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Davos

Trumps langer Schatten: Die Weltelite ätzt und ächzt

Topmanager und Spitzenpolitiker auf dem Weltwirtschaftsforum üben sich in Zynismus.

19.01.2017
  • DPA

Davos. Christine Lagarde hat die Lacher auf ihrer Seite. Sie sitzt auf der Bühne des Weltwirtschaftsforums in Davos, wo eine hochkarätige Runde von Politikern, Ökonomen und Finanzmanagern über die anstehende Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident diskutiert. Sie wolle keine Vorhersagen treffen über Trumps künftige Politik, sagt die Chefin des Internationalen Währungsfonds. Und ergänzt dann: „Wir wissen nicht wirklich, wie der Plan aussieht – wenn es so etwas wie einen Plan gibt.“

Der lockere Spruch bringt die Stimmung auf dem Treffen der Wirtschaftselite auf den Punkt. Es herrscht Unsicherheit. Wie soll man seine Geschäfte planen, wenn ein kommender US-Präsident mit ein paar harschen Worten ganze Branchen ins Schlingern bringt – wie bei seiner Kritik an Medikamentenpreisen. Dies hatte an der Börse für einen Kursknick bei den Aktien von Pharma- und Biotechkonzernen gesorgt; Milliarden an Wert wurden binnen Minuten vernichtet. Oder bei seiner Kritik am Bau von Autofabriken im Nachbarland Mexiko – hier war auch der deutsche Premiumhersteller BMW in die Schusslinie geraten. Hinter vorgehaltener Hand erzählen US-Topmanager von ihrer Angst vor höheren Einfuhrzöllen. „Wir müssten unsere Preise mindestens verdoppeln“, warnt ein Unternehmensboss.

Populismus das größte Problem

Populismus sei derzeit das größte Problem für die Welt und die Wirtschaft, sagt der milliardenschwere US-Hedgefonds-Manager Ray Dalio. Denn: „Populismus bedeutet per Definition Nationalismus und Protektionismus.“ Für die Topmanager, die ihre Vermögen dank weltweiten Wirtschaftens gemacht haben, sind das denkbar schlechte Nachrichten.

„Es ist schon eine verkehrte Welt: Die Nation, die für Freihandel steht, tritt auf die Bremse. Und Chinas Präsident hält eine Feuerrede für die globale Wirtschaft, für das System, das uns allen Wohlstand gebracht hat“, sagt Frank Riemensperger, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture.

Der chinesische Staats- und Regierungschef Xi Jinping hatte, wie berichtet, das Weltwirtschaftsforum mit einem Plädoyer für den weltweiten Freihandel eröffnet. Er setzte dabei bewusst einen Kontrapunkt zu Trump.

Wem die Sympathien der versammelten Wirtschaftselite gehören, wird besonders beim Auftritt des scheidenden US-Vizepräsidenten Joe Biden deutlich. Er bekommt stehende Ovationen, als er die Bühne betritt. Und als er in seiner Rede die Amtsübergabe an Trump erwähnt, schallt aus dem Publikum unüberhörbar ein Buhruf.

Scharfe Kritik vom Starökonom

Die Kritik zieht sich durch viele Veranstaltungen des Weltwirtschaftsforums in Davos, die Fürsprecher scheinen in der Minderheit. Als der ehemalige republikanische Spitzenpolitiker und jetzige Investmentbanker Eric Cantor auf dem Podium sagt: „Wir haben in den vergangenen acht Jahren unter Präsident Obama wirtschaftlich gelitten“, macht sich deutlich hörbar Widerspruch im Publikum breit.

Einen der schärfsten Angriffe muss sich der künftige US-Präsident vom Starökonomen Larry Summers in einer Diskussion über das Schrumpfen der Mittelschicht gefallen lassen. Trump habe einige Telefonanrufe getätigt und Unternehmen „erpresst“, ein paar Hundert Jobs in US-Fabriken zu behalten. Gleichzeitig sei der mexikanische Peso um 15 Prozent zum Dollar gefallen. „Das ist ein Dolch im Rücken von Ohio“, sagt Summers mit Blick auf den US-Bundesstaat, in dem viele Autowerke stehen. Die Industrie büße wegen des starken Dollars an Wettbewerbsfähigkeit ein, so Summers Argumentation. „Da geht es um Tausende, Zehntausende oder Hunderttausende Jobs.“ dpa

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19.01.2017, 06:00 Uhr

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