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Triathlon: Samstag wird der Teppich ausgerollt

Tübinger Dreikampf-Premiere am Sonntag

Die Baustelle im Zielbereich in der Uhlandstraße ist weg, die Meteorologen sagen für den kommenden Sonntag gutes Wetter voraus: Dem Tübinger Mey-Generalbau-City-Triathlon steht fast nichts mehr im Weg. Top-Triathleten wie Novizen fiebern der Premiere entgegen.

30.07.2015
  • bernhard schmidt

Tübingen. Beim Blick über die Neckarfront hinaus zum Stauwehr kommt Ulrich Fabricius, Cheforganisator des ersten Tübinger City-Triathlons, ins Schwärmen. „Der Standort, die Altstadtkulisse – das ist einfach nur gigantisch!“ An keinem anderen Wettkampfort hätten die Zuschauer eine bessere Sicht aufs Geschehen: Ob Neckarmauer, Neckarbrücke, Jugendherberge, Parkhaus oder Casino-Eck – die Schwimmer bleiben auf ihrem langen Weg immer im Blick. Auf der Platanenallee wartet Fabricius auf den Kollegen und Mitorganisator Matthias Gäckle. Der war gerade im Rathaus, hat dort die letzten Formalitäten erledigt, Telefonlisten übermittelt, geklärt, wer, wo, welche Wachposten besetzt.

Mit dem Akkuschrauber machen sich die beiden an einer Holztreppe mit blauem Teppich zu schaffen. Über diese Stufen werden am Sonntag über 1500 Triathleten nach der Schwimmeinlage aus dem Neckar auf die Platanenallee steigen und sich ihre Rennräder holen. Der Schwimmstart erfolgt vorne am Neckarspitz, dem berüchtigten Nadelöhr beim Stocherkahnrennen. Nach dem Neckarbad geht’s mit dem Rad über die Treppe hinauf auf die Neckarbrücke.

Deshalb wird am Samstag für die dem Neckarwasser entsteigenden, barfüßigen Triathleten auf der Allee und auf der Treppe zur Neckarbrücke hinauf ein langer Teppich ausgerollt. Dort montieren die Veranstalter außerdem – Sicherheit geht vor – eine Rinne für die schmalen Rennradreifen und ein zusätzliches Geländer. Die in der Bundesliga-Serie startenden Spitzen-Athleten haben’s da einfacher: Deren Räder stehen schon auf der gleichfalls mit einem Teppich versehenen Neckarbrücke.

Am Samstag kommen die Organisatoren und ihre Helfer dann noch einmal richtig ins Schwitzen. 300 Radständer, jeder zwölf Kilogramm schwer und je sechs Rädern Platz bietend, müssen zur weit entfernten Wechselzone transportiert werden. Das Gros der Starter wird schon auf den Tübinger Festwiesen aufs Zweirad umsteigen. Die Teilnehmer sind angehalten, mangels Parkplätze in der Innenstadt ihr Auto jenseits der Horn-Arena stehen zu lassen und auf dem Radweg zur Anmeldung in der Uhlandhalle zu fahren. Am Silcher-Denkmal können sie dann ihre wertvollen Renner gut bewacht zwischenlagern.

Ebenfalls am Samstag werden die Organisatoren große Bojen im Neckar fixieren – Pyramiden mit zwei Meter Seitenlänge, vor allem für die im freien Gewässer Ungeübten eine ganz wichtige Orientierung. Gelb, grün, rot: Die Bojen haben unterschiedliche Farben und signalisieren den Wendepunkt der jeweiligen Schwimmstrecke. Schnupper-Triathlon (350 Meter, Sprint- (750 Meter) oder olympische Distanz (1,5 Kilometer).

Gut angeleitet auf den Geschmack gekommen

Für die meisten Triathlon-Novizen, für die der Haupt- und Namenssponsor Mey Generalbau eigens ein Vorbereitungstraining organisiert hat, war das Schwimmen, die erste Disziplin des Dreikampfes, die größte Herausforderung. „In dieser Disziplin war es am schwersten, mich zu verbessern. Das ist so anspruchsvoll, da muss man so viel beachten“, sagt Triathlon-Rookie Ralf Wettemann, Leiter der Musikschule Jamclub und Vorsitzender des Basketball-Fanclubs Neckartigers. Die theoretische und praktische Anleitung von Marcel Fahrner, am Sportinstitut zuständig für die Schwimmausbildung, habe ihm da wirklich weitergeholfen. Wettemann, früher fast ausschließlich auf den langen Laufstrecken unterwegs, hat außerdem unzählige Bahnen im Campingplatz-Pool in Südfrankreich gezogen, aber auch im Hirschauer Baggersee schon einige Trainingsstunden verbracht – nicht zuletzt um die Orientierung im freien Gewässer zu üben. Es sehe mittlerweile schon ganz gut aus, wie er durchs Wasser kraule, sagt Wettemann. Nur so richtig schneller geworden sei er noch nicht.

Um auch in der zweiten Disziplin flott vorwärts zu kommen, hat sich Wettemann gar ein neues Rennrad geleistet. Und ist glücklich damit. „Es läuft wie geschmiert, das Radfahren hat mir am meisten gefallen.“ Auch wenn es zeitweise ganz schön anstrengend war. Beispielsweise als der Wendelsheimer Top-Fahrer Florian Tenbruck die Trainingsgruppe gleich mehrfach hintereinander beim Tierheim die Steigung auf die Härten hochjagte.

Ein bisschen mehr Athletiktraining hätte er sich schon verordnen müssen, räumt Wettemann ein. Wegen der unterschiedlichen Belastung zwicke es mitunter doch an manchen Körperpartien. Eine Zeit möglichst unter 1:30 Stunden für die Sprintdistanz hat der 51-Jährige für den Wettkampf am Sonntag ins Auge gefasst. Kein leichtes Unterfangen, denn am Abend zuvor hat Wettemann bei einer Hochzeit in Zürich noch einen Auftritt mit seiner „Louisiana Funky Butts Brass Band“. Die neue Sportart habe ihn jedenfalls überzeugt: „Triathlon ist so vielfältig, ich bin begeistert. Wenn’s am Sonntag einigermaßen läuft, dann mache ich weiter und probier’s dann mit der olympischen Distanz.“

Für einige Top-Athleten ein Heimspiel

Für die Top-Triathleten, die dank Bundesliga-Serie und Hochschulmeisterschaften ebenfalls zur Tübinger Premiere kommen, steht Tim Lange, Seriensieger bei vielen Volksläufen in der Region. „Ich starte aber auf der Baby-Distanz“, sagt Lange, sonst eher auf den längeren Distanzen zuhause. Der 26-Jährige, in Management und Vertrieb einer Ludwigsburger Firma derzeit beruflich stark gefordert, geht heuer der starken Konkurrenz auf der olympischen Distanz lieber aus dem Weg. Zum Beispiel dem Herrenberger Spitzenmann Julian Mutterer, einem der Favoriten auf der Mitteldistanz, für den Tübingen fast ein Heimspiel ist. Stark einzuschätzen ist auch Felix Weiß, wie Tim Lange fürs Team Ejot Buschhütten startend. Obwohl eigentlich auf den längeren Distanzen zuhause, ist auch für Profi-Triathletin Svenja Bazlen das Heimspiel eine Herausforderung (siehe Interview). Er habe nicht lange überlegen müssen, ob er bei der Premiere vor der Haustür mitmachen soll, sagt Tim Lange, vor drei Monaten nach Stuttgart umgezogen. „Es war mir klar: Das ist eine Riesennummer, das kann ein ganz geiles Event werden. Da ist der komplette Freundeskreis dabei. Ich freue mich mega drauf.“ Und um die Neckar-Wasserqualität macht er sich nach den Regenfällen der vergangenen Tage auch keine Gedanken. „Vielleicht muffelt es ein bisschen, vielleicht hat’s ein paar kleine Tierchen. Aber ansonsten ist das kein Problem.“

Tübinger Dreikampf-Premiere am Sonntag
Komfortabler Ausstieg aus den braunen Neckarfluten: Damit sich kein Schwimmer am nackten Fuß verletzt, sind die Stufen mit einem Teppichbelag ummantelt. Dafür und für vieles andere sorgen die beiden Cheforganisatoren der Tübinger City-Triathlons, Matthias Gäckle (links) und Ulrich Fabricius. Bild: Metz

Eigentlich beginnt der Tübinger City-Triathlon schon am Samstagabend. Da treffen sich um 19.30 Uhr in der Mensa der Keplerschule Organisatoren, Helfer und Triathleten zur Maultaschenparty. Besondere Attraktion, so war zu hören, ist eine Pole-Dance-Vorführung. Die Wettkämpfe beginnen dann schon früh am Sonntagmorgen. Die Anfänger starten schon um 9 Uhr zum Schnuppertriathlon (350 Meter Schwimmen, 10 Kilometer Radfahren, 2,5 Kilometer Laufen). Um 10 Uhr ermitteln die Hochschulen und die 2. Bundesliga ihre Besten auf der Sprintdistanz (750 m/20 km/
5 km). Um 11 Uhr geht’s auf die lange olympische Distanz (1,5 km/40 km/10 km). Den Wettkampftag beschließen die internationalen Top-Triathleten der 1. Bundesliga auf der Sprintdistanz. Die Frauen gehen um 13.30 Uhr ins Wasser, die Männer um 14.45 Uhr. Um 17 Uhr, versprechen die Veranstalter, sollen alle Straßen wieder frei sein.

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30.07.2015, 12:00 Uhr

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