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Mehr Personal und Material

Tübinger Rat will die Feuerwehr für die Zukunft rüsten

Die Tübinger Feuerwehr bekommt mehr Personal, mehr Fahrzeuge und neue Magazine – nach den Vorgaben des Bedarfsplans, den der Gemeinderat jetzt einstimmig akzeptiert hat.

04.10.2012
  • Sepp Wais

Tübingen. Für die Aufrüstung der Tübinger Feuerwehr musste und muss der Gemeinderat weiterhin tief in die Stadtkasse greifen. „Das wird ein echter finanzieller Kraftakt,“ meinte Boris Palmer mit Blick auf die Millionen, die für den Ausbau des Brandschutzes in der Unistadt benötigt werden. Trotzdem erntete der Oberbürgermeister bei den Ratsfraktionen durchweg Zustimmung, als er am Montagabend den Bedarfsplan im Sitzungssaal des Landratsamts, dem Ausweichquartier des Rats während der Rathaus-Sanierung, zur Diskussion stellte.

Nach Auffassung der Gutachter-Firma Rinke, die den Bedarfsplan in enger Abstimmung mit der Feuerwehr, der Stadtverwaltung und den Aufsichtsbehörden erstellt hat, muss die Stadt auf vier Positionen nachbessern, um einen zuverlässigen Brandschutz zu gewährleisten:

Hauptamtliches Personal: Laut Bedarfsplan braucht die Tübinger Wehr „für eine sachgerechte personelle Ausstattung der hauptamtlichen Abteilung“ insgesamt 26 Vollzeitstellen. Nachdem die Truppe bereits in den Haushaltsjahren 2011 und 2012 um fünf Mitarbeiter verstärkt wurde, fehlen jetzt noch sechs Hauptamtliche, um die Sollstärke gemäß der „gesetzlichen Mindestanforderungen an eine schlagkräftige Feuerwehr“ zu erreichen.

Diese Posten, die jährlich mit etwa 300 000 Euro zu Buche schlagen werden, sollen nun im Etat 2013 ausgewiesen werden. Möglicherweise, so kündigte der zuständige Fachbereichsleiter Richard Heß an, kann die Wehr auf eine dieser Stellen verzichten, wenn sich genug Freiwillige für den Wochenenddienst melden.

Feuerwehrhäuser: Um Platz für den wachsenden Bedarf der Hauptamtlichen zu schaffen, muss die Stadt ihre Feuerwehr-Zentrale an der Kelternstraße umbauen. Die zwei Wohnungen dort werden für die Einrichtung zusätzlicher Büro- und Sozialräume geopfert. Die auf 500 000 Euro taxierten Bauarbeiten sollen noch heuer begonnen und nächstes Jahr abgeschlossen werden.

Danach ist die Abteilung Lustnau dran, die bis 2015 für zwei Millionen Euro ein neues Magazin bekommen soll. Aller Voraussicht nach wird der Neubau zwischen dem Autohaus Lindenschmid und dem Goldersbach angesiedelt. Ein Jahr später darf sich dann auch noch die Pfrondorfer Abteilung über ein neues Domizil freuen, das für knapp 500 000 Euro im Erweiterungsgebiet Hofstrütle errichtet werden soll. Die Entscheidung, was aus der Bebenhäuser Abteilung werden soll, stellte der Gemeinderat zurück – bis man absehen kann, ob sich in dem Klosterdorf genügend Aktive finden, um den Übungs- und Einsatzdienst dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Fahrzeuge: Laut Bedarfsplan stehen der Feuerwehr – über die üblichen Ersatzbeschaffungen nach dem Konzept von 2007 hinaus – drei zusätzliche Fahrzeuge zu: ein Kommandowagen, der bereits 2011 angeschafft wurde, ein weiteres Löschfahrzeug für die Hauptamtlichen, das bereits bestellt und bis Ende 2013 geliefert werden soll, und ein Rettungsboot für die Tauchergruppe.

Mit dieser personellen, räumlichen und technischen Ausstattung, so lobte AL-Stadtrat und Feuerwehrmann Bernd Gugel die beschlossene Umsetzung des Bedarfsplans, wird die Tübinger Wehr „besser als je zuvor aufgestellt“ sein. Deren eigentliches Rückgrat sollen aber weiterhin die Freiwilligen bleiben. Um sie bei der Stange zu halten, legte die Verwaltung einen 14-Punkte-Katalog zur „Stärkung des Ehrenamts“ vor. Die darin aufgelisteten Vorschläge reichen von öffentlichen Werbeaktionen bis zur Hilfe bei der Wohnungssuche. Vorneweg aber soll die Entschädigung für den ehrenamtlichen Einsatzdienst von derzeit 10 auf 14 bis 15 Euro pro Stunde erhöht werden. Die dafür nötige Satzungsänderung muss der Gemeinderat allerdings erst noch beschließen.

Tübinger Rat will die Feuerwehr für die Zukunft rüsten
Das Lustnauer Feuerwehrhaus hat wohl bald ausgedient: Die Stadt plant einen zwei Millionen Euro teuren Neubau beim Goldersbach-Staudamm.Bild: Metz

Nach dem Unfall im Dezember 2005, bei dem zwei Feuerwehrleute im Löscheinsatz ums Leben kamen, machten sich die Verantwortlichen in Stadt, Landkreis und Land daran, einen Bedarfsplan für die Tübinger Wehr zu erarbeiten. Ziel dabei war es, langfristig für einen ausreichenden Brandschutz zu sorgen. Dabei ging es insbesondere darum, das hohe Gefahrenpotenzial der Uni-Kliniken angemessen zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang wurde über die Gründung einer Werksfeuerwehr mit 35 Hauptamtlichen nachgedacht. Das Landratsamt sah jedoch keine Möglichkeit, der Universität eine teure Profi-Truppe abzuverlangen. Schließlich einigte man sich nach intensivem Abstimmungsprozess darauf, am Klinikum eine Betriebslöschgruppe mit 25 Freiwilligen einzurichten und die städtische Wehr mit weiteren Hauptamtlichen zu verstärken. Die Maxime lautet: „So viel Ehrenamt wie möglich und so viele hauptamtliche Kräfte wie nötig.“

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04.10.2012, 12:00 Uhr

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