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Füttern kostet 35 Euro Bußgeld

Tübinger Stadttauben kriegen weniger Essen

Auf die Tübinger Stadttauben kommen harte Zeiten zu: Ihnen wird ab sofort die Essensration reduziert. Und zwar drastisch. Die Stadtverwaltung hofft, damit die Population der unbeliebten Vögel einzudämmen.

14.07.2012
  • sabine lohr

Tübingen. Den Tübinger Tauben ging es in den vergangenen 17 Jahren ziemlich gut. In Taubenhäusern und Taubenschlägen lagen Körner für sie bereit, mit denen sie sich die Mägen vollstopften – und zwar ordentlich. 60 Gramm pro Tag und Taube verfütterte der Tierschutzverein. Das macht immerhin knapp 22 Kilogramm pro Taube im Jahr. Bei den vom Tierschutzverein gezählten 735 Tauben in der Stadt wären das über 16 Tonnen Futter. Ausgebracht wurden aber rund 21 Tonnen im Jahr. Das reicht für gut und gern 1000 Tauben.

Die Hälfte dieser Futtermenge landet als Taubenkot in den Nist- und Futterplätzen, an Fassaden, auf Balkonen, Dächern, Straßen, Köpfen, Hüten, Schirmen, Tischen. Nach Angaben des Tierschutzvereins wurden seit Beginn des Projektes 16 000 Kilogramm Nasskot entsorgt. Zur Bequemlichkeit der Tauben führte auch die Bereitstellung von Nistplätzen. Zwar haben die nicht alle Täubchen genutzt, immerhin aber doch so viele, dass seit 1995, als das Projekt startete, 19 000 Taubeneier gegen Gipseier ausgetauscht wurden. Was längst nicht alle Eier sind, die gelegt und ausgebrütet wurden. Ein Taubenweibchen kann bis zu acht Mal im Jahr jeweils zwei Junge aufziehen. Bei geschätzten 500 Weibchen macht das 8000 Jungvögel im Jahr.

Fachleute sind über die Fütterung bestürzt

Durch das Anlocken an Futterstellen und die Geburtenkontrolle per Eieraustausch ist die Population laut Stadtverwaltung in etwa gleich hoch geblieben, was sie in einer Verwaltungsvorlage als „Erfolg“ wertet.

Fachleute und engagierte Bürger indes bewerten diesen Fakt völlig anders. In einer Stellungnahme zeigen sie sich „bestürzt“ über die Menge des Taubenfutters und fordern die Verwaltung auf, ein anderes Konzept einzuführen. Das wiederum basiert auf der drastischen Reduzierung des Futterangebots. Was ein Fütterungsverbot einschließt. Beides will die Verwaltung umsetzen – allerdings steht sie nun ohne den Tierschutzverein da. Denn Petra Klingler, die das Projekt für den Verein betreute, will dabei nicht mitmachen. Sie befürchtet, dass durch weniger Futter lediglich hungrige und kranke Tiere hinterlassen würden, die überall in der Altstadt ihr Futter suchen würden.

Inzwischen hat die Verwaltung mit der Bruderhaus Diakonie eine Einrichtung gefunden, die willens ist, das neue Konzept zu betreuen: Weniger Futter auszulegen, die Eier auszutauschen und den Taubenkot an den (städtischen) Nistplätzen wegzuputzen erfordert eine volle Stelle. Die wird zwar zur Hälfte vom Jobcenter finanziert, trotzdem bleiben an der Stadt rund 15 000 Euro pro Jahr hängen. Die Mehrkosten von 9000 Euro in diesem Jahr sollen durch „Ordnungsmaßnahmen“ bezahlt werden. Dazu gehört dann auch das Bußgeld, das ertappte Taubenfütterer zu bezahlen haben: mindestens 35 Euro.

Mit der Bruderhaus Diakonie wird jetzt ein Vertrag unterzeichnet, der zunächst für zwei Jahre gilt. Allerdings unter Vorbehalt: Der Verwaltungsausschuss, der das Thema am Donnerstag auf seiner Tagesordnung hatte, kam nicht mehr zum Diskutieren – ihm war die Zeit davongelaufen.

Tübinger Stadttauben kriegen weniger Essen
Sie haben sich überall eingenistet, die Tübinger Stadttauben: Am Taubenturm auf der Neckarinsel...

Weil die Bauruine beim Foyer an der Blauen Brücke abgerissen wird, mussten die Tauben, die dort regelmäßig gefüttert wurden, ausziehen – was durch das Einstellen der Fütterung gelang. Als Ersatzquartier hat sich die Verwaltung wie berichtet das Dachgeschoss eines Hauses in der Eisenbahnstraße ausgeguckt, in dem die DLRG, die Anonymen Alkoholiker und der alevitische Kulturverein untergebracht sind. Dort sind inzwischen Sitzplätze für die Vögel montiert, doch bisher hat sich noch keine Taube dorthin verirrt. Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark will in den nächsten Tagen Jungtauben dorthin umsiedeln und ihnen den Ort schmackhaft machen.

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14.07.2012, 12:00 Uhr

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