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Rhein leidet an Wassermangel

Trockenheit beeinträchtigt Schifffahrt - Kaum Probleme auf Donau und Neckar

Der Grundwasserspiegel ist im ganzen Südwesten niedrig. Für Neckar und Donau ist das weniger wichtig, aber Rheinschiffer müssen schon Ladung verringern, damit die Schiffe weniger Tiefgang haben.

12.11.2015
  • EGBERT MANNS (MIT DPA)

Stuttgart Schiffe können weniger laden, neue Kiesbänke und Relikte aus dem Weltkrieg tauchen auf: Der Wasserpegel des Rheins nähert sich seinem Rekordniedrigstand. Der Pegelstand in Kaub nahe der Loreley ist auf 59 Zentimeter gefallen. Wenn die Trockenheit anhält, könnte hier noch vor Monatsende der Jahrhundertrekord von 35 Zentimetern aus dem Hitzejahr 2003 unterboten werden, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt Bingen mit.

Die Stadt Köln hat seit Sommer ein paar Sandstrände mehr am Rheinufer. In den vergangenen fünf Tagen ist der Pegelstand täglich um zwei Zentimeter gefallen. Der Rhein ist naturbelassen, was die Abhängigkeit von Grund- und Regenwasser angeht - anders als Donau und Neckar, die auf vielen Strecken gestaut werden.

"Südlich von Köln können Schiffe auf dem Rhein nicht mehr voll laden", sagt Fabian Spieß, der Presseverantwortliche des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg. Im Rheinischen Schiefergebirge mit weniger Flusstiefe seien oft sogar nur noch 30 bis 40 Prozent Ladung möglich.

Wenn die Fracht auf mehr Schiffe verteilt werden müsse, glichen Kunden das mit dem Kleinwasserzuschlag häufig aus, sagt Spieß. Es gebe aber auch wirtschaftliche Einbußen für die Schiffer.

Binnenhäfen macht das Niedrigwasser ebenfalls zu schaffen, etwa in Frankfurt. "Beim Main ist es mit seinen Staustufen nicht schlimm", sagt eine Hafensprecherin. "Aber die Schiffe, die vom Rhein zu uns kommen, haben viel weniger Ladung." Jetzt würden zusätzliche Schiffe eingesetzt und Container auch mit Lastwagen und Güterzügen befördert.

Das Niedrigwasser wirkt sich auf den Autoverkehr aus: Die Rheinfähre zwischen Lorch (Hessen) und Niederheimbach (Rheinland-Pfalz) hat ihren Betrieb eingestellt.

Von den großen Flüssen im Südwesten "ist nur der Rhein vom Niedrigwasser betroffen", sagt Barbara Grüter, die stellvertretende Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) in Stuttgart. Die Donau nur auf wenigen Strecken, weil sie teilweise staureguliert ist, zum Beispiel in Ulm vor den fünf Wasserkraftwerken der Stadtwerke.

Die Pegelstände an drei Ulmer Stellen: etwa 52 Zentimeter am Pegel Berg/Donau, 69 am Pegel Ulm/Blau und 123 am Pegel Neu-Ulm/Bad Held/Donau - das ist um Millimeter bis 17 Zentimeter unter dem mittleren Niedrigwasserstand.

Andererseits liegen kleinere Flüsse recht trocken. Die Dreisam zum Beispiel ist bei Freiburg nur noch ein Rinnsal. Der Wasserstand an der Iller ist unterschiedlich. Nur wo sie nicht gestaut ist, ist er niedriger als normal.

Ein Frachtschifffluss ist der Neckar. Sein Wasserstand hat unter der Trockenheit nicht gelitten, denn er enthält zwischen Plochingen und Mannheim 27 Staustufen. Bernd Kretschmer vom WSA in Stuttgart: "Wir sind in der Lage, den garantierten Wassertiefstand von 2,80 Metern vorzuhalten." Aus dem Quellgebiet im Schwarzwald "kommt noch genügend Wasser nach".

Dennoch wird am Neckar jetzt mit Wasser gehaushaltet. "Unnötiges Schleusen wird vermieden", sagt Horst Willi Wallstab vom WSA Heidelberg. Denn "der Zulauf von Wasser ist gering". Der Tiefgang der Schiffe, die Abladetiefe von 2,80 Metern, "ist auf den Neckar aber noch nie verringert worden".

Des einen Leid, des anderen Freud': "Je nach Wetter haben wir hier schon einen kleinen Niedrigwasser-Tourismus", sagt der Vizechef des Wasser- und Schifffahrtsamts Bingen, Florian Krekel. "Es gibt Stellen, wo man gut auf dem Flussgrund laufen kann."

Mehrere Bundesländer dringen auf eine Vertiefung der Fahrrinne zwischen Mainz und St. Goar um 20 auf 210 Zentimeter und zwischen Koblenz und Duisburg um 30 auf 280 Zentimeter. Rheinland-Pfalz hat das für den Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet.

Eine Rheinvertiefung käme wohl erst in den nächsten Jahren. Aber wie sieht es mit Regen aus? Bis Anfang kommender Woche mache sich dieser in Süddeutschland eher rar, sagt Andreas Würtz vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. "Der Grund ist ein ausgedehntes Hoch über Südeuropa."

In Norddeutschland könne es nun zwar immer wieder mal regnen, doch davon haben die Flüsse im Süden nichts. Ohnehin: Falls es doch mal kalt wird und Niederschlag fällt, kommt der als Schnee herunter und bleibt auf dem Land liegen anstatt ins Grundwasser zu sinken. Grüter: "In den Fluss gelangt dann nur, was direkt hineinschneit."

Trockenheit beeinträchtigt Schifffahrt - Kaum Probleme auf Donau und Neckar
Das Niedrigwasser des Rheins lässt in Köln Sandbänke auftauchen. Foto: dpa

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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