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„Treffen sich zwei Kumpels…“
Kleiner Mann ganz groß: Oliver Gimber (1,68 Meter) nimmt vor Auftritten wie in Heilbronn gern ein Vollbad in der Menge. „Manche sprechen mit mir wie Paris Hilton mit ihrem Chihuahua“, macht er sich über das Verhalten der Fans lustig. Foto: Ekkehard Nupnau
Humor

„Treffen sich zwei Kumpels…“

Oliver Gimber aus Pforzheim hat es als Witzeerzähler zu Kultstatus gebracht. Auf Youtube erreicht er ein Millionenpublikum. Ein missglückter Gag hat den Malermeister auch schon Aufträge gekostet.

27.12.2016
  • HANS GEORG FRANK

Pforzheim. Die Karriere als Komödiant hat Oliver Gimber (53) nicht geplant. Dabei ist der Malermeister aus Pforzheim innerhalb kürzester Zeit einem Millionenpublikum als Possenreisser bekannt geworden. „Witze vom Olli“, verbreitet über Facebook, Youtube und Whatsapp, mittlerweile auch bei ausverkauften Auftritten in immer größeren Hallen, sind zum Begriff geworden für alle, die sich gerne einen Ast lachen. Olli ist Kult.

Seinen Erfolg hat Gimber gar nicht sofort mitbekommen. Alles fing im kleinen Kreis an. Weil sein Freund Wolfram im fernen Neuseeland gerne Kontakt mit den Kumpels in der alten Heimat halten wollte, tauschten sie Grüße und Neuigkeiten über Whatsapp aus. Oliver Gimber fielen dabei meistens Witze ein, er war ja schon in der Schule der Klassenkasper, selbst beim Meisterkurs konnte er nicht ernst bleiben, veräppelte lieber den Lehrer. Er wusste allerdings anfangs nicht, dass seine Scherze den vertrauten Zirkel verließen – weil sie von den Freunden fleißig digital weiterverbreitet wurden.

Die Lach-Lawine war losgetreten. Doch der Olli merkte dies erst, als er entsetzt feststellen musste, dass seine Späße nicht überall gut ankamen. Im Witz mit einem schwarzen Rettich gebrauchte er viermal das Wort „Neger“. Ein Pforzheimer Unternehmer reagierte darauf so empört, dass er sofort eine E-Mail an Gimber schickte. Er erteilte dem vermeintlichen Rassisten nicht nur Hausverbot, er entzog ihm auch alle Aufträge. Dabei machte dieser Kunde 20 Prozent des Jahresumsatzes des seit 1931 bestehenden Malerbetriebs mit heute 22 Mitarbeitern aus.

„Alle sagten mir, hör auf“, erinnert sich Gimber an die Reaktion von Partnerin und Freunden. Doch gerade, als er wirklich keine Witzeerzählerei mehr mit seinem Handy filmen wollte, erreichte ihn die Bitte eines Krebskranken aus der Uniklinik Freiburg: „Mach weiter, dank dir wird meine Welt ein bisschen besser.“ Der Pforzheimer war baff: „Ich saß heulend vor meinem Rechner.“ Seither kann ihn nichts mehr von seiner Humormission abhalten. Auch der Vorwurf der Blasphemie lässt ihn kalt, weil er halt auf seine Art berichtet, wie Jesus wegen einer üppigen Blondine vom Kreuz heruntersteigen will. „Vielleicht ist es eine Gabe Gottes, den Menschen ein Stückchen ihrer Last abzunehmen“, grübelt Gimber. In seinem Glauben, jesusmäßig lustig zu sein, bestärken ihn erschütternde Briefe, die er aus seiner Fanpost fischt. Eine Frau, deren Mann und Sohn tödlich verunglückten, dankt ihm von Herzen, weil er sie von ihrer Trübsal erlöste. „Mit guter Laune lässt sich manches besser ertragen“, meint Gimber und denkt an seinen Sturz vom Gerüst aus elf Meter Höhe und die schmerzhafte Begegnung mit einem Auto, das ihn überfahren hat.

Der Olli mit den Witzen ist zum Star avanciert. Seit September 2015 setzt sich der Spaßvogel zwei Mal in der Woche in seinen Audi A 4 und nimmt mit dem Smartphone die neuesten Schenkelklopfer in badischem Zungenschlag auf. Dabei kann Gimber eigentlich gar keine Witze erzählen. Schon lange vor der Pointe bricht er in lautes Lachen aus, kriegt sich kaum mehr ein, wiederholt den Schlussgag gerne mehrfach. Er scheint sich am meisten zu amüsieren.

Doch genau diese Masche treibt ihm die Massen zu. Er sei halt authentisch, versucht Gimber eine Erklärung für den Olli-Hype. Der Pforzheimer ist mittlerweile so bekannt, dass er nicht nur in Stuttgart, Karlsruhe, München auf der Straße erkannt und angesprochen wird. In Berlin hat er allein mit seiner Anwesenheit den Betrieb in einem Sportgeschäft lahm gelegt. Selbst in Südfrankreich und Südtirol wird er um Selfies gebeten. „Ein Bauarbeiter, ein Riesenbär, steigt aus seiner Grube, umarmt mich und ruft voller Glück: Olli, du bist mein Held“, erzählt er stolz, was ihm in einem kleinen Ort widerfahren ist.

Begrüßung mit Handschlag

Zu den Auftritten fahren Fans hunderte von Kilometern. Andreas und Marcel aus Schwäbisch Hall haben extra einen halben Tag Urlaub genommen, um in der Heilbronner Harmonie ganz vorne zu sitzen. Alle können sich darauf verlassen, dass ihr Idol so früh da ist, dass er viele vor dem Eingang persönlich begrüßt. Lieber verschmäht der Scherzkeks die Leckereien in der Garderobe, als dass er einen seiner Anhänger zwischen 8 und 80 enttäuschen würde. Selfies sind selbstverständlich. Auch Andreas und Marcel gelingt dieser neumodische Nachweis der Nähe: „Damit sind wir jetzt die Stars im Geschäft.“

Wer zu den Shows kommt, braucht Zwerchfell und Sitzfleisch der Extraklasse. Das Programm – „Planlos durch die Nacht“ – dauert drei Stunden, manchmal noch viel länger. Der „Zwölfender des deutschen Frohsinns“ ist überzeugt, dass er seine Gefolgschaft von Depressionen erlösen kann.

Politik und Rassismus sind für Olli tabu. Nur weil er an einem 20. April geboren ist, muss er keine Kalauer über Hitler aufsagen. Lieber plaudert er über seine Erlebnisse und Begegnungen, über sein Leben voller glücklicher Zufälle, lobt Polizisten und Krankenschwestern, erzählt von seinem Mitarbeiter Giovanni, einem Hypochonder. Tausend Witze kann er abrufen aus dem Gedächtnis, das so gut sortiert ist wie ein Apothekerschrank. An Nachschub mangelt es nicht. An manchen Tagen schickt ihm die Olli-Community 200 Witze, tauglich sind davon fünf, vielleicht zehn. Er heftet sie akkurat in einem Ordner ab. Sein Talent hat der Lach- und Lack-Spezialist von seinem Vater geerbt. Gimber senior, eine stadtbekannte Stimmungskanone, konnte sich in einem Arsenal von 10 000 Witzen munitionieren.

Um seinen Malerbetrieb muss Gimber junior nicht bange sein. Den Auftragsentzug wegen des schwarzen Rettichs kann er kompensieren durch Arbeiten für Leute, die auf den „Optimaler“ wegen der Witze aufmerksam geworden sind. Sogar die Bewerbungen von Lehrlingen und Facharbeitern haben sich deutlich erhöht, obwohl die Branche sonst nichts zu lachen hat.

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27.12.2016, 06:00 Uhr

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