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Unternehmen

Triumph der Schwäbischen Indianer

Der Schuhhersteller aus Walheim, Kreis Ludwigsburg, feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen, den 50. Geburtstag seines Erfolgsmodells „Grashopper“ und – als vielleicht wichtigstes Ereignis – seine erfolgreiche „Wiedergeburt“ als eigenständiges Unternehmen.

24.10.2014
  • TEXT: Martin Brunner | FOTOs: Unternehmen

Es lohnt sich, seinen eigenen Weg zu gehen.“ Der Claim des Walheimer Schuhherstellers Sioux appelliert nicht nur an die Individualität des Kunden, er reflektiert auch die Haltung des Unternehmens.

60 Jahre alt ist Sioux dieses Jahr. Sechzig Jahre, in denen die Firma den Schuhmarkt mit ihren Innovationen revolutioniert hat: „Autoped“, ein Schuh speziell zum Autofahren kommt bereits 1957 auf den Markt, das Modell „Intarsia“ hat im Folgejahr als erster Schuh Anti-Rutsch-Noppen in die Ledersohle eingelassen. Der Internationale Durchbruch aber gelingt 1964 mit dem Naturformkonzept „Grashopper“. Der erste Casual Schuh überhaupt wird zum modischen Statement einer Generation, die sich für Frieden und Freiheit einsetzt: Der legere Mokassin mit charakteristischer Wulstnaht und Kreppsohle ist ein „Antischuh“, steht für den Bruch mit engen Konventionen. Ein knappes Jahrzehnt später findet die Studentenbewegung im 1972 lancierten Modell „Outsider“ ihr Symbol für „Unangepasstheit“. Auch was das Marketing anbelangt, sind die Walheimer wegweisend: Als erste Schuhmarke setzt Sioux bereits 1967 das Fernsehen als Werbemedium ein, 1999 wird das Unternehmen als erster Schuhhersteller mit dem Effi für besonders effektive Werbung ausgezeichnet.

Seit 42 Jahren ist Sioux außerdem offizieller Ausstatter der Olympischen Spiele.

Den Pioniergeist beflügelt eine eigenständige Haltung, die sich die Firma auch nach den Übernahmen durch Salamander (1992) und Egana Goldpfeil (2003) bewahrt. Erfolgreich kämpft Sioux für die Erhaltung seiner Standorte in Walheim und Lousada (Portugal) und gegen die Senkung der gewohnt hohen Qualitätsstandards.

Neuanfang auf fruchtbarem Boden

Mit dem Konkurs der Muttergesellschaft Egana Goldpfeil droht 2010 auch dem eigentlich gesunden Schuhhersteller die Insolvenz, doch die Frankfurter Investment Gruppe Square Four kommt Sioux zu Hilfe. Seither geht es mit der Traditionsfirma wieder bergauf. „Sioux ist eine tolle, spannende Marke – da steckt ganz viel drin“, so CEO Lewin Berner, der sich seit nunmehr zwei Jahren bemüht, das angestaubte Image des Unternehmens zu polieren und Sioux auch für jüngere Menschen interessant zu machen. Dabei geht der dynamische Entrepreneur behutsam vor: „Das sind hier ganz gestandene Leute, die stolz sind darauf, was sie tun. Das ist bestes Potenzial. Da braucht man nicht mit dem Vorschlaghammer ran, um neue Wege zu pflastern. Man muss die Köpfe und die Herzen der Menschen erreichen. Wir wollen nicht in eine Richtung drängen, die nicht zur Firmenphilosophie passt.“ Gerade in ihrer Firmenphilosophie sehen die schwäbischen Indianer ihren Vorteil gegenüber Herstellern, die mit minderwertigen Materialien in Billiglohnländern produzieren. „In Sioux finden Kunden eine verantwortungsvolle Marke, die aus Überzeugung heraus schon von Beginn an nachhaltig und umweltverträglich produziert hat“, so Berner. „Unsere Käufer sind sehr qualitätsorientierte Menschen, die auf unsere handwerkliche Präzisionsarbeit vertrauen. Und wer einmal unsere Schuhe anhatte, die perfekt passen und lange halten, der wird zum Überzeugungstäter.“

Qualität, die überzeugt

Eine der größten Herausforderungen im „Neufindungsprozess“ der Marke ist es, den Spagat zwischen den Generationen zu schaffen, sich junger Kundschaft frisch, modern zu präsentieren, dabei aber die Stammkundschaft, die das Bewährte will, zu halten.

Ein großer Schritt diesbezüglich war die Anpassung des Sortiments. Der Anteil an Damenschuhen wurde inzwischen von 30 auf 45 Prozent erhöht und vom klassischen Herrenmodell bis zum trendigen Sneaker ist alles zu haben. Im Mittel setzt die Marke auf einen urban-natürlichen Stil und ein leichtes Tragegefühl. Eine besondere Aktion war der Relaunch des „Grashopper“ zu dessen 50. Geburtstag dieses Jahr. Das Modell wird aktuell in einer ganzen Farbpalette von dezent bis frech angeboten und findet guten Absatz auch bei Jüngeren.

In punkto Marketing hat Sioux seine Webpräsenz verstärkt, setzt allerdings wie eh und je auf gut platzierte, geschmackvolle Produktpräsentation: „Unser Marketing ist die Qualität“, betont Berner. „Als einer der kleinsten Schuhhersteller in Deutschland können wir uns einen marktschreierischen Auftritt auch gar nicht leisten. Wir investieren das, was andere ins Marketing stecken, lieber in unsere Schuhe.“

Die Rechnung scheint aufzugehen: Umsatz und Verkaufszahlen sind gut, die Arbeitsplätze sicher und die Prognosen positiv. Seitdem es ohne „Mutter“ ist, beschreitet Sioux selbstbewusst wieder den Weg zum Glanz vergangener Tage, verjüngt sich mit 60 Jahren erfolgreich ohne alte Werte einzubüßen. Es lohnt sich eben, seinen eigenen Weg zu gehen.

Triumph der Schwäbischen Indianer
Das traditionelle Geheimnis der perfekten Passform: hochwertige Materialien und präzise Handarbeit.

Triumph der Schwäbischen Indianer

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24.10.2014, 12:00 Uhr

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