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Wenigstens probieren

Tübingen will im Rammert fünf Flächen als Windkraft-Standorte ausweisen

Ob auf Tübinger Markung jemals ein Windrad aufgestellt wird, bleibt ungewiss. Aber wenn, dann in der nordöstlichen Rammert-Ecke. Dort, im Wald zwischen Bühl, Derendingen und Dußlingen, haben die Stadtplaner fünf Standorte gefunden, die sie als „Konzentrations zonen“ für die Windenergie ausweisen wollen. Dem stimmte der Planungsausschuss am Montag zu.

12.12.2012
  • Sepp Wais

Tübingen. Die Standortsuche war für Andreas Linsmeier vom Stadtplanungsamt mühsamer als befürchtet – und der Ertrag weitaus geringer als von OB Boris Palmer erhofft. Denn so sehr die grün-rote Landesregierung die Ausweisung geeigneter Flächen auch wünscht, die planungsrechtlichen Vorgaben in ihrem „Windenergieerlass Baden-Württemberg“ lassen Tübingen kaum eine Wahl.

Nach diesem Erlass sind Windkraftanlagen zwar generell „im Außenbereich privilegierte Vorhaben“, aber nur dort, wo sie nicht von vornherein tabu sind – wie zum Beispiel grundsätzlich in Naturschutzgebieten, Bann- und Schonwäldern oder auch in Vogelschutzgebieten. Des weiteren müssen Windräder in vielfacher Hinsicht Abstand halten – etwa 200 Meter zu Naturschutzgebieten sowie Bann- und Schonwäldern, 700 Meter zu Vogelschutz- und Wohngebieten und 500 Meter zu Einzelgehöften im Außenbereich.

Nachdem Linsmeier all diese Tabuzonen auf der Stadtkarte mit großen Kreisen abgezirkelt hatte, blieben von der 10 812 Hektar großen Markungsfläche der Unistadt gerade mal noch 141 Hektar übrig, die planungsrechtlich für eine Windkraft-Nutzung in Betracht kommen und darüber hinaus – vielleicht – windig genug für eine halbwegs wirtschaftliche Stromgewinnung sind.

Die mit 68 Hektar größte dieser Flächen liegt südlich der Straße von Weilheim nach Kressbach und reicht dort bis zur Golfplatz-Lichtung. Drei kleinere Standorte liegen westlich des Eckhofs im Wald verstreut, die letzte Fläche grenzt östlich an die Schweinerain-Deponie an. Aus der Vogelperspektive reihen sich diese Planungsinseln im Rammert in südwestlicher Richtung hintereinander auf – mithin ziemlich genau in der Hauptwindrichtung.

Das vermindert die in dieser Rammert-Ecke (absehbar) eher magere Energieausbeute: Wer dort Windräder platzieren will, muss sie weit voneinander absetzen, sonst steht eines im Windschatten des anderen. Damit haben sich die Tübinger Stadtwerke, die dort auf heimischem Terrain investieren wollen, längst abgefunden. Ursprünglich planten sie im Rammert sechs Anlagen, jetzt ist nur noch von vier die Rede.

Ob der Wind dort kräftig genug bläst, um die von OB Boris Palmer geforderte schwarze Null damit zu erwirtschaften, ist noch unklar. Die von den Stadtwerken in Auftrag gegebenen Messungen dauern bis in den nächsten Sommer. Aussagekräftige Ergebnisse werden erst im Herbst 2013 erwartet. Parallel dazu müssen die vorgeschlagenen Standorte noch eine ganze Reihe von Umweltprüfungen bestehen, ehe sie im Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbandes als „Konzentrationszonen“ für die Winden er gie ausgewiesen werden können.

Baubürgermeister Cord Soehlke wagte am Montag keine Prognose, wie die Sache am Ende ausgeht. Nur einer war sich da ganz sicher – der CDU-Sprecher Arnold Oppermann: „Auch wir sind für die Windkraft, aber der Rammert ist dafür nicht geeignet.“ Sollten sich die Stadtwerke dennoch auf diesen Standort einlassen, müssten deren Kunden am Ende die Zeche bezahlen.

Trotzdem kam bei der Beschlussfassung kein hartes Nein – die Räte von CDU und WUT enthielten sich bei der Abstimmung. Alle übrigen Fraktionen von den Grünalternativen bis zu den Piraten votierten geschlossen für den Verwaltungsantrag, das planungsrechtliche Verfahren weiter voranzutreiben. Der allgemeine Tenor dabei – formuliert von der grünen Stadträtin Susanne Bächer: „Auch wenn noch viele Fragen offen sind, der Rammert ist unsere einzige Option, wir wollen es dort wenigstens probieren.“

Tübingen will im Rammert fünf Flächen als Windkraft-Standorte ausweisen
So ähnlich würden – vom Tübinger Schloss aus gesehen – die knapp 200 Meter hohen Windräder aus dem Rammert-Wald herausragen. Laut den Tübinger Stadtwerken, die neuerdings nicht mehr sechs, sondern nur noch vier Anlagen planen, basiert diese Visualisierung auf einer exakten Höhen-Berechnung.Computerbild: Stadtwerke Tübingen

An politischen Widerständen dürften die Stadtwerke kaum scheitern, wenn sie sich dazu durchringen sollten, im Rammert einige Windräder aufzustellen. Da hat sich in letzter Zeit wohl einiges geändert. Als OB Boris Palmer das Projekt Mitte Oktober in der Weilheimer Rammert-Halle vorstellte, handelte er sich insbesondere bei den Kressbachern wütende Proteste ein. Die Bewohner der Villensiedlung machten ihm unmissverständlich klar, dass sie in ihrem Wohnumfeld keine „Spargel“ haben wollen. In den politischen Gremien fanden sie allerdings nur wenig Mitstreiter. Der für Kressbach zuständige Ortschaftsrat von Weilheim stimmte mit 10 zu 1 für die Ausweisung der fünf Rammert-Standorte. In Kilch berg ging die Abstimmung 8 zu 2 aus, in Bühl 6 zu 1. Und im Derendinger Ortsbeirat gab es kein einziges Contra – wie schließlich auch im
Planungsausschuss.

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12.12.2012, 12:00 Uhr

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