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Trump und die Autowelt: Erste allgemeine Verunsicherung
Daimler Chef Dieter Zetsche mahnt zur Gelassenheit. Dass Strafzölle wirklich kommen, glaubt er nicht. Foto: afp
Messe

Trump und die Autowelt: Erste allgemeine Verunsicherung

Eine Branche betreibt Selbsttherapie: Beim Treffen in Detroit machen sich die Autobauer vor dem Machtwechsel in den USA Mut.

10.01.2017
  • DPA

Detroit. Ford schafft 700 Arbeitsplätze, Fiat Chrysler 2000 – fast könnte man meinen, die Autobauer wollten dem neuen US-Präsidenten einen besonders warmen Empfang bereiten. Donald Trump hat ein Jobwunder versprochen, nun parieren die Unternehmen artig, hat es den Anschein.

Mit Wohlwollen gegenüber der neuen Regierung muss das Entgegenkommen jedoch nichts zu tun haben. Denn der republikanische Rechtspopulist geht nicht mit Klingelbeutel von Tür zu Tür, er setzt die Konzerne mit der Androhung von hohen Strafzöllen auf US-Importe unter Druck. Die Verunsicherung ist groß.

So gleicht das Verhältnis der Autobauer zu Trump zum Auftakt der wichtigsten US-Automesse dem Wetter: In Detroit herrscht Eiszeit mit bis zu zweistelligen Minusgraden. Die Bedenken gegenüber dem designierten US-Präsidenten überschatten das Schaulaufen der Hersteller zum Auftakt des Autojahres.

Dass die Stimmung diesmal gedämpft ist, liegt zwar auch daran, dass die kurz vorher stattfindende Technikmesse CES in Las Vegas dem Event den Rang abläuft. Doch der Trump-Faktor hängt wie ein Damokles-Schwert über der Branche. Dabei sah es zuletzt gut aus. Der Absatz brummt, die boomende Nachfrage hat den Herstellern 2016 einen erneuten Verkaufsrekord auf dem US-Markt beschert.

Eigentlich könnten sich die Autobauer beim Branchentreffen in der krisenerprobten US-Industriemetropole auf die Schultern klopfen – trotzdem ist keinem zum Feiern zumute, denn mit dem Regierungswechsel zieht Ungewissheit auf.

In Detroit bemühen sich die Größen der Industrie, Gelassenheit zu demonstrieren. „Wir sind zwei Wochen vor der Inauguration, insofern würde ich sagen, befinden wir uns im wesentlichen noch im Reich der Spekulation“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche am Vorabend der North American International Auto Show. „Deswegen würde ich eigentlich gerne tatsächliche Entscheidungen abwarten.“ Was würde es bedeuten, wenn Strafzölle kommen würden? „Ich erwarte es nicht.“

Andere Branchen-Insider äußern sich ähnlich. „Trump wird einsehen müssen, dass nicht alles, was er sagt, umgesetzt werden kann“, sagt Sandy Schwartz, Chef des US-Autohandelsriesen Cox Automotive. Früher oder später werde der Immobilienmogul die Realität anerkennen. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine seismische Verschiebung erleben werden.“ Doch hinter vorgehaltener Hand räumen viele Analysten ein, dass die Lage durchaus prekär ist.

Mit heftiger Kritik an Globalisierung und Freihandel hat Trump die Branche vor den Kopf gestoßen. Oft reichten ihm dafür 140 Zeichen bei Twitter. In der letzten Woche attackierte Trump zuerst US-Marktführer General Motors (GM) und dann den weltgrößten Autobauer Toyota für geplante Investitionen im benachbarten Niedriglohnland Mexiko. Die Aktionen sorgten für Wirbel, sogar die japanische Regierung schaltete sich ein, um Toyota in Schutz zu nehmen.

Am Sonntag kündigte der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler an, 1 Mrd. Dollar (947 Mio. EUR) in zwei bestehende Werke in den USA zu stecken. Nur wenige Tage vorher hatte Ford nach Kritik von Trump verkündet, Pläne für eine 1,6 Mrd. Dollar (1,5 Mrd. EUR) teure Fabrik in Mexiko zu streichen und stattdessen 700 Mio. Dollar (663 Mio. EUR) in den USA zu investieren. Insgesamt sollen die Initiativen von Ford und Fiat Chrysler 2700 US-Jobs schaffen. Beide Unternehmen bestreiten zwar, dass Trump dabei eine Rolle gespielt hat. Doch ein Beigeschmack bleibt.

Dieser Tage könnte Trump sich für Detroit durchaus noch zum Hoffnungsträger entwickeln. Einerseits bedroht sein Hang zum Protektionismus zwar die Geschäfte der dort ansässigen US-Hersteller wie GM oder Ford. Andererseits aber hat er der Autostadt frei nach seinem Motto „Amerika zuerst“ ein fulminantes Comeback versprochen. Mit Konjunkturpaketen und Steuerreformen will Trump der US-Wirtschaft zu einem neuen Boom verhelfen, von dem auch die Autoindustrie profitieren soll. dpa

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10.01.2017, 06:00 Uhr

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