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Maße und Gewichte der Zuwendung

Tübinger Künstlerin Hanna Smitmans im Sommeratelier in Hechingen

Unter dem Titel „Was uns nährt“ erinnert sich die Tübinger Dokumentationskünstlerin Hanna Smitmans an die schwierige erste Lebensphase mit ihren Zwillingen, die in der Tübinger Neonatologie versorgt wurden.

28.07.2012
  • Susanne Mutschler

Hechingen. Das Foto auf dem Kaminsims zeigt Hanna Smitmans, wie sie zärtlich auf ein imaginiertes Baby in ihren leeren Armen blickt. Ihre inzwischen acht Monate alten Zwillinge kamen drei Monate zu früh zur Welt. Die beiden Mädchen wogen jeweils nur 980 Gramm und lagen zehn Wochen in der Tübinger Kinderklinik.

„Persönliche Erfahrung kann auch Kunst werden“, findet Smitmans. Bislang hatte sich die 1971 geborene Künstlerin, die in Nürtingen, Amsterdam und New York studierte, vor allem mit Fotografie, dokumentarischer Videokunst und Installationen beschäftigt. So machte sie etwa eine Performance mit Egeria-Arbeiterinnen in den leeren Räumen der ehemaligen Textilweberei in Tübingen und verschiedene Workshops mit Hauptschülern.

In der Woche im Hechinger Sommeratelier geht es ihr – neben der persönlichen Verarbeitung der Trennungszeit von den frühgeborenen Zwillingen – auch darum, einprägsame Bilder für die fremde „Parallelwelt“ des Krankenhauses zu finden, in der alle Abläufe streng reglementiert waren und der Mangel an Intimität zur einschneidenden Erfahrung wurde.

„Meine Kinder wurden von vielen unbekannten Augen angeschaut und von vielen fremden Händen berührt“, sagt sie. Auf einer Kinderbettchen-weißen Bank liegt ein von einer Kamera bewachter Teddybär. Filmaufnahmen von vielen anonymen streichelnden Händen, die Smitmans während der Woche von den verschiedenen Atelierbesuchern machte, breiten sich als Beamer-Projektion über dem kleinen Tierkörper aus.

„In der Klinik ist alles öffentlich, auch die Brüste“, erklärt Smitmans. Mit Hilfe einer Milchpumpe Muttermilch zu produzieren und abzupumpen, sei für sie die einzige Möglichkeit gewesen, wie sie ihren Kindern aus der Distanz Zuwendung schenken konnte. „Die Liebe steckte in der Milch.“

Sie selbst habe sich dabei mehr und mehr wie ein Bestandteil des technischen Apparates gefühlt. Die Pumpe, die Hanna Smitmans über ein halbes Jahr lang benutzte, steht im „Häusle“ auf dem mitgebrachten Nachtkästchen. Am Sonntag bei der Präsentation wird die Künstlerin außerdem auf großer Leinwand eine Dokumentation zum Thema Milchpumpe, Stillen und Saugen zeigen, einschließlich der dabei entstehenden Geräuschkulisse.

Fries von Notizzetteln – Gewicht erreicht

Entscheidend – auch für den Aufbau ihrer emotionalen Beziehung – empfand Smitmans die Menge der Muttermilch, die den Kindern erst tropfenweise über eine Sonde, später über den Sauger verabreicht wurde. Ringsum an den Wänden des Weißen Häusles prangt auf Augenhöhe ein Fries von eng neben- und untereinander geklebten gelben und rosa Notizzetteln, auf denen sie Tag für Tag exakt festhielt, wie viel ihre Kinder vor und nach den Mahlzeiten auf das Gramm genau wogen, wie oft sie gefüttert wurden und wie die Portionen ganz allmählich größer wurden. Am Anfang waren es zwölf Mal am Tag jeweils nur vier Gramm, so kann der Besucher auf den ersten Zettelchen nachlesen. Bei der letzten Notiz haben die Kinder ihr Geburtsgewicht erreicht und dürfen nach Hause.

Heute wiegen die Zwillinge jeweils acht Kilogramm. Auch für diesen Wechsel von ständiger Sorge zu stabilem Wohlbefinden fand Hanna Smitmans ein künstlerisches Bild. Eine Videoprojektion zeigt, was ihre Kinder von der Welt wahrnehmen, wenn sie auf Spaziergängen aus ihrem Wagen schauen. Der entzückte Blick der Kleinen geht nach oben in einen Himmel aus wogendem Laub.

Info Die Präsentation beginnt am Sonntag, 29. Juli, um 11 Uhr und wird von dem Experimental-Gitarristen Thomas Maos begleitet. Das „Weiße Häusle“ liegt am Rande des Fürstengartens, unweit der Villa Eugenia.

Tübinger Künstlerin Hanna Smitmans im Sommeratelier in Hechingen
Ausschnitt aus Smitmans Kunstprojekt „Was uns nährt“.Privatbild

Tübinger Künstlerin Hanna Smitmans im Sommeratelier in Hechingen
„Persönliche Erfahrung kann auch Kunst werden“: Hanna Smitmans.Archivbild

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28.07.2012, 12:00 Uhr

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