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Außerdem

Totschlagargumente gegen die Trennung

„Mann im Schwarzwald tot gefahren“ – das bedeutet, dass unbekannte Wagenlenker einen toten Mann durch den Wald kutschiert haben. Tot schlagen geht gar nicht – denn wer tot ist, kann leider nicht mehr schlagen. Die Rechtschreibreform ist dennoch, allen Totschlagargumenten zum Trotz, nicht umzukehren: Nichts, aber auch gar nichts, was in den Lektoraten und Redaktionen dieser Welt mittlerweile nicht getrennt würde. Oft fällt es gar nicht auf, aber manchmal sträuben sich beim Lesen die Nackenhaare.

18.06.2015

Dann hat die Trennung zu klaren Fouls geführt: Wenn ein Richter am Landgericht frei spricht, heißt das noch lange nicht, dass der Angeklagte nicht ins Gefängnis muss. Sondern nur, dass der Richter bei der Urteilsbegründung kein Manuskript braucht. Gerade sitzen ist keine aufrechte Haltung, sondern nur die Ausnahme zu immer stehen. Kaputt gegangen sind vielleicht die Besucher, die auf den hintersten Konzertplätzen ohne Rückenlehne saßen, nicht aber die Waschmaschine. Die ist höchstens kaputtgegangen.

Die manische Getrenntschreibung führt zu seltsamen Stilblüten. Selbst Gestricktes gab es auf dem Weihnachtsmarkt – nicht nur Häkelschals und Stickereien. Hoch leben lassen wir die Menschen am besten auf dem Kniebis – nämlich droben auf dem Berg. Dort können sie ihre Tanten und Onkels zur Silberhochzeit dann hochleben lassen. Warm halten Sportler ihre schwitzenden Füße ins kühlende Bad, während sich die Trainer ihr johlendes Publikum mit vielen Toren warmhalten wollen.

Froh Locken wickeln manchmal bleichgesichtige Weihnachtsengel vor dem Christfest, um nicht unfrisiert an der Krippe zu stehen. Frohlocken dürfen hingegen die Gläubigen in der Kirche, wenn der Pfarrer im Überschwang der brausenden Predigt seine Schäflein zählt. Zurück kehren kann man das Laub, wenn der Wind es wieder vom Haufen geweht hat. Zurückkehren darf der Sohn in der Hauptstraße, wenn er das Laub ordentlich zusammengefegt hat. Mit ihm zusammen fegen wollen die Eltern dann freilich auch nicht.

Auch die Sprachhüter von der Duden-Redaktion haben eigene Ansichten über Zusammenschreibung. So heißt es beim Autokauf jetzt: „Probe fahren“. Als ob man eine Probe herumkutschierte. Der Duden verkündet freilich: In Fällen, wo das amtliche Regelwerk keine Klarheit schaffe, sollten beide Schreibweisen toleriert werden. Doch will der Duden jetzt sogar ein Schnitzel „flach klopfen“. Dabei ist in dieser Schreibweise eigentlich der oder die Klopfende flach und nicht das Fleischstück. Immerhin differenziert der Band in „wiedergrüßen“ im Sinn von „zurückgrüßen“ und „wieder grüßen“ als Lesart von „erneut grüßen“. So halten wir es für möglich, dass wir die Apostel der Rechtschreibung auch künftig immer wieder grüßen werden. Matthias Reichert

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18.06.2015, 12:00 Uhr

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