Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Der Herr der Floppy-Disc

Tübinger Studenten drehen eine „Herr-der-Ringe“-Parodie

280 Millionen Dollar hat die Produktion der Herr-der-Ringe-Trilogie gekostet. 1000 Euro betrug das Budget des jetzt startenden Films „Der Herr der Floppy-Disc“. Ein Indie-Projekt dreier Tübinger Studenten.

04.04.2016
  • WOLFGANG ALBERS

Tübingen. „Schon ziemlich“, sagen Lars Spendel und Gregor Rothwange und zieren sich, eine Stundenzahl zu nennen, wenn man sie fragt, wie lange sie täglich zocken. Aber bleiche Keller-Nerds seien sie keine: „Ich les Bücher, geh tanzen und guck Filme“, sagt Gregor Rothwange. Zum Beispiel den „Herrn der Ringe“. „Der und Computerspiele sind zwei Säulen in unserem Leben“, sagen die beiden grinsend.

Diese beiden Leidenschaften haben sie jetzt verbunden: Am Ostersonntag stellten sie einen selbst produzierten Spielfilm ins Netz: „Der Herr der Floppy-Disc“, eine Parodie auf das Tolkien-Epos und eine Hommage an Computerspiele gleichzeitig.

Die Orks tragen Anzüge

Gregor Rothwange studiert Archäologie und Klassische Ägyptologie, Lars Spendel Philosophie und Geschichte. Soweit alles ganz bodenständig also. Aber da gibt es bei Lars Spendel noch die Leidenschaft fürs Filmen, seit er mit 14 Jahren erstmals eine Kamera in die Hand genommen hat. Er hat auch schon bei Filmproduktionen gearbeitet und schließlich kleine Filme über Videospiele ins Netz gestellt.In Tübingen hat er Gregor Rothwange kennengelernt, der Spaß am Schauspielen hat, und als auch noch Philipp Lange zu den beiden stieß und sein Talent als Drehbuch-Autor einbrachte, konnte Lars Spendel daran gehen, etwas Größeres zu machen: einen Spielfilm. Dass es gleich ein satter Neunzigminüter werden würde, hatte er vorher auch nicht gedacht, aber nach neun Monaten Arbeit mit knapp 30 Drehtagen und wochenlangen Schnitt-Sessions steht das Werk, an dem sieben Hauptdarsteller und 30 Statisten mitgewirkt haben.

Wie bei Tolkien ziehen die Gefährten („aber ohne den weinerlichen Frodo“) gegen das Böse. Die Orks sind zu Anzugträgern mutiert: Agenten eines weltbeherrschenden Konzerns („Der jedes Jahr ein noch teureres Gerät rausbringt“), die alle Computerspiele mit Hilfe dieser Floppy-Disc und einem Supervirus darauf vernichten wollen.

Als semiprofessionell charakterisieren die beiden ihr Werk. Einen Anspruch haben sie, und auch die Hoffnung auf weitere Filmprojekte: „Der Herr der Floppy-Disc“ ist ihre Visitenkarte. Um sie beim Publikum abzuliefern, braucht es nicht wie früher Filmverleihe oder andere sperrige Institutionen. Der Film wird auf Youtube hochgeladen - und steht so weltweit zur Verfügung.

Das ist das Einfache und Schöne am Internet, dass es ein jedem offener Marktplatz ist. Allerdings auch ein ziemlich voller, auf dem man erst mal wahrgenommen werden muss. Lars Spendel und Gregor Rothwange bleiben deshalb die Mühen der PR nicht erspart. So sprechen sie persönlich auch bei klassischen Medien wie dem TAGBLATT vor. Einmal sind sie als Magier in eine Vorlesung gegangen und haben geworben. Und natürlich alles auch gefilmt und ins Netz gestellt: „Das hat richtig eingeschlagen.“ Der eigentliche Film übrigens auch – ganz analog: Im Brechtbau haben sie ihn vor gut 100 Leuten gezeigt. Und immer ins Publikum gehorcht: Kommen die Lacher oder Kommentare, wenn wieder eine Parodie auf ein Computerspiel oder das Film-Vorbild ablief? Ja: „Wir waren recht überrascht über die positive Resonanz“, sagt Gregor Rothwange. „Da war eine Mordsgaudi“, hat sich Lars Spendel gefreut.

So sollte es ja auch sein: „Der Film nimmt sich nicht zu ernst.“ Und füllt damit eine Lücke im deutschen Film, findet Gregor Rothwange: „Da gibt es entweder mäßig witzige Komödien oder ernste Dramen. Wir halten das aber nicht für wichtig, dass ein Film immer eine Riesen-Botschaft haben muss.“ Oder immer bestimmte Standards enthalten müsse: „Der Held hat immer eine Liebesgeschichte.“ Aber eben nicht bei ihnen: „Wir können das machen, weil uns kein Produzent zu etwas zwingt.“

Beim nächsten Film sollen die Fans helfen

Einen Preis hat diese Freiheit: kein Geld zu haben. 1000 Euro betrug das Gesamtbudget. Wenn es noch etwas werden soll mit der Filmkarriere, muss mehr Geld her. Für das nächste Budget – angepeilt sind mal 5000 Euro – soll die Netzgemeinde aufkommen, die um ein Crowdfunding gebeten wird. Vielleicht lässt sich auch ein Verkauf von DVDs ankurbeln. Und gibt es überhaupt Stoff für einen neue Film? Da haben sich die Tübinger Jungfilmer an der Original-Ringe-Trilogie orientiert: Auch ihr Film endet mit einem Ausblick, der weitere Abenteuer verheißt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.04.2016, 01:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige