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Training auf der Treppe
Fit und frisch auf der Stiege: Mit moderaten sportlichen Einsätzen im alltäglichen Leben können sich auch ältere Menschen in Form bringen und halten. Foto: getty
Seniorensport

Training auf der Treppe

Das neue Alltags-Trainings-Programm soll ältere Menschen ansprechen, die bisher sportlich nicht oder nur wenig aktiv sind. Die Übungen können praktisch überall gemacht werden.

10.01.2017
  • KLAUS VESTEWIG

Zuerst die positive Nachricht: Bei den 60-Jährigen legen derzeit viele den Schalter in Richtung Bewegung um. Auch ein später Einstieg in sportliche Aktivität führt noch zu deutlichen gesundheitlichen Effekten. Nun der negative, alarmierender Forschungsbefund: 85 Prozent der 60- bis 79-Jährigen bewegen sich nicht genügend und riskieren damit gesundheitliche Einbußen. In diesem Jahr kommt jetzt ein neues Konzept in die Sportvereine, das bei älteren Menschen Wellen schlagen soll: das Alltags-Trainings-Programm (ATP). Die Zielgruppe umreißt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe so: „Das Programm soll gezielt ältere Menschen ansprechen, die bisher sportlich nicht oder wenig aktiv sind. Wichtig ist dabei, dass die Bewegungsübungen leicht im Alltag umzusetzen sind und auch Freude machen.“

Bei den 12. Landes-Senioren-Sportspielen im vergangenen September haben in Leipzig 2000 Menschen ab 45 Jahren und weit älter an Wettkämpfen und Mitmachangeboten teilgenommen. Der Älteste war Rudolf Zeiler von der SG Kamenz – der Sportschütze ist 94 Jahre alt. Eine Ausnahme. „Bis vor 100 Jahren haben die Menschen acht bis zehn Stunden am Tag körperlich aktiv gearbeitet. Heute hat sich die Bewegung von den Menschen entfernt, deswegen müssen wir sie zu den Älteren bringen“, sagt Prof. Ingo Froböse. Diese Thematik treibt den Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln bereits seit einem Jahrzehnt um. Deswegen hat der Sportwissenschaftler auch die Initiative ergriffen für das Alltags-Trainings-Programm, das jetzt unter Federführung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf der Grundlage neuester sportwissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt worden ist.

Worum geht es beim ATP? Das Projekt ist so einfach wie innovativ. Es greift alltägliche Tätigkeiten als Trainingsmöglichkeit auf, überall und zu jeder Zeit. „Die Teilnehmer lernen, wie sie ihr Zuhause und ihre Umgebung zur Bewegungsförderung nutzen können – sei es durch Armübungen mit Einkaufstaschen und anderen Alltagsgegenständen oder durch Muskel- und Gelenktraining beim Hausputz, beim Warten an der Bushaltestelle oder beim Stopp an der Parkbank“, verdeutlicht BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss.

Es geht also für Ältere nicht darum, Alltagssituationen weiter zu erleichtern, sondern – im Gegenteil – zu lernen, dabei die körperliche Aktivität bewusst zu erhöhen. Mit nur wenigen Änderungen und einer moderaten Steigerung ihrer Alltagsbewegungen können ältere Menschen so ihre Gesundheit tagtäglich fördern. Eine einfache Lösung praktisch vor der Haustür: mit dem Treppenhaus, der Wohnung oder dem Park als Trainingsstätten.

„Was am Körper nicht genutzt wird, verkümmert. Deswegen müssen wir gegensteuern und uns in unserer Freizeit kompensatorisch verhalten. Unsere Umwelt ist innovativ, wir brauchen dazu keine Dreifach-Sporthalle und keine drei Streifen an der Trainingsjacke“, betont Prof. Froböse. Das Training ist so angelegt, dass es ohne große Vorbereitung in Alltagsbekleidung und ohne den Einsatz von Fitnessgeräten direkt umgesetzt werden kann: etwa beim Treppengehen, Hindernisse übersteigen, bei Gehvarianten zur Gleichgewichtsfähigkeit oder bei der Kräftigung von Rumpf- und Armmuskulatur durch Übungen mit Haushaltsgegenständen.

Von April bis August 2016 ist das ATP in einer Pilotphase in zehn Vereinen des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen erprobt und getestet worden. In zwölf Gruppen wurden Menschen im Alter von 55 bis 86 Jahren mit den Übungen vertraut gemacht. Nach den Worten von Froböse haben fast 100 Prozent der Teilnehmer das ATP positiv beurteilt und die Anregungen in ihren Alltag mitgenommen. Allesamt würden sie es weiterempfehlen. In diesem Jahr soll das ATP in das Angebot interessierter Sportvereine im ganzen Bundesgebiet übernommen werden.

Ab Januar sollen in verschiedenen Regionen Deutschlands Multiplikatoren und Übungsleiter geschult werden. Zentrumsleiter Froböse setzt auf die Vereine: „Die Vereine helfen uns, weil sie große Erfahrung haben. Ihrerseits haben sie sicher das Bedürfnis, eine neue Zielgruppe für sich zu nützen, den Kontakt zu schaffen und dann die Leute im Verein zu halten.“ Die Landesorganisationen seien allesamt informiert.

Die ersten Gruppen in den Vereinen sollen schon im zweiten Quartal starten können. Froböses optimistische Einschätzung: „Bis zum Ende des Jahres haben wir das Ziel von 600 bis 800 Gruppen bundesweit.“ 2018 sollen weitere Partner angesprochen werden: Kommunen, Volkshochschulen, Wohlfahrtsverbände, Betriebe, Alten- und Pflegeheime. Neue Perspektiven im Seniorensport.

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10.01.2017, 06:00 Uhr

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