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Das Hobby mit dem Haken

Tübinger Kreisfischer pflegen die Natur – und ihre Tradition

Entspannung statt Events: Rund 450 Tübinger halten regelmäßig ihre Ruten in hiesige Gewässer. Die Tübinger Kreisfischer sind einer der ältesten Angelvereine in ganz Deutschland.

24.08.2010
  • EIKE FREESE

Tübingen. Angeln, das heißt: Im frühen Morgengrauen schweigend auf die kleinsten Fische warten. Schwierige Prüfungen ablegen. In kostspielige Ausrüstung investieren und regelmäßig Arbeitsstunden ableisten. Soweit die unangenehmen Vorurteile.

Wilhelm Weidle sieht die Sache anders. Er ist einer der zwei Naturschutzbeauftragten des Tübinger Kreisfischereivereins und schon seit Jahren dabei. Für ihn ist Angeln Leidenschaft. Weidle sagt: „Angeln hat viel mit Erfahrung zu tun. Man wird für seine Zeit am Gewässer belohnt. Mit besseren Fängen, mit der Ruhe in der Natur und, und, und …“ Auf eine fundierte Ausbildung und die entsprechenden Prüfungen besteht auch Weidle: „Wir haben es hier mit Natur zu tun und da müssen wir Verantwortung übernehmen. Ein Angler muss Fische artgerecht töten können – und er muss wissen, welcher Fang wieder zurück ins Gewässer muss.“

Deshalb zählt für die Tübinger Kreisfischer nicht nur der Erfolg an der Rute. Sie pflegen auch die hiesigen Gewässer, bilden neue Angler aus und kümmern sich um Jugendliche und Senioren – und das seit 1886. Damit sind sie nicht nur einer der ältesten Vereine Tübingens, sondern auch einer der ältesten Angelvereine in Deutschland.

Selbst im Internet-Zeitalter bleibt das Angeln in der Region populär. Rund 900 Menschen sind bei den Tübinger Kreisfischern eingetragen – etwa 450 davon angeln aktiv. „Die Mitgliederzahl ist über die Jahre immer sehr stabil geblieben“, sagt Andreas Maier, dritter Vorsitzender des Vereins. Angeln – ein Sport für ältere Männer? „Keineswegs“, sagt Kassier Heinz Dürr. „Etwa die Hälfte sind unter fünfzig Jahren, und wir haben eine starke Jugendgruppe.“ Zwar seien die Frauen deutlich in der Minderzahl. Aber es gebe auch Familien, in denen nur die Frau angelt. Ganz folgerichtig küren die Tübinger immer im Spätsommer nicht nur ihren Anglerkönig, sondern auch ihre Anglerkönigin.

Der Einstieg ins Angeln ist aber tatsächlich nicht einfach. Darauf sind die Fischer auch ein wenig stolz: Angler, finden sie, sind nicht bloß die, die möglichst dicke Forellen aus den Flüssen ziehen. Sie sind geprüfte Fachleute. „In den Vorbereitungskursen geht es um Fischkunde, Ökologie und Fischhege, um Geräte, Fangtechnik und Gesetze“, sagt Andreas Maier. „Das lernt man nicht alles von heute auf morgen.“

Gerade in Baden-Württemberg gilt die Sportfischerprüfung als recht umfangreich. Sie ist die Voraussetzung für den Fischereischein. Und erst wenn man den hat, kann man einen Fischerei-Erlaubnis-Schein erhalten. „Das ist insgesamt nicht billig“, sagt Maier. „Aber die fachgerechte Ausbildung muss im Vordergrund stehen.“ Und Wilhelm Weidle ergänzt: „Und das alles ist nur die Theorie. Danach muss man raus, in die Natur. Angeln lernt man nicht am Computer.“

Nach diesen auch finanziellen Hürden geht es immerhin recht bezahlbar weiter: „Für Anfänger reicht eine Ausrüstung im Wert von rund 200 Euro, um Spaß zu haben“, sagt Andreas Maier. Die Tübinger Petrijünger dürfen damit nicht nur am Neckar angeln, sondern auch an kleineren Flüssen wie der Ammer, der Steinlach oder dem Goldersbach. Ebenso an den Baggerseen der Region oder gleich an der Donau bei Binzwangen. „Hier im Stadtgebiet ist das Angeln dagegen nicht jedermanns Sache“, sagt Wilhelm Weidle. „Wenn man Pech hat, wird man pausenlos von Spaziergängern angehauen: Und?! Beißens‘ heut‘?!“

Info: Der Kreisfischereiverein ist im Internet auf www.kfv-tuebingen.de zu erreichen. Im September beginnen wieder Vorbereitungs-Lehrgänge auf die Staatliche Fischerprüfung.

Tübinger Kreisfischer pflegen die Natur – und ihre Tradition
Jugend an der Angel: Wilhelm Weidle vom Kreisfischereiverein zeigt dem Tübinger Sportfischer-Nachwuchs die richtige Technik. Bild: Sommer

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24.08.2010, 12:00 Uhr

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