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Klavier in Pink und Grün

Traditionsreicher Hersteller Bösendorfer aus Österreich erfüllt Sonderwünsche

Hier funktioniert die deutsch-österreichische Zusammenarbeit: In einem Klavier von Bösendorfer aus Österreich steckt Technik aus dem Nachbarland. Das Piano ist das beliebteste Instrument der Deutschen.

11.11.2015
  • SWP

Wiener Neustadt Gleich hinter der Kaffeemaschine wird es laut: "Pauki" hämmert nebenan in irrwitzigem Tempo und nervenzermürbender Ausdauer auf die 88 bis 97 Tasten eines Bösendorfer-Flügels ein. Die Maschine in der Manufaktur des traditionsreichen österreichischen Klavier- und Flügelbauers erledigt in 20 Minuten, wozu ein Pianist Monate bräuchte: "Sie stabilisiert den Klang, auch indem sie die Teile aus Leder und Filz komprimiert", sagt Klavierbauer und Konzerttechniker Hans Muff.

Sorge um die genauso hochwertigen wie hochpreisigen Instrumente muss niemand haben. "Das ist unser Franz-Liszt-Test", meint Chefdesigner Ferdinand Bräu schmunzelnd. Unter den Händen des Virtuosen Franz Liszt (1811-1886) stellte mancher Flügel seinen klanglichen Dienst ein. Ein Bösendorfer war ihm gewachsen.

Die heute in Wiener Neustadt beheimatete Firma hat sich im 187. Jahr ihres Bestehens im Nischen-Dasein auf dem von Steinway-Konzern beherrschten Weltmarkt zuletzt gut eingerichtet. Nach zwölf Jahren mit roten Zahlen gelang im Geschäftsjahr 2014/2015 bei 11 Mio. EUR Umsatz ein kleiner Überschuss. Und auch in diesem Jahr sehe es erfreulich aus, meint Geschäftsführerin Sabine Grubmüller. "Wir wollen mehr Marktanteile." Ein Großauftrag aus China über 19 Instrumente gibt Mut. Der neu entwickelte Flügel 280VC Vienna Concert zu 160 000 EUR ist aus Sicht von Bösendorfer ein Coup: "Wir haben verbessert, was kaum mehr zu verbessern war", sagt Bräu.

Unterstützt wird Bösendorfer seit 2007 vom neuen Eigentümer. Der japanische Yamaha-Konzern, seinerseits größter Hersteller von Musikinstrumenten, scheint stolz auf die feine Manufaktur zu sein. Er berate, aber lasse den Österreichern ansonsten freie Hand, heißt es.

Der Weg zuletzt war steinig: Seit der Absatzschwäche in der Finanzkrise wurde jede dritte Stelle gestrichen, heute sind noch 120 Mann an Bord, viele hoch spezialisiert. Sie sorgen dafür, dass 300 Flügel und Klaviere die Manufaktur pro Jahr verlassen. Fast alles geht in den Export, das wichtigste Land sind die USA. Weltweit stehen 50 000 Bösendorfers in Wohnzimmern, Konservatorien und auf Bühnen. Zum Vergleich: Steinway hat rund 600 000 Instrumente ausgeliefert.

Unter den jüngsten Sonderwünschen ragen zwei Bestellungen aus Fernost und der Schweiz heraus. "Ein Schweizer hat für seine Tochter ein pinkfarbenes Klavier geordert, ein grüner Flügel ging nach Singapur. Grün ist die Glücksfarbe des Bestellers", sagt Bräu.

Auch wenn die Klaviere "Made in Austria" sind, steckt viel deutsche Zulieferung in den edlen Instrumenten. Die Klaviatur kommt von der Firma Kluge aus Wuppertal, die Mechanik von Renner aus Stuttgart, der Stahldraht für die Musiksaiten stammt von der Firma Röslau im Fichtelgebirge.

Die Deutschen liefern nicht nur zu, das Land bietet auch einen einigermaßen stabilen Klaviermarkt. Für Tasteninstrumente und Zubehör haben die Bundesbürger laut des Verbands SOMM 2014 rund 141 Mio. EUR ausgegeben, zwar weniger als 2010 (149 Mio. EUR), aber immerhin eine Erholung im Vergleich zu 2013. "Das Piano ist das beliebteste Instrument der Deutschen", sagt SOMM-Geschäftsführer Daniel Knöll. Der Markt leide aber darunter, dass in vielen Bundesländern der Musikunterricht gestrichen werde. "Das merken wir deutlich."

Traditionsreicher Hersteller Bösendorfer aus Österreich erfüllt Sonderwünsche
Unser Bild zeigt einen Mitarbeiter des Flügel- und Klavierherstellers Bösendorfer bei der Endkontrolle eines Flügels. Foto: dpa

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11.11.2015, 12:00 Uhr

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