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Überraschungen in der Gruft

Tübinger Archäologen in Qatna wieder fündig

Die weitere Untersuchung von Grabkammern im Königspalast von Qatna hat sich für das Tübinger Ausgräberteam gelohnt. Menschliche Knochen und Schmuck kamen zum Vorschein.

05.09.2010
  • Raimund weible

Tübinger Archäologen in Qatna wieder fündig
Mit Atemschutz wegen möglicher Pilzsporen gruben Tübinger Archäologen bis 2010 in den beiden Kammern der Nebengruft unter dem Königspalast von Qatna. Seit zwei Jahren ruhen die Forschungen. Der Krieg macht Archäologie in Syrien unmöglich. Bild: Marc Steinmetz

Mischrife / Tübingen. Was für eine reiche, ergiebige Fundstätte der Königspalast der altsyrischen Stadt Qatna ist, hat sich auch während der laufenden Kampagne gezeigt. In zwei Nebengrüften, die das Tübinger Archäologenteam bereits im vergangenen Jahr entdeckt hatte, legten die Forscher weitere menschliche Überreste frei – und zahlreiche Schmuckstücke. Über das Ausmaß und die Qualität der Funde waren die Archäologen um Professor Peter Pfälzner und seiner Frau und Kollegin Heike Dohmann-Pfälzner selbst überrascht.

Ihren Toten hatten die Könige von Qatna, deren Reich um 1340 vor Christus bei einem Angriff der Hethiter unterging, wertvolle Gaben mit in die Ewigkeit gegeben: Schmuckstücke aus Gold und Edelsteinen, Alabastergefäße, Elfenbeinarbeiten, kleine Figurinen, Einlegeplättchen und Keramiken. Mitte Juli hatten die Wissenschaftler ihre Grabungen fortgesetzt. Seitdem bargen sie 379 Fundstücke in der Gruft.

Tübinger Archäologen in Qatna wieder fündig
In den Grüften stießen die Archäologen auf zahlreiche Skelette. Dazwischen lagen zahlreiche Schmuckstücke wie der goldene Ring mit einem Lapislazuli-Siegel (links oben). Die Knochen stammen wohl aus der Zeit zwischen 1650 bis 1550 vor Christus.

Auf das besondere Interesse der Forscher stießen zahlreiche Gegenstände ägyptischer Herkunft. Sie fanden eine glasierte Steinfigur eines Nilpferds mit einer auf den Körper gemalten Sumpflandschaft, eine winzige Sphinx aus orange-rotem Karneol und Salbgefäße aus Kalzit-Alabaster. Diese Objekte bezeugen einen regen Kontakt zwischen Qatna und dem Reich der Pharaonen.

Gut erhalten sind auch zwei kleine, fein gearbeitete, fast durchsichtige Gefäße aus Bergkristall. Besonders schön ein Goldring mit einem darin eingesetzten dekorierten Siegel aus Lapislazuli und eine goldene Plakette zum Aufnähen mit eingraviertem Lebensbaummotiv. Zahlreiche Gewandnadeln aus Bronze und aus Gold ergänzen das Grabinventar.

Tübinger Archäologen in Qatna wieder fündig

Die Archäologen nehmen an, dass die Fundstücke aus der Zeit zwischen 1650 und 1550 vor Christus stammen. Das werde unterem anderen durch ein vor kurzem im Grab gefundenen originalen Siegel einer ägyptischen Königsmutter bestätigt. In beiden Grabkammern kamen menschliche Skelettteile zum Vorschein. Die Knochen waren in dichter Packlage in ehemaligen Holzkisten verstaut. Von den Behältnissen zeugen Spuren zersetzten Holzes.

Vermutlich befanden sich die menschlichen Reste einst in der schon vor zehn Jahren entdeckten Königsgruft. Als diese jahrhundertelang benutzte Gruft voll wurde, so die Theorie von Pfälzner, verlegte die Herrscherfamilie die alten Skelette in die Nebengrüfte, um Platz für weitere Bestattungen zu schaffen.

Qatna auf dem Tell Mischrife liegt 180 Kilometer nordöstlich von Damaskus. Das Team Pfälzner arbeitet dort seit 1999. Maßgeblich wird die Ausgrabung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Wegen der Unberührtheit und des Fundreichtums wird Qatna sogar mit der Grabkammer des Pharaos Tutanchamun in Ägypten verglichen, die 1922 im Tal der Könige entdeckt wurde.


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