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Prävention

Trügerisches Eis

Der Neckar in Horb ist dieser Tage an einigen Stellen zugefroren. Die Stadt warnt aber vor dem Betreten des Eises – das nämlich ist „lebensgefährlich“.

04.01.2017

Von Dagmar Stepper

Es ist eine trügerische Idylle, die der Neckar momentan zeigt. Teilweise ist er zugefroren, aber wer ihn betritt, droht einzubrechen. Bilder: Braun

Es herrscht knackige Kälte. Der Neckar glitzert im Sonnenlicht. Ein paar Kinder nähern sich dem Fluss. Sie sehen allerdings kein Wasser, sondern eine schneebedeckte Eisschicht. Was für ein Traum: Über den Neckar gehen zu können. Vorsichtig testen sie die Härte der Eisschicht am Rande. Sie lachen und fotografieren sich gegenseitig auf dem Eis. Ein ganz Wagemutiger ist gestern zur Mittagszeit sogar über den ganzen Fluss gelaufen. Davon zeugen Fußspuren im Schnee. Er hat ein paar Herzen ins Weiß gezeichnet – diese aber könnten, wenn es dumm läuft, zu finalen Abschiedsgrüßen werden. So eine Aktion nämlich sei keine Kühnheit, sondern lebensgefährlich, teilt Rolf Kotz von der Horber Stadtverwaltung unmissverständlich mit.

Verbotsschilder zuletzt 2012

„Der Neckar ist ein fließendes Gewässer, daher bildet sich im Vergleich zu stehenden Gewässern erst viel später eine ausreichende Eisschicht“, so Kotz. Zwar liegen die Temperaturen gerade in den Minusbereichen, aber: „Eine Freigabe des Neckars zum Betreten der Eisfläche ist unter den gegebenen Umständen völlig unwahrscheinlich“, mahnt die Stadt. Derzeit werde geprüft, ob Verbotsschilder aufgestellt werden sollen. Das war zuletzt im Februar 2012 der Fall. Damals hielten sich einige Schüler auf dem zugefrorenen Neckar zwischen dem Gymnasium und dem Wehr beim Flusskraftwerk auf. Die Stadt reagierte mit Pressemitteilungen und entsprechenden Verbotsschildern im Neckarbereich.

Pressesprecher Kotz nimmt dabei auch die Eltern in die Pflicht: „Insbesondere wurden im Jahr 2012 Eltern aufgerufen, ihre Kinder vom Betreten der zugefrorenen Eisfläche des Neckars abzuhalten und sie vor den bestehenden Gefahren zu warnen.“

Denn es ist noch gar nicht so lange her, dass Kinder sich vom trügerischen Eis auf dem Tälesee in Empfingen täuschen ließen. Am 12. Dezember wagten sich zwei Kinder auf das Eis, brachen ein und wurden in letzter Sekunde vor dem Ertrinken gerettet. Glücklicherweise waren in Empfingen schnell Feuerwehr, Polizei und Rettungssanitäter vor Ort.

Dass der Neckar komplett zugefroren ist, kommt ohnehin sehr selten vor. 2009 war er beispielsweise erstmals seit 1963 wieder zugefroren. 2012 war es trügerisch. In Tübingen zog es an einem sonnigen Vormittag im Februar dutzende Menschen auf das Eis. Doch etliche brachen ein, die Polizei holte die Eisläufer per Megafon vom Neckar.

Freigabe unwahrscheinlich

Für die Stadt Horb stellt sich daher auch weniger die Frage, wann der Fluss zum Eislaufen freigegeben wird. „Aufgrund der in den vergangenen Wintern gemachten Erfahrungen wird davon ausgegangen, dass ein behördliches Einschreiten in der Praxis weniger in der Freigabe des zugefrorenen Neckars, sondern weit mehr in einem Verbot des Betretens der Eisfläche des Neckars erforderlich sein wird“, betont Pressesprecher Kotz. Er weist nochmals auf die Gefährlichkeit hin: „Das Betreten der Eisfläche ist lebensgefährlich und muss auf jeden Fall von jedem Einzelnen selbst verantwortet werden.“

Die Kinder gestern ließen sich von solchen Ausführungen jedoch nicht beindrucken. Denn im Laufe des Nachmittags wagen sich immer mehr – zwar erst zaghaft dann aber immer selbstbewusster – auf das Eis. Da die Temperaturen nachts weiter kühl sein sollen, wird die Stadt wohl bald die Verbotsschilder aufstellen müssen. Damit sich ein tragischer Unfall wie in Empfingen nicht auch in Horb wiederholt.

Fußspuren zeigen, dass jemand den Neckar überquert hat.

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Erstellt:
4. Januar 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Januar 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Januar 2017, 01:00 Uhr

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