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Anpfiff

Totgesagte leben länger

Jedes Jahr gibt es sie. Die kleinen Wunder im Amateurfußball. Spiele, in denen Nuancen über Sieg oder Niederlage, über Jubel oder Tränen entscheiden. Das sind die Geschichten, von denen immer behauptet wird, dass sie nur der Fußball schreiben kann.

27.06.2015
  • Moritz Hagemann

Auch in dieser Saison hat es solche Teams wieder gegeben: abgeschrieben, der Abstieg eigentlich besiegelt – und geblieben.

Doch solche Fußball-Wunder sind meist nur möglich, wenn sich die Vereine gegenseitig in die Karten spielen: wie der Landesligist TB Kirchentellinsfurt und der TSV Hirschau in der Bezirksliga. Noch Anfang Mai war Hirschau Tabellenletzter, neun Punkte hinter dem rettenden Ufer. Dann folgten 13 Punkte aus fünf Spielen. Die Relegations-Rettung gab’s letztlich aber nur, weil der TB Kirchentellinsfurt sein eigenes Wunder vollbrachte, sich rettete und aus der Bezirksliga ein Team weniger absteigen musste. Aus der Winterpause kam der TBK als Tabellenletzter, hatte nur neun Punkte. Und sammelte dann 19 weitere Zähler ein. Hirschau und K’furt verbindet außerdem, dass beide Klubs etwas taten, was nicht üblich ist. Sie hielten an ihren Trainern fest. „Ich hatte noch nie so viele schlaflose Nächte wie diese Saison“, sagt Hirschaus Abteilungsleiter Ralf Hartmann. Und fügt an, ein Abstieg hätte seine Mannschaft im schlechtesten Falle vier, fünf Jahre kosten können. „Denn in der A-Liga wird auch guter Fußball gespielt.“ Die dritte bemerkenswerte Rettung gelang A-Ligist SGM Poltringen/Pfäffingen: mit vier Siegen aus den letzten vier Spielen.

Wenn man nach den Verlierern der Saison sucht, kommt man an der TSG Tübingen II nicht vorbei. Denn die junge TSG-Reserve wurde durchgereicht: von der Bezirksliga in die B-Liga. „Der Frust sitzt tief – bei allen“, sagt Michael Welz, der Abteilungsleiter der TSG. Der rechtfertigt auch, dass die Tübinger durch die Landesliga-Torjäger Jonas Frey und Lars Lack überhaupt erst in die Relegation gekommen sind. Spötter unken, der Abstieg sei die Rache dafür. „Aber das haben die anderen Vereine auch gemacht“, sagt Welz. Der Verband jedoch hat reagiert. Künftig dürfen bereits an den letzten vier Spieltagen keine Stammspieler der höherklassigen Mannschaft mehr eingesetzt werden. Stammspieler ist, wer die Hälfte aller Pflichtspiele bestritten hat. Bislang galt diese Regel nur in der Relegation. „Wir wollen den kleinen Vereinen entgegenkommen“, sagt Horst Beck, der Bezirksvorsitzende Alb.

Aber die TSG hat auch positive Schlagzeilen geschrieben. Mit ihrer ersten Mannschaft, die in der Landesliga mit Platz drei die beste Platzierung seit dem Aufstieg 2008 erreichte. Und damit wie der FC Rottenburg zu den Überraschungen der Liga zählte. Auch die beiden B-Liga Meister VfL Dettenhausen und SV Frommenhausen sind da zu nennen. Wer hatte diese Klubs schon auf der Rechnung? Exakt wie den TSV Altingen, der mit Platz in der A-Liga so gut war, wie nie zuvor. Dort erlebte der SC Azzurri Mössingen eine Horror-Rückrunde – mit 85 Gegentoren in 15 Spielen. Das hat Spuren hinterlassen: „Wir brauchen ein paar Jahre“, sagt Azzurri-Trainer Giancarlo de Santis über einen möglichen Wiederaufstieg in die Kreisliga A. Kein Team kassierte im Kreis letzte Saison mehr als die 115 Gegentore der Mössinger. Den positiven Rekord hält der A-Liga-Meister SSC Tübingen. Die SSC-Kicker trafen in 30 Spielen ganze 105 Mal.

Die kommende Saison wird besonders für alle B-Ligisten prekär. Dann der Verband plant eine Reform des Spielsystems. Stand der Dinge, so Beck, sei, dass es zur Saison 2015/16 nur noch vier anstatt fünf B-Ligen im Bezirk Alb geben wird. Mit der Folge, dass aus jeder B-Liga mindestens drei Teams absteigen werden. Wie Beck berichtet, hätten die Verbandsbosse sogar nur zwei statt drei A-Ligen im Bezirk Alb angestrebt. „Das habe ich strikt abgelehnt“, sagt Beck. „Es wäre auch geographisch gar nicht möglich.“ Statt dessen könnte es zukünftig sechs statt fünf C-Ligen geben.

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27.06.2015, 12:00 Uhr

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