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Hilfe für die Ebola-Region - Lieferung mit Schutzanzügen

Tübinger Difäm berät Krankenhäuser in Westafrika

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat bislang nie erreichte Ausmaße angenommen. Hilfslieferungen, etwa mit Schutzanzügen, für die Krankenhäuser in den betroffenen Regionen organisiert das Deutsche Institut für Ärztliche Mission in Tübingen (Difäm). Dort berät man zudem Krankenhäuser in der Ebola-Region, wie das Ansteckungs-Risiko für Patienten und Mitarbeiter reduziert werden kann.

06.08.2014
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Eigentlich wollte der Tübinger Arzt Jochen Bitzer, der Leiter des Difäm-Gesundheitsdienstes, dieser Tage nach Sierra Leone reisen, um ein Projekt von „Brot für die Welt“ zu evaluieren. Die Reise hat er gestrichen. In Sierra Leone und auch beim Difäm hat man gerade andere Sorgen. Das Ebola-Virus hat in Westafrika bereits mehr als 800 Todesopfer gefordert. Um die rasante Ausbreitung der hochansteckenden und tödlichen Seuche – 50 bis 80 Prozent der Infizierten sterben – zu verhindern, hat Sierra Leone den Notstand ausgerufen.

Tübinger Difäm berät Krankenhäuser in Westafrika
G. Schneider

Hilfe für die Krankenhäuser in den Krisengebieten kommt auch aus Tübingen. Das Difäm berät die Krankenhäuser und organisiert Hilfslieferungen. „Wir versuchen zu helfen, die Krankenhäuser so sicher zu machen, dass dort gearbeitet werden kann“, sagt Difäm-Direktorin Gisela Schneider. „Das fängt bei der Krankenhaus-Pforte an“ – an der etwa ein Kind steht, das hohes Fieber hat, mit vier Familienmitgliedern, die es begleiten. Hat das Kind Malaria? Eine Lungenentzündung? Oder besteht der Verdacht auf eine Ebola-Infektion in der Familie? Wie kann man erreichen, dass Kranke, die dringend behandelt werden müssen, Hilfe finden und die Ärzte und Pfleger geschützt werden? „Es gibt ja keinen Schnelltest für Ebola“, so Schneider.

Desinfektionsmittel ist im ganzen Land ausverkauft

Aber es gebe klare und hilfreiche Regeln („Triage-System“), nach denen die Krankenhäuser jetzt organisiert werden müssen, erklärt die Difäm-Direktorin. So müssen zum Beispiel alle Patienten Fieber messen, bevor sie im Krankenhaus aufgenommen werden. Im Verdachtsfall ist sofort ein Ebola-erfahrener Arzt zu konsultieren, der die Symptome einordnen kann. Und die Krankenhäuser müssen Isolierstationen einrichten, die wiederum Ganzkörper-Schutzanzüge, ausreichend Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung haben. Auch das ein Problem in den armen Regionen: „Bleach – Bleichmittel zur Desinfektion – das es sonst an jeder Ecke im Kiosk zu kaufen gab, ist jetzt im ganzen Land ausverkauft“, berichtet Schneider. Auch hier versucht das Difäm zu helfen, Geld und Ausrüstung zu organisieren.

In den späten 80er Jahren war Schneider selbst als Ärztin in Sierra Leone tätig. Das war, bevor der mehr als zehn Jahre dauernde Bürgerkrieg das Land ins Elend stürzte. „Es ist eines der ärmsten Länder der Welt“, sagt Schneider. Eine ganze Generation sei dort während des Bürgerkriegs ohne Schulbildung aufgewachsen. Und die Gesundheitseinrichtungen arbeiteten auch ohne Ebola unter schwierigsten Bedingungen.

In Gesprächen mit den christlichen Dachverbänden berät das Difäm auch Pfarrer und Kirchengemeinden, die Familien von Verstorbenen betreuen. Sie müssen diesen beibringen, dass sie all das nicht dürfen, was sonst zum Abschied von einem Toten dazugehört: Ihm nahe zu sein in den letzten Stunden, die Hand zu halten oder ihn zu waschen. Denn Ebola-Viren übertragen sich zwar nicht durch die Luft aber über Körperflüssigkeit. Schneider: „Da reicht schon der Schweiß, der auf der Haut liegt.“

Info: Das Difäm hat ein Spendenkonto für die Hilfslieferungen in die Ebola-Gebiete eingerichtet: Konto 40 66 60, BLZ 520 604 10, Evangelische Kreditgenossenschaft Stuttgart, IBAN: DE36 5206 0410 0000 4066 60, BIC: GENODEF1EK1, Stichwort: Ebola.

Die Tübinger Tropenklinik (in der Trägerschaft des Difäm) ist spezialisiert auf die Behandlung von Tropenkrankheiten. Patienten mit Fieber oder anderen Symptomen, die in den vergangenen 21 Tagen (das ist die maximale Frist für die Inkubationszeit) aus einem Ebola-Risiko-Gebiet eingereist sind, würden derzeit zur Sicherheit aber nicht in Tübingen aufgenommen. Sie würden mit einem Spezial-Transport an das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus gebracht. Dort gibt es eine Abteilung für hochinfektiöse Krankheiten, die sich auch bei Hautkontakt übertragen. Einen solchen Fall gab es aber bislang nicht. Viele Reisende informieren sich im Vorfeld beim Difäm: Etwa ein Missionsarzt, der demnächst nach seinem Urlaub mit seiner Familie nach Sierra Leone zurückkehren wollte oder ein Abiturient, der in Kürze sein Freiwilliges Soziales Jahr in Sierra Leone beginnen wollte – dem Difäm-Direktorin Gisela Schneider aber abgeraten hat. Auch am Tropeninstitut der Tübinger Uni gehen täglich Anrufe von Leuten ein, die eine Afrika-Reise planen. Am Partner-Krankenhaus des Tropeninstituts in Lambarene (Gabun) ist man bislang abseits des Epidemie-Gebiets. Dort gab es vor rund 15 Jahren zwei Ebola-Ausbrüche, berichtet Tropeninstituts-Leiter Prof. Peter Kremsner, der damals als Arzt in Lambarene war.
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06.08.2014, 12:00 Uhr

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