Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Positive Sommerbilanz

Tübingen ist für Touristen meist nur Durchgangsstation

Zufriedenstellend, mit etwas mehr Übernachtungen als im letzten Jahr: Dieses Fazit ziehen die Tübinger Beherbergungsbetriebe aus dem zuende gehenden Tourismus-Sommer.

03.09.2012
  • Jörg Schäfer

Tübingen. „Die meisten Gäste suchen eine Mischung aus Natur und Kultur“, sagt Felizitas Bader vom Bürger- und Verkehrsverein (BVV). Das zeigte sich auch in der Touristeninformation an der Neckarbrücke: Häufig gekauft wurden dort Rad- und Wanderkarten, viele Fragen drehten sich um Veranstaltungen in Tübingen. In der Stadt steuerten die Touristen im wesentlichen die bekannten Ziele an.

„Die Gruppen fahren gerne Stocherkahn“, hat Marianne Schuster von der Jugendherberge festgestellt. Die meisten bummelten außerdem durch die Altstadt. Nur wer länger blieb, besuchte auch die Umgebung.

Etwas andere Vorlieben hatten die Gäste des Campingplatzes am Neckar. „Wir haben eher Kulturtouristen“, sagt Platzwart Thomas Henne. Sie steuerten die Schlösser Lichtenstein und Hohenzollern an oder besuchten die Kunsthalle.

Dieses Interesse überrascht nicht, wenn Thomas Henne seinen typischen Gast beschreibt: „Viele Besucher sind älter als 50 Jahre und kommen mit teuren Wohnmobilen.“ Eine zweite große Gruppe auf dem Campingplatz waren Radtouristen. Diese waren häufig auf dem Neckartalweg unterwegs, nicht selten waren aber auch Niederländer, die aus ihrer Heimat bis Rom mit dem Fahrrad fuhren.

Viele Touristen auf dem Rad hat auch das Hotel am Schloss, berichtet Hotelfachmann Corvin Kröhnert. Das Hotel werde häufig von einem Anbieter von Radreisen gebucht.

Andere Erfahrungen hat Elke Veihelmann vom Hotel Hospiz gemacht: „Manchmal stehen hier gefühlt so viele Autos, wie wir Gäste haben“, sagt die Geschäftsführerin. Dazu passt eine Feststellung von Felizitas Bader: Beim BVV wurde nur wenig nach den Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs gefragt.

Die starke Nutzung des Autos für die Anreise passt zu der kurzen Aufenthaltsdauer der Touristen. Das Museum im Schloss Hohentübingen verzeichnete viele Tagesbesucher, aber auch die durchschnittlichen Übernachtungszahlen lagen in den Hotels und auf dem Campingplatz unter zwei Übernachtungen pro Person. Lediglich in der Jugendherberge lag dieser Durchschnitt mit 2,5 Nächten höher.

„Tübingen müsste mehr Anstrengungen unternehmen, damit Gäste die Stadt als Ausgangsort für ihre Aktivitäten nehmen“, meint Hartmut Naumann. Er vermietet privat Zimmer und weist auf die günstige geografische Lage Tübingens hin: Sowohl nach Stuttgart als auch auf die Schwäbische Alb ist es nicht weit. „Schöne Häuser und die Uni reichen aber nicht aus, um die Gäste länger zu halten“, sagt Naumann.

Kurz die Stadt, dann die Rundreise

Einige zufällig befragte Touristen in Tübingen bestätigten am Wochenende diesen Eindruck. Sabine Böhm und Matthias Strobel sind vom Bodensee für einen Tagesausflug gekommen. „An manchen Ecken wirkt die Stadt fast mediterran“, sagte Böhm. Beide können sich gut vorstellen, wiederzukommen.

Auch Niamh Akiboye Conolly aus Irland und Jo Yong Hun aus Südkorea wollten nicht übernachten, sie besuchten einen Freund, der in Tübingen studiert. „Die alten Gebäude, die so eng beieinander stehen, das ist so typisch deutsch“, beschrieben sie ihre Eindrücke aus der Altstadt. Sie werden nun zu einer Rundreise durch Deutschland aufbrechen.

Bei der Herkunft der ausländischen Gäste beobachteten der Campingplatz und die Jugendherberge einen höheren Anteil von Südeuropäern. Weiterhin waren Franzosen und Schweizer stark vertreten.

Das Fazit ist bei allen Übernachtungsbetrieben ähnlich: Sie sind zufrieden, die Zahl der Gäste hat leicht zugenommen. „Vor allem der August war ungewöhnlich gut“, sagt Alexander Engeroff, der mit seinem Vater privat Zimmer vermietet. Nach einem schwachen Beginn ist auch Thomas Henne vom Neckarcamping zufrieden: „Mit einem guten Herbst können wir sogar den Rekord des letzten Jahres knacken.“ Und Gerd Hillmann vom Museum Boxenstop sagt, das Museum spüre nun seine wachsende Bekanntheit an steigenden Besucherzahlen.

Hilary und John Crawforth konnten am Wochenende feststellen, dass sogar das Wetter wie in ihrer Heimat Manchester war. Sie besuchen einen Neffen, der an der Uni Tübingen lehrt. „In den Straßen der Stadt kann man Geschichte fühlen, wie in Oxford oder Cambridge“, sagte John Crawforth. Die beiden werden nach drei Tagen zu einer Tour durch Süddeutschland aufbrechen.

Tübingen ist für Touristen meist nur Durchgangsstation
Der Touristen-Klassiker: Das Foto vor der Altstadtkulisse von der Tübinger Neckarbrücke aus muss einfach sein. Bild: Sommer

Die große Bedeutung der Universität für Tübingen können auch die Beherbergungsbetriebe bestätigen. Häufige Hotelgäste sind Teilnehmer von Tagungen, sagt Corvin Kröhnert (Hotel am Schloss). Gastprofessoren werden nicht selten in privaten Ferienwohnungen untergebracht, etwa bei Alexander Engeroff. Eltern, die ihre in Tübingen studierenden Kinder besuchen wollen, übernachten oft in der Jugendherberge, ebenso wie Menschen, die für einige Tage an ihren alten Studienort zurückkehren, hat Marianne Schuster festgestellt. Wer Angehörige in einer der Tübinger Kliniken hat und in deren Nähe sein möchte, nimmt sich ebenfalls häufig ein Hotel- oder Privatzimmer.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.09.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball