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Grummelnd die Kröte geschluckt

Tübingen kann Bahnbetriebswerk nicht verhindern

Im Tübinger Rathaus steht man dem geplanten Ausbau des Bahnbetriebswerks „sehr kritisch“ gegenüber. Trotzdem erklärten sich Rat und Verwaltung am Montag unisono mit dem Großprojekt an der Europastraße einverstanden.

18.07.2012
  • Sepp Wais

Tübingen. Die Bahn AG will – wie berichtet – ihr Tübinger Betriebswerk gegenüber dem Festplatz ausbauen, um dort Ersatz zu schaffen für die Abstell- und Betriebsflächen, die sie in der Landeshauptstadt für Stuttgart 21 räumt. Die ersten Schritte dazu wurden schon gemacht – vor allem mit dem Bau zweier Anlagen für die Außen- und Innenreinigung der Züge. Dafür hat die Bahn etwa zehn Millionen Euro ausgegeben.

Doch der größere Brocken kommt noch: Der weitere Ausbau, den Alfred Kolberg, Chef der Infrastruktur DB Regio in Stuttgart, am Montag im Planungsausschuss vorstellte, wird auf 50 Millionen Euro veranschlagt. Die Bauarbeiten sollen bereits im Frühjahr 2013 beginnen. Im Herbst 2014 will der bundeseigene Konzern seine neue „Fahrzeug-Instandhaltungs-, Behandlungs- und Abstellanlage (Fiba)“ in Betrieb nehmen.

Kernstück der Fiba wird ein neuer „Werkstatt-Komplex zur Ganzzug-Instandhaltung“ – ein 230 Meter langer, bis zu 44 Meter breiter und bis zu 12 Meter hoher Bau, der mitten auf dem Werksareal teilweise über alte Betriebsgebäude hinweg errichtet werden soll. Angesichts dieser Dimensionen und des Flächenverbrauchs für neue Abstellgleise wurde es manchem Ratsmitglied mulmig.

Nachdem die Bahn die kleinere Waschhalle „im Stile einer Aldi-Schachtel“ gebaut habe, so meinte Annette Schmid (Grüne), müsse man jetzt „wohl noch Schlimmeres“ fürchten. Auch Baubürgermeister Cord Soehlke machte der wuchtige Kasten am südwestlichen Stadteingang zu schaffen. Jedoch: „Wir finden in Tübingen keinen anderen Standort für einen Bau dieser Größe.“

Kolberg fand solche Einwände nicht ganz fair: „Wir hätten die Fiba auch im Bereich des Güterbahnhofs untergebracht“ – aber da, so räumte Soehlke ein, wollte die Stadt den Bau schon gar nicht haben. Des weiteren hielt Kolberg den Kritikern im Ausschuss entgegen, dass die Bahn den Wünschen der Stadtplaner schon weit entgegen gekommen sei: „Ursprünglich sollte die Werkstatt doppelt so groß werden – die Planung so weit zurückzunehmen, hat uns durchaus weh getan.“ Im übrigen werde man den Neubau von der Europastraße aus kaum wahrnehmen: „Der ist nicht so hoch wie das alte Verwaltungsgebäude, das wir stehen lassen.“ Quasi als Sichtblende zur Straße hin. Und noch ein Hinweis für die Stadträte: „In Ulm wird die Werkstatt dreimal so groß, trotzdem kommen wird dort mit dem Planverfahren schneller voran.“

Auch in Tübingen hat Kolberg nichts zu befürchten. Erstens, weil die Stadt bei Bahnprojekten zwar mitreden, aber nicht mitentscheiden darf. Und zweitens, weil sich Rat und Verwaltung schnell einig waren, dass man „diese Kröte schlucken“ (Dieter Barth, UFW) muss, wenn man den Schienenverkehr voranbringen will.

Ein paar „Anregungen“ bekam Kohlberg dann aber doch mit auf den Heimweg. Unter anderem wünscht sich die Stadt von der Bahn, dass sie das historische und stadtbildprägende Ensemble des Betriebswerks so weit wie möglich erhält, dass die Stadtplaner bei der Gestaltung der neuen Baukörper mitreden dürfen und dass deren weithin einsehbare Flachdächer begrünt werden.

Tübingen kann Bahnbetriebswerk nicht verhindern
So darf man sich den neuen Werkstatt-Komplex mit Lager, Büros und Sozialräumen im Bahnbetriebswerk vorstellen. Allerdings sieht man hier nur die Hälfte des 230 Meter langen Baus: Die Langzug-Halle, deren Ausfahrt ganz rechts im Bild zu sehen ist, reicht auf der Rückseite 120 Meter über den Komplex hinaus. Simulation: DB Regio

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18.07.2012, 12:00 Uhr

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