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Trumps Clan
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Weißes Haus

Trumps Clan

Der Präsident hat sich mit einem kleinen Beraterkreis umgeben. Er ist wichtiger als das Kabinett.

21.01.2017
  • PETER DE THIER

Washington. Mit dem Amtsantritt von Donald J. Trump hat sich in der politischen Landschaft der USA ein dramatischer Wandel vollzogen. Das gilt zum einen für die politischen Prioritäten und Inhalte, aber auch für den Führungsstil. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten hat sich mit einem kleinen, dafür aber umso einflussreicheren Clan an Beratern umgeben. Bei Entscheidungen, welche die Welt verändern könnten, werden sie eine zentrale Rolle spielen.

Dass er auf Familienzusammenhalt Wert legt, hat der 70-Jährige bereits als Unternehmer bewiesen. Seine drei Kinder hat Trump für die Leitung seines Firmenimperiums buchstäblich gezüchtet. So gesehen ist es kein Wunder, dass Tochter Ivanka (35) und deren Ehemann Jared Kushner (36) dem neuen Präsidenten zur Seite stehen werden.

Von Ivanka wird erwartet, dass sie einerseits in die traditionelle Rolle der Hostess schlüpft, die bei Veranstaltungen prominent in Erscheinung tritt. Doch dürfte der Präsident zuallererst die dreifache Mutter um Rat bitten, wenn es um Klimawandel und Familienpolitik geht. Einen formellen Posten bekommt sie nicht. Denn nach der Präsidentschaft von John F. Kennedy, der seinen Bruder Bobby zum Justizminister ernannt hatte, verabschiedete der Kongress ein Gesetz, das es Präsidenten verbietet, Familienmitglieder in Positionen mit Kabinettsrang zu berufen. Umso anrüchiger finden Trumps Gegner daher, dass Schwiegersohn Jared Kushner den Titel des „Senior White House Advisor“ bekommt. Er wird der engste Vertraute des Präsidenten sein, wenn es um die Gestaltung der Nahostpolitik geht. In welche Richtung sich diese bewegt, ist vorgezeichnet. Kushner, der jüdisch ist und Ehefrau Ivanka zum Judaismus bekehrt hat, wird sich energisch für eine pro-israelische Politik einsetzen. Auch wird er eng mit Trumps früherer Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway (50) zusammenarbeiten, die bisher jede Entgleisung ihres Bosses zu verharmlosen versuchte.

Polarisierung über Twitter

Erhebliches Mitspracherecht werden im „Trump White House“ auch einige Nebendarsteller haben. Stabschef Reince Priebus (44), früher Parteivorsitzender der Republikaner, wird de facto der Türsteher des Präsidenten sein und für den reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts verantwortlich zeichnen.

Wichtigster Drahtzieher hinter den Kulissen wird „Chefstratege“ Stephen Bannon (63) sein. Vom Mitbegründer der Online-Plattform „Breitbart“ wird erwartet, dass er bis ins letzte Detail bestimmt, welche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Mitglieder beider Großparteien befürchten, dass Fakten verzerrt und Journalisten, die kritisch berichten, womöglich sogar verklagt werden. Bannon soll seinen neuen Chef ermuntert haben, weiterhin via Twitter polarisierende Kurzmeldungen zu senden, da diese Gegnern kaum Gelegenheit zum Kontern geben.

Enger Freund Putins

Der designierte Außenminister Rex Tillerson, früher Chef des Ölmultis Exxon Mobil und enger Freund Wladimir Putins, wird zweifellos eine entscheidende Rolle im Zusammenhang mit den angeschlagenen Beziehungen zu Russland spielen. Dabei könnte sich auch entscheiden, wie die USA mit der Terrormiliz IS umgehen und wie die amerikanische Politik gegenüber dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad aussehen wird.

Zudem wird der ehemalige Investmentbanker Steve Mnuchin, sollte er als Finanzminister bestätigt werden, ausländische Unternehmen stärker zur Kasse bitten und für die geplante Finanzmarktderegulierung zuständig sein. Zum inneren Kreis zählen diese und andere Minister aber nicht. Ein kleiner Clan aus Familienmitgliedern, einer loyalen Beraterin, einem pragmatischen Manager und einem rechtsgerichteten Medienunternehmer werden sich bei Trump Gehör verschaffen. Sie werden seine Entscheidungen stärker beeinflussen können als jedes Kabinettsmitglied.

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21.01.2017, 06:00 Uhr

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