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Zu Höchstleistungen angefeuert

Tübinger Mehrkämpfer holen Meistertitel und Medaillen

Vor den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften hatte kein Mehrkämpfer der LAV Asics Tübingen jemals eine Goldmedaille gewonnen. Am Wochenende sicherten sich die Tübinger dann gleich drei Deutsche Meistertitel. Mit insgesamt fünf Medaillen waren die LAV-Allrounder so erfolgreich wie noch nie.

31.08.2010
  • Johannes knuth

Potsdam. Ein merkwürdiger Virus hatte sich während der Heimfahrt im Tübinger Mannschaftsbus ausgebreitet. Die Symptome: Müde Beine, fortwährende Glücksgefühle und strapazierte Stimmbänder. „Ich habe nur gebrüllt“, fasste Zehnkämpfer und Medizin-Student Johannes Waidelich sein Wochenende zusammen.

Ersten ärztlichen Erkenntnissen zufolge gedeiht das Virus vor allem dort gut, wo sich Sportler gegenseitig anfeuern und am Ende erfolgreich abschneiden. Dem rund 30-köpfigen Tübinger Mehrkampf-Tross war am Wochenende beides widerfahren. Die A-Jugendlichen feuerten die Zehnkämpfer an, die Zehnkämpfer brüllten für die B-Jugendlichen, Trainer und Anhang brüllten für alle. Das war es irgendwie nur logisch, dass die LAV-Mehrkämpfer ihre drei deutschen Meistertitel allesamt mit der Mannschaft erkämpften.

Zu Wettkampfbeginn am Donnerstag hatte es noch genieselt. Die Zehnkämpfer warteten eine Stunde in der Kälte, ehe der Startschuss zum 100-Meter-Sprint fiel. Was Johannes Waidelich, Philipp Schellhorn und Sven Bösing anschließend auf der Ergebnisliste lasen, erwärmte die Gemüter nur wenig, überhaupt blieben die Tübinger am ersten Wettkampftag leicht hinter den Erwartungen zurück.

Spätestens nach dem 110-Meter-Hürdenlauf merkten sie, dass ihr Gold-Projekt wackelte, die junge Mannschaft der LAZ Gießen hangelte sich von Bestmarke zu Bestmarke. Die LAV-Zehnkämpfer wussten aber auch um ihre Stärke am zweiten Tag, um den Diskuswurf von Philipp Schellhorn (47,05 Meter) oder den Stabhochsprung von Sven Bösing (4,50 Meter). Über die 1500 Meter liefen die Tübinger der Konkurrenz endgültig davon. Während Michael Schrader (Leverkusen) mit 8003 Punkten nach langer Verletzungspause den Einzeltitel gewann, ging das Mannschaftsgold mit 20171 Punkten an Waidelich (6871, Sechster der Einzelwertung), Schellhorn, (7., 6711), Bösing (8., 6589) und Ersatzmann Matthias Kugele (20., 5039). „Die Gießener haben uns so einen Kampf geliefert, da ist der Sieg umso schöner“, sagte Waidelich mit kratziger Stimme.

Nachwuchs der LAV: erfolgreiche Goldgräber

Der Zehnkampf-Titel im Potsdamer Dauernieselregen brachte das LAV-Team endgültig in Fahrt. Vergessen die Sorgen über gedehnte Bänder, schmerzende Ellenbogen oder schlappe Immunsysteme. Corinna Coenning (weibliche Jugend A) kämpfte sich auch mit angezogener Handbremse durch den Wettkampf. Im Abschlusstraining hatte ein Muskel den Dienst verweigert, aber das A-Jugend-Team brauchte ihre starken 2:18,19 Minuten im anschließenden 800-Meter-Lauf.

Coenning hatte den Wettkampf eigentlich schon eine Woche vor Meisterschaftsbeginn eröffnet, als sie Weitspringerin Alisa Schuster am Telefon überredet hatte, am Tübinger Titelprojekt mitzuwirken. Schuster sagte zu, machte die Goldhoffnungen beinahe zunichte, als sie im Weitsprung erst im dritten und letzten Versuch einen gültigen Sprung zeigte, erfüllte schließlich als Zwölfte (4612 Punkte) doch die Erwartungen. Coennig wurde 15. (4396), Eva Baur sicherte sich mit sehr guten 5174 Zählern sogar Bronze in der Einzelwertung. In der Mannschaftswertung lagen Baur, Schuster und Coenning mit 14 182 Punkten deutlich vorne, die Ergebnisliste verschwieg jedoch, dass die zweitplatzierte LG Rhein-Wied lange geführt und nur aufgrund einer verletzten Siebenkämpferin das Gold-Duell hatte aufgeben müssen.

Die Mannschaft der weiblichen Jugend B verzichtete auf eine Medaille in der Einzelwertung, schickte stattdessen eine ausgeglichen besetzte Mannschaft ins Rennen. So gewannen Ramona Pitan (10., 4585), Isabel Mayer (14., 4426) und Edda Kuhlemann (18., 4389) recht ungefährdet die dritte Goldmedaille (13 400 Punkte).

Knapper und viel überraschender kam die fünfte LAV-Medaille des Wochenendes zustande. Nils Merten, Leon Brendel und Niklas Gröber hatten für die A-Jugend-Teamwertung eigentlich mit Rang fünf geplant. Weil Merten trotz anhaltender Rückenschmerzen auf die Zähne biss (9., 6636), Brendel gleich sechs neue Bestleistungen und eine persönliche Zehnkampf-Bestmarke aufstellte (10., 6588) sowie Gröber sich als 28. auf 5915 Punkte steigerte, gewann der Zehnkampf-Nachwuchs mit 19 139 Zählern Silber, winzige vier Punkte vor dem Dritten Leverkusen. Bei den Juniorinnen beendete Johanna Merkle ihr DM-Debüt mit 4052 Punkten auf Rang 20.

Am Ende waren die Mehrkämpfer dann wirklich alle infiziert mit diesem neuen Virus, der ihnen bei der LAV die beste nationale Mehrkampfmeisterschaft der Vereinsgeschichte beschert hat. Wobei der Infekt langfristig von den LAV-Trainern gezüchtet und den meisten Athleten in jahrelanger Kleinstarbeit eingepflanzt wurde: Im Männerbereich von Dieter Göhring, dem Reutlinger Gunter Röhm sowie Andrea Schneider-Wolf (bevor Cheftrainer Dorinel Andreescu kam), im Nachwuchsbereich von Sebastian Marcard, Veit Rauscher und Manuel Heinrich, der nun in Gomaringen arbeitet.

Manche Dinge können aber auch die Übungsleiter nicht einstudieren, diese Dinge lernen die Athleten von alleine: Als die B-Jugendlichen am Sonntag ihre Goldmedaillen umgehängt bekamen, ging Verena Tobis leer aus. Tobis hatte den Siebenkampf mit 4278 Punkten als 22. und viertbeste Tübingerin abgeschlossen, wie auch Maren Kibele bei der A-Jugend (22., 4151). Für die Mannschaft kommen aber nur die besten drei Mehrkämpfer in die Wertung. Nach der Siegerehrung gingen Tobis’ Mannschaftskollegen im Wettkampfbüro vorbei. Ob denn nicht noch eine Goldmedaille für ihre Ersatzfrau übrig wäre? Sie war es.

Team der LG Schönbuch ließ Punkte beim Stabhochsprung

Die Mehrkämpfer der LG Schönbuch hatten bei der DM in Potsdam gleich doppeltes Pech: Bis zum Stabhochsprung hatten Philipp Bonnaire, Vincent Schneider und Johannes Hirneth nach passablen , zeitweise guten Leistungen alle Chancen auf eine gute Platzierung – dann kam der Stabhochsprung. Nach einer Pause, die die LG-Athleten offensichtlich aus dem Rhythmus gebracht hatte, scheiterten Bonnaire und Schneider an der Einstiegshöhe von 3,50 Meter. Immerhin verbesserte Hirneth seine Bestleistung auf 3,90 Meter. Der erträumte fünfte Platz war allerdings weg, das LG-Team war um 1000 Punkte zurück geworfen. Trotzdem reichte es am Ende noch zu Platz acht.

Tübinger Mehrkämpfer holen Meistertitel und Medaillen
Die LAV-Mehrkämpfer, ob jung oder älter, setzen in Potsdam zum Höhenflug an. Allen voran Sven Bösing, der beste Stabhochspringer im LAV-Tross. Archivbild: LAV

Tübinger Mehrkämpfer holen Meistertitel und Medaillen
Ausgeglichenheit war in Potsdam ihr Trumpf: Die B-Jugendlichen der LAV Asics Tübingen holten bei der deutschen Mehrkampf-Meisterschaft Gold in der Teamwertung (von links Isabel Mayer, Edda Kuhlemann, Ramona Pitan). Bild: Hensel

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31.08.2010, 12:00 Uhr

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