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Lokal aus der Krise

Transition-Town-Bewegung in Tübingen angekommen

Die Erdölvorräte gehen aus und das Klima ändert sich – Zeit also, sich mit einer Zukunft ohne Erdöl und mit anderem Wetter auseinanderzusetzen. Die „Transition Town“-Bewegung tut genau dies. Und ist jetzt auch in Tübingen angekommen. Mit ganz praktischen Projekten.

17.10.2012
  • Sabine Lohr

Tübingen. Selbstversorgung, Unabhängigkeit, Gesellschaftsdebatten, Visionen von einem besseren und gesunden Leben: Was sich die Transition-Town-Bewegung auf die Fahnen schreibt, ist eigentlich so neu nicht. In den 80er-Jahren zogen junge Leute hinaus aufs Land. Sie mieteten oder kauften alte Bauernhöfe, gründeten Kommunen, bauten ihr eigenes Gemüse an – selbstverständlich biologisch –, ernährten sich gesund und diskutierten nächtelang über eine starke, autarke, andere Gesellschaft.

Diese Diskussionen führt auch die Transition-Town-Bewegung, wenn auch mit anderen Inhalten. Und biologisches Gemüse aus der Region ist Teil auch ihres Konzepts von einem besseren Leben. Eines aber ist ganz anders. „Wir sind keine Aussteiger, sondern Einsteiger“, sagt Klaus Gräff, einer der sieben Initiatoren der Tübinger Gruppe. Einsteigen will die Bewegung in lokale und regionale Waren-, Energie- und Geldkreisläufe, um so das Gemeinwesen und die Region gegen alle Krisen zu wappnen. Es ist eine Vision – weshalb sich die Bewegung eben auch „Transition Town“ – Stadt im Wandel – nennt.

Gärten mit ihrem eigenen Kreislauf

Zur Unabhängigkeit vom Erdöl und zur Abwendung des Klimawandels gehört nach Ansicht der Transition-Town-Leute unbedingt die lokale Landwirtschaft. Damit meinen sie nun eben nicht die großen Mais- und Rapsfelder, sondern kleinere Flächen, die nach dem Prinzip der Permakultur funktionieren. Dabei bleibt alles im Kreislauf dieser begrenzten Fläche. Es wird kompostiert, was an Abfällen bleibt, Gemüse wächst auf warmen Hügel- und Hochbeeten, das Saatgut ist vielfältig.

Solche Gärten sieht die Bewegung auch mitten in der Stadt – „Warum nicht Gemüse am Straßenrand anbauen?“, fragt Gräff. Zudem sind diese Gärten Gemeinschaftsprojekte. Wie etwa der studentische Klimagarten auf dem Sand, den die Gruppe angelegt hat (wir berichteten).

Es muss aber gar nicht das groß angelegte Gartenprojekt sein: Die Werkgruppe „Permablitz“ etwa möchte zusammen mit Interessierten innerhalb nur eines Tages ein Gelände in einen Permakultur-Garten verwandeln. Gräff will eine Saatgut-Tauschbörse organisieren, und die Gartenkooperative besteht nur aus einem Mailverteiler, über den Gärtner ihre Pflanzen tauschen oder einfach um Rat fragen.

Ganz neu ist die „solidarische Landwirtschaft“. Bei der arbeitet ein Gärtner von vornherein auf „Bestellung“ verschiedener Konsumenten. Die kaufen nachher das Gemüse nicht kiloweise, sondern zahlen dem Gärtner das ganze Jahr über ein Gehalt. Dafür dürfen sie dann aber auch bestimmen, was in welcher Menge angebaut werden soll. Im November wird es einen Vortrag dazu geben, eine Gärtnerin ist schon gefunden.

Allein mit Gemüseanbau ist es aber nicht getan. „Wir überlegen, wie man die Prinzipien der Permakultur auf die Gesellschaft anwenden kann“, sagt Klaus Gräff. In der Gruppe „Herz und Seele“ geht es deshalb darum, die „innere Resilienz“ zu finden, wie die Bewegung es nennt. Gemeint ist die Widerstandskraft, die es braucht, um Krisen zu bewältigen.

Eher praktisch ausgelegt ist dagegen die Gruppe „persönliche Resilienz“, die sich intern lieber „Hurricane“ nennt. Dort lernen die Teilnehmer Überlebensstrategien nach einer Katastrophe: Wo gibt es in Tübingen Trinkwasser-Quellen und wie macht man Gemüse ein? Stromloses Kochen im Erdkeller und ein Survival-Training im Wald gehören ebenso zum Programm wie die Stromerzeugung mittels Kurbelradio.

Der Brite Rob Hopkins gilt als Begründer der Transition-Town-Bewegung. Der Science-Fiction-Autor und Dozent gab zunächst Kurse für Permakultur. Dann entwickelte er ein Programm, mit dem eine Stadt die Abhängigkeit von Industrieprodukten und von Energieversorgung verringern kann. Es dient als Grundlage der Bewegung. In seinem Buch „Energiewende. Das Handbuch“ gibt er eine „Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen“. Auf der Internet-Seite www.tt-tuebingen.de präsentieren sich die Tübinger und die Rottenburger Initiative. Dort sind unter anderem Beschreibungen aller Werkgruppen zu finden wie auch alle Termine.

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17.10.2012, 12:00 Uhr

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