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Geladen und entsichert vom Zimmertheater

Tübinger Sommertheater ist eine klassische Räuberpistole

Gleich um die Ecke büffelte Wilhelm Hauff im Evangelischen Stift. Vor der Burse wird seine aufbereitete und abgewandelte Novelle „Das Wirtshaus im Spessart“ jetzt als Sommertheater auf die Bühnenbretter gebracht. Eine Stippvisite vor Ort.

11.07.2012
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Die Bretterbude, die das Zimmertheater auf dem Platz vor der Burse zusammengenagelt hat, könnte glatt als karibische Strandbar durchgehen. Wären da nicht die beiden deplazierten Tropfenlampen überm Tresen und vor allem der eindrucksvolle Plantanen stamm, den Bühnenbildnerin Julia Ströder praktischerweise gleich ins Bühnenbild integriert hat.

„Man kann schon ein bisschen erkennen“, meint Mit-Intendant Axel Krauße mit typischem Understatement. Kollege Christian Schäfer, der sich gerade (wie berichtet) nach Gütersloh weiterempfohlen hat, inszeniert diese dramaturgische Krauße-Eingebung, die der „Lumpenbruder“-Autor Christian Hansen in ein „szenisches Waldstück frei nach Wilhelm Hauff“ (so der Untertitel) verwandelt.

Ältere Leserinnen und Leser werden sich noch des Films „Das Wirtshaus im Spessart“ mit der patenten Lilo Pulver entsinnen. Schon der änderte einiges an der Hauffschen Vorlage ab, und Hansens Zimmertheater-Fassung fällt noch mal ganz anders aus. Es geht nun mehr darum, so Schäfer, „wie man überhaupt solch eine Geschichte erzählt.“ Am besten, indem man Geschichten erzählt.

„Das Wirtshaus im Spessart“ handelt von einer Belegschaft in einer gottverlassenen Wald-Spelunke, wo die Gesellschaft vor lauter Angst vor einer Räuberbande nicht wegzuschlummern wagt. Also hält man sich mit Sagen und Spukgeschichten wach – die berühmteste darunter: „Das kalte Herz“.

Wie das alles in die Sommertheater-Version einfließt, sei hier nicht verraten, Es gibt allerdings viel Musik, die beinahe Brechtsche Titel trägt wie „Ballade von der ganz normalen Angst auf Erden“, „Ballade von der Phantasielosigkeit der Leute“ oder „Das Lied von der ungerechten Welt“. Komponiert hat die Stücke der Tübinger Musiker Bernhard Mohl – bis auf eines, das vom stadtbekanntesten Akkordeonisten Peter Weiß stammt, der auch ansonsten kräftig mitmischt.

Es spielt das komplette Zimmertheater-Ensemble mit, außer Stammspieler Endre Holéczy, für den der bewährte Frank Siebenschuh in die Bresche springt. Zwei künstlerische Fachkräfte aus dem Umfeld des Tübinger Figurentheaters sind mit Christian Glötzner und Sabine Effmerth dabei.

190 Plätze hat das Sommertheater an der Burse. Um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen, muss das Zimmertheater eine Auslastung von zwei Dritteln erreichen. Den Bursaplatz, nu r einen Katzensprung vom Mutterhaus in der Bursagasse entfernt, hat das Zimmertheater schon länger für sich entdeckt: „Wir haben hier mit kleineren Projekten trainiert“, sagt Christian Schäfer, „und gute Erfahrungen gemacht.“

Das Tübinger Sommertheater existiert seit 1986. Nur zwei Mal ist es seither ausgefallen, und zwar 2002 und 2003. Am häufigsten, nämlich fünf Mal, wurden bislang Orte auf der Neckarinsel bespielt. Drei Mal war der Schlosshof Schauplatz. Mit dem Landes- und Zimmertheater sowie dem Regionaltheater Lindenhof wechseln sich drei große Bühnen der näheren Umgebung im Sommertheater-Turnus ab. Gefördert wird das Sommertheater aktuell mit 27 000 Euro von der Stadt, 11 000 Euro vom Land und rund 10 000 Euro von Sponsoren wie Rothaus-Bier, Kreissparkasse und Stadtwerke.

Tübinger Sommertheater ist eine klassische Räuberpistole
Lauschiges Plätzchen: Die Zimmertheater-Intendanten Christian Schäfer und Axel Krauße samt Bühnenbildnerin Julia Ströder auf der Bretterbühne des diesjährigen Tübinger Sommertheaters. Ob die Disco-Kugel vorn unter der Theke wohl auch zum Einsatz kommt?

„Das Wirtshaus im Spessart“ wird insgesamt 18 Mal auf dem Bursaplatz aufgeführt, wobei die Premiere am Mittwoch, 18. Juli und die Vorstellungen am darauffolgenden Wochenende in der Regel schon ausverkauft sind. Auch die beiden Voraufführungen am kommenden Freitag, 13. Juli und am Samstag, 14. Juli gelten als so gut wie ausgebucht.
Die Vorstellungsstaffeln sind: Mittwoch, 18. Juli bis Sonntag, 22. Juli; Mittwoch, 25. Juli bis Sonntag, 29. Juli, Mittwoch, 1. August bis Samstag 4. August und schließlich Mittwoch, 8. August bis Samstag, 11. August. Beginn jeweils 20.30 Uhr. Als Ausweichquartier bei Regen steht der „Löwen“ zur Verfügung. Bei problematischer Wetterlage ist die Verlegung über die Tel. Nr. Tü 92730 zu erfahren. Karten sind im Zimmertheater, via Internet oder über die bekannten Vorverkaufsstellen für 22 Euro (ermäßigt 12 Euro) zu haben. Es gibt sogar einen Gruppen-Rabatt: Ab fünf Personen kostet‘s pro Karte 20 (ermäßigt 10) Euro. Tickets für die beiden Voraufführungen sind für zehn Euro erhältlich.

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11.07.2012, 12:00 Uhr

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