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Tropenmediziner rechnen mit Import des Virus nach Europa
Mit dem Urlaub kommt Zika

Tropenmediziner rechnen mit Import des Virus nach Europa

Das Zika-Virus löst in Südamerika Angst und Schrecken aus. Tropenmediziner fürchten, dass der gefährliche Erreger nun auch nach Europa kommen könnte. Aber wie groß das Risiko tatsächlich ist, ist unklar.

12.04.2016
  • MARIETTE LE ROUX, AFP

Amsterdam. Die bevorstehende Urlaubszeit könnte nach Einschätzung von Experten das Zika-Virus zu Überträgermücken in Europa und den USA bringen - eine richtige Epidemie halten sie jedoch für unwahrscheinlich. Reisende, die aus Lateinamerika zurückkehrten, könnten das von Mücken übertragene Virus im Blut tragen, sagte der Tropenmediziner Eskild Petersen von der Universität Aarhus in Dänemark bei einer Konferenz zu Infektionskrankheiten in Amsterdam. Dies könne der Beginn einer Übertragung sein.

"Ich würde sagen, dass der Süden der USA und das südliche Europa definitiv einem Risiko ausgesetzt sind", sagte Petersen am Rande der Konferenz von Tropenärzten und Wissenschaftlern.

Aber die Gefahr dürfe nicht überbewertet werden. In den meisten Fällen verlaufe die Krankheit mild. Auch seien nur wenige Fälle von sexueller Übertragung des Virus bekannt.

Das Zika-Virus wird von der in Lateinamerika und der Karibik vorkommenden Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) übertragen. Es grassiert seit Monaten vor allem in Brasilien. Für Erwachsene ist das Virus meist harmlos, doch kann es im Fall einer Infektion während der Schwangerschaft bei Babys zu Mikrozephalie führen. In diesem Fall werden die Kinder mit ungewöhnlich kleinem Kopf geboren, was zu Gehirnschäden und Entwicklungsverzögerungen führen kann.

In Europa könnte die Gefahr von der mit der Ägyptischen Tigermücke verwandten Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) ausgehen, die sich in Südeuropa seit 25 Jahren ausbreitet. Diese Mücke zeigte allerdings bislang nur in Laborexperimenten, dass sie das Zika-Virus auf Menschen übertragen kann, nicht in der Natur.

Laut Jean-Paul Stahl, Experte für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum von Grenoble, besteht daher zurzeit kein Risiko für Europa. Hier existiere zwar der Überträger, also die Mücke, aber nicht das Virus - "noch nicht", fügte Stahl hinzu. Es bestehe das Risiko "kleinerer Ausbrüche" rund um einzelne eingeführte Zika-Fälle. "Aber ich denke nicht, dass sich das Virus in Europa ansiedeln wird."

Der Tropenmediziner Nick Beeching aus Liverpool hält die Datenlage derzeit für nicht ausreichend, um das Risiko einzuschätzen. Über Zika ist vieles noch nicht bekannt - etwa darüber, wie lange es sich versteckt im menschlichen Körper aufhalten kann und ob es andere Krankheiten als bisher bekannt auslöst.

Für Petersen kommt es vor allem darauf an zu verhindern, dass infiziertes Blut in Blutbanken gelange und an Patienten mit schwachem Immunsystem weitergegeben werde. Eine systematische Überprüfung aller Reisenden, die aus Lateinamerika zurückkehren, hält der Däne wegen der Vielzahl von Flügen für "absolut unmöglich". Zudem könnten Reisende tricksen: "Man nimmt eine halbe Stunde vor der Landung eine Paracetamol, und es wird kein Fieber festgestellt."

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12.04.2016, 06:00 Uhr

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