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Trump hat ein Date mit Kim
Noch applaudieren die beiden Herren getrennt: Doch Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump wollen bald persönlich mit einander reden. Foto: -;SAUL LOEB
Atomkonflikt

Trump hat ein Date mit Kim

Die Widersacher gehen aufeinander zu. Der US-Präsident nimmt die Einladung des nordkoreanischen Machthabers an. Doch unproblematisch wird das nicht.

10.03.2018
  • Peter De Thier

Washington. In einer sensationellen politischen Wende, die selbst seinen Außenminister Rex Tillerson und Pentagon-Chef James Mattis auf dem falschen Fuß erwischte, hat sich US-Präsident Donald Trump zu einem historischen Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bereit erklärt. Die Begegnung soll vor Ende Mai stattffinden, bestätigte das Weiße Haus, womöglich in Seoul oder an einem „neutralen“ Ort außerhalb der koreanischen Halbinsel. Trump hat ein weiteres Mal bewiesen, dass er es genießt, politische Konventionen mit Füßen zu treten und auf diese Weise Schlagzeilen zu machen. Unproblematisch wird das Treffen aber nicht.

Wer hätte das nach dem Schlagabtausch des vergangenen Jahres kommen sehen? Am amerikanischen Nationalfeiertag feuerte Kim eine Interkontinentalrakete ab, die US-Festland das erreichen kann.

Trump drohte im Gegenzug, mit einer vernichtenden Reaktion und mokierte sich über „Litttle Rocket Man“. Ein Jahr lang haben Trump und Kim mit ihren Atomwaffenarsenalen kokettiert und sich gegenseitig mit persönlichen Beleidigungen überhäuft. So twitterte Trump im August: „Ihnen wird Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat.“ Kim Jong Un revanchierte sich: „Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen.“ Und Trump legte nach: „Warum sollte Kim Jong Un mich beleidigen, indem er mich ,alt' nennt, wenn ich ihn NIEMALS ,klein und fett' nennen würde?“

Nun ist erstmal Schluss für mit dem Beharken: Nordkoreas Machthaber hat sich entschieden, seinen Erzrivalen aus Washington einzuladen. Übermittelt wurde die Botschaft vom südkoreanischen Sicherheitsberater Cheung Eui Yong. Er hatte zuvor Kim in Pjöngjang getroffen, dann eine Zwischenstation in Seoul eingelegt und reiste prompt nach Washington weiter, um Trump persönlich zu unterrichten.

Trump hat ein Date mit Kim
Nordkoreas Raketentest am 14. Mai 2017: Das Säbelrasseln wurde von Mal zu Mal lauter. ⇥Foto: KCNA via KNS/afp

Den Show-Effekt wollte sich der Präsident nicht nehmen lassen und erklärte gegenüber Journalisten, dass am Abend mit einer „großen Ankündigung in Sachen Nordkorea“ zu rechnen sein. Gleichwohl hielt sich die Euphorie in Grenzen. Schließlich betonte Trump, dass Nordkoreas Atomwaffen- und Raketentests zwar vorläufig eingestellt werden sollen und Kim nach Darstellung des Vermittlers aus Seoul sogar eine permanente Denuklearisierung angeboten habe.

Einschränkend schrieb Trump dann aber auf Twitter, dass die Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang ohne Friedensvertrag weiter in Kraft bleiben würden. Ein Mitglied seines Nationalen Sicherheitsrats wurde konkreter. Demnach werde Washington auf Maßnahmen bestehen, um das Einfrieren des Atomwaffenbestands zu verifizieren. Ohnedies sei jedenfalls an keine Lockerung der Sanktionen zu denken.

Gerecht wurde der Präsident ein weiteres Mal seinem Ruf, unberechenbar zu sein. Tillerson, der wenige Tage zuvor noch gesagt hatte, dass Gespräche mit Pjöngjang noch „in weiter Ferne liegen“, hielt sich gerade in Äthiopien auf und soll fassungslos gewesen sein. Auch Verteidigungsminister Mattis wusste nichts von dem Vorpreschen seines Chefs. Während Kritiker hierin einen weiteren Beweis für das heillose Chaos und die Dysfunktionalität in einem Weißen Haus sehen, das täglich weiter im Chaos zu versinken scheint, stößt die Initiative des Präsidenten auf ein überwiegend positives Echo.

Wunsch nach Legitimität

„Das ist angesichts der Eskalationen des vergangenen Jahres wirklich eine positive Entwicklung“ sagte der demokratische Senator Edward Markey, ein langjähriger Befürworter nuklearer Abrüstung. Selbst Republikaner räumen ein, dass Trump auf die Fallstricke achten muss und das Umsetzen politischer Verhandlungen schwierig sein wird. Zum einen müsse er daran denken, dass es Kim vorrangig darum geht, durch ein Treffen mit dem US-Präsidenten an Legitimität zu gewinnen und sein Regime eingegangene Verpflichtungen selten auch erfüllt. Zum anderen ist es für die Verhandlungen problematisch, dass es den USA am notwendigen diplomatischen Personal fehlt. Trumps Sonderbeauftragter für Nordkorea ist zurückgetreten, einen Nachfolger gibt es noch nicht. Zudem ist der Sessel des Botschafters in Südkorea, dem eine wichtige Vermittlerrolle zukäme, leer. Ein Kandidat wurde noch nicht nominiert.

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10.03.2018, 06:00 Uhr

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