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Ein Schatten fällt auf die Module

Tübinger Solarunternehmen warnt vor Kürzung bei Sonnenstrom

Eine zu schnelle, zu drastische Kürzung bei der Einspeisevergütung für Solarstrom könnte die Branche in die Krise stürzen. Auch Tübinger Arbeitsplätze wären betroffen.

06.02.2010
  • Mario Beisswenger

Tübingen. Günter Haug kommt sich gerade vor wie im falschen Film. Die Vergütung für Solarstrom soll zum ersten April schon wieder drastisch sinken (siehe Info-Box). „Gelinde gesagt, bin ich davon schockiert.“ Haug ist Geschäftsführer der Tübinger MHH Solartechnik, einem Unternehmen, das vergangenes Jahr 155 Millionen Euro Umsatz machte. Haug fürchtet dabei nicht nur um sein Geschäft. Er fürchtet um die ganze Solarbranche, die nach seinen Angaben in Deutschland rund 60 000 Menschen beschäftigt.

MHH liefert Anlagen zur solaren Stromerzeugung vor allem auf Dächern. Sie fertigt dafür eigene Montage-Systeme und handelt mit den Komponenten. MHH beschäftigt 70 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon in Tübingen. Wenn die Pläne der Bundesregierung umgesetzt werden, weiß Haug nicht, wie die Lage nach dem ersten April aussieht. Gerade kriechen die Installateure, die direkten Kunden der MHH, „unter den widrigsten Bedingungen auf den Dächern herum“. Die Endkunden wollen die Anlage bis Ende März betriebsbereit haben, um sich die bisherige Einspeisevergütung zu sichern. Dann würde für mehrere Monate das große Loch kommen, weil so schnell wohl niemand mehr bereit sei zu investieren.

Haug ist seit zehn Jahren MHH-Geschäftsführer und hat viele Auf und Abs erlebt. 2009 sei schon ein verrücktes Jahr gewesen. Wegen der Wirtschaftskrise sank die Nachfrage nach Fotovoltaik-Anlagen zunächst. Die Module wurden zum Teil um mehr als ein Viertel billiger. Das machte den Bau der Anlagen sehr attraktiv, da die Einspeisevergütung hoch blieb. Die Nachfrage zog im Herbst wieder an, „bis fast das Material knapp wurde“, so Haug. Doch die jetzige extrem kurzfristige Ansage der Politik entziehe der Branche alle Möglichkeit zur Planung.

Haug, der sich als Teil der Öffentlichkeits-Kampagne der Solarbranche sieht, fürchtet um den langfristigen Bestand der Solarproduktion in Deutschland. Es sei schon wahr, dass die hiesige Produktion gerade nicht mit den Angeboten aus Fernost preislich mithalten könne. Die Politik müsse aber der Branche die Chance geben, sich auf den Preiskampf einzustellen. Intern sei zu hören, dass ein weiteres Minus bei der Einspeisevergütung im einstelligen Prozentbereich gerade verkraftbar wäre. Zweistellig, wie geplant, aber nicht. Dann werde die über Jahre aufgebaute Industrie platt gemacht, was eine Verschwendung der zurückliegenden Investitionen wäre.

In Solarbranche arbeiten 60.000 Menschen

Ausgelöst wurde die Debatte um ein Zurückfahren der Solarstromforderung durch die Information der Stromerzeuger, dass erneuerbare Energien jede Kilowattstunde Strom für den Verbraucher um etwa zwei Cent verteuern. Die Verfechter der Erneuerbaren halten das Argument für halbwahr. Es werde nicht berücksichtigt, dass der Strompreis insgesamt durch das Angebot an Wind-, Wasser- und Solarstrom sinke.

Weniger wird es auf jeden Fall

Der Preis für Solarstrom wird im Erneuerbare Energien Gesetz geregelt. 2009 wurde es reformiert. Gab es letztes Jahr noch 43 Cent für die Kilowattstunde Strom vom kleineren Hausdach, sind es seit diesem Jahr schon zehn Prozent weniger. Die Bundesregierung will nun nochmal 15 Prozent streichen, Verbraucherschützer fordern gar 30 Prozent.

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06.02.2010, 12:00 Uhr

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