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Sulz · Kirchen und Corona, Teil 2

Trost spenden nur am Telefon

Pfarrer Georg Lokay fühlt sich auch beim Feiern der Messe allein zu Hause allen Katholiken verbunden. Den 68-Jährige plagt, Ostern ohne Gemeinde erleben zu müssen. Älteren empfiehlt der Sulzer Priester Fernsehgottesdienste.

28.03.2020

Von Cristina Priotto

Die katholische Kirche in Sulz ist zwar verschlossen, Seelsorge ist aber gewährleistet. Bild: Cristina Priotto

Für den morgigen Sonntag muss Georg Lokay keine Messen vorbereiten, denn wegen der Corona-Pandemie hat Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart bis 19. April alle Gottesdienste ausgesetzt. Den Priestern wurde empfohlen, den Gottesdienst allein zu Hause zu feiern. Im Zuge der Serie „Kirchen und Corona“ hat die SÜDWEST PRESSE Pfarrer Lokay befragt, wie der Seelsorger jetzt die Sonntage erlebt, welche Angebote es für Gläubige dennoch gibt und wie die katholische Kirche sich in der Folge neu positionieren muss.

„Ich habe am vergangenen Sonntag allein zu Hause die Messe gefeiert getan und werde es an den kommenden Sonn- und Feiertagen auch wieder tun“, erzählt der vor 40 Jahren in der Basilika in Weingarten geweihte Priester. „Dabei ist es für mich besonders wichtig, mich ganz tief verbunden zu fühlen mit allen Menschen“, betont der 68-Jährige. Die katholische Eucharistiefeier enthalte Elemente wie Gebete oder Fürbitten, die die ganze Welt angehen, so Georg Lokay.

Am meisten zu schaffen macht nicht nur den Gläubigen, sondern insbesondere auch den Pfarrern, dass das bevorstehende Osterfest voraussichtlich ohne Gottesdienste gefeiert werden muss: „Für mich selber ist es immer noch etwas nicht ganz Fassbares, dass ich nach 42 Jahren zum ersten Mal Ostern nicht mit meinen Gemeinden und mit allen, die an den einen Gott glauben, feiern kann“, beschreibt der katholische Seelsorger diese neue und sehr belastende Erfahrung.

Als Alternativangebote an die Katholiken in Sulz, Dornhan, Leinstetten und Bettenhausen veröffentlicht Lokay in den Gemeinde-Mitteilungsblättern anstelle der kirchlichen Nachrichten in der Corona-Krise Auszüge aus den Sonntagspredigten.

Seelsorge in Zeiten geschlossener Kirchen und Beichtstühle stellt auch den Pfarrer der Seelsorgeeinheit Sankt Jakobus vor neue Herausforderungen. Mehr Anrufe oder E-Mails wegen der Pandemie erreichen den Endsechziger zwar nicht, und die Kirchengemeinde steht in dauernder Verbindung mit dem Bischöflichen Ordinariat. „Trost spenden ist momentan nur über das Telefon möglich“, stellt Georg Lokay mit Bedauern fest.

Dass die bisherigen Kirchgänger nach Wiedereröffnung der Gotteshäuser der Kirche fernbleiben, weil Hochzeiten, Taufen und Kommunionen verschoben werden müssen, glaubt der Priester nicht. Darüber hinaus habe die Kirche die staatlichen und kommunalen Vorgaben umzusetzen, etwa auch im katholischen Kindergarten in Sulz.

Der katholische Pfarrer legt Wert darauf, gerade auch in Krisenzeiten erreichbar zu sein: „Die Menschen sollen und müssen wissen, dass die Tür zur Kirche immer offensteht, dass jeder mit seiner ganzen Lebensgeschichte eingeladen ist, hierherzukommen, um zu erfahren: Hier darf ich Mensch sein“, betont Lokay. Weniger Sorgen macht sich der Seelsorger bezüglich jungerMenschen: Diese könnten sich über das Internet jederzeit Zugang zur Sinnfrage und anderen Gedanken verschaffen. Bei älteren Gemeindegliedern hofft der Priester, dass diese verstärkt zu Hause zu den Gesangs- und Gebetsbüchern greifen und Gottesdienste im Fernsehen anschauen.

Als weitere Glaubensanregungen für daheim empfiehlt Lokay die Homepage der Diözese www.drs.de und die Gottesdienste aus dem Dom in Rottenburg, die im Livestream gesendet werden.

Georg Lokay

Zur Person

Georg Lokay ist seit September 2011 Pfarrer der Seelsorgeeinheit Sankt

Jakobus. Dazu gehören die Pfarreien St. Johannes Evangelist in Sulz, Heilig Kreuz in Dornhan, St. Stephanus in Leinstetten und die Filialkirchen-

gemeinde St. Konrad in Bettenhausen. Lokay ist 68 Jahre alt.

Geweihte Osterkerzen

Für alle Katholiken der Seelsorgeeinheit Sankt Jakobus bietet

Pfarrer Georg Lokay an, Osterlichter zu weihen und bei den Gläubigen zu Hause vor der Haustür abzustellen. Wer eine Kerze wünscht, kann sich ans Pfarrbüro wenden (Telefon 07454/ 2325, E-Mail: stjohann.sulz@drs.de).

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Erstellt:
28. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
28. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. März 2020, 01:00 Uhr

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