schließliste – da sieht es düster aus im Tübinger Nachtleben. Eine Tatsache, die sich inzwischen auch in den sozialen Netzwerken rumspricht. In Tübingen geht nichts mehr, heißt es dort und eine erste Facebook-Gruppe mit dem Titel „Rock the Nightlife“ hat sich gegründet, um Ideen und Adressen zu sammeln, die das Nachtleben der Studentenstadt retten könnten.

Tatsächlich ist Tübingen als Partypflaster völlig unter die Räder gekommen. Wer sich aktuell zu einer Clubnacht entschließt, sucht in Stuttgart oder mit Abstrichen in Reutlingen. Für Tübingen heißt das: Gastroumsatz (schon am frühen Abend vor der Party) und Stadtimage wandern ab. Eine Tatsache, die im krassen Gegensatz zum Dasein als Unistadt steht. Tübingen ist jung – und sollte es im eigenen Interesse auch bleiben.

Dafür muss Tübingen nun aber mehr denn je zeigen, dass es seine Rolle als Studentenstadt annehmen will. Mit dem Puppenstuben-Image einer Altstadt, in der neue Gastro-Konzepte Mangelware sind, und einer eher jugendfeindlichen Anwohnerkultur wird die Stadt auf Dauer zu einem leblosen Bachelor-Durchgangsbahnhof. Das mag all jenen recht sein, die sich in den wilden 70er-Jahren ausgelebt haben und die grauen Schläfen jetzt gerne von der heutigen Jugend abwenden. Für Tübingen ist tote Hose statt Toten Hosen ganz sicher keine vernünftige Perspektive.

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28.08.2012, 12:00 Uhr

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