Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Leuchtend wie ein Glühwürmchen

Tübinger Studenten nehmen an internationalem Forscherwettbewerb teil

Vielerorts leiden Fische unter der hohen Hormonbelastung der Gewässer. Studenten der Uni Tübingen entwickeln deswegen ein Messverfahren, das die Belastung sichtbar macht.

24.08.2012
  • Jannik Euteneuer

Tübingen. Mit großem Ehrgeiz arbeitet eine Gruppe von Nachwuchsforschern der Uni Tübingen auch in den Semesterferien im Labor. Insgesamt 14 Studenten verschiedener Institute haben sich zusammen getan, um ein Verfahren zu entwickeln, mit dem die Hormonbelastung in Gewässern gemessen werden kann. Die Studenten nehmen mit ihrem Projekt an „iGem“ teil, dem weltweit größten Wettbewerb für synthetische Biologie. Aufgabe der Teams ist es, aus einzelnen DNA-Bausteinen ein neues biologisches System zu konstruieren.

Schuld ist vor allem die Anti-Babypille

„Das Geschlecht ist bei Fischen nicht so eindeutig genetisch bestimmt wie beim Menschen“, erklärt Bioinformatikstudent Jan Rudolph, der das Forscherteam mitgegründet hat. Bei Fischen wird das Geschlecht hauptsächlich über Hormone festgelegt, Zebrafische zum Beispiel weisen keinerlei genetische Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen auf. Deshalb reagieren Fische besonders sensibel auf überhöhte Hormon-Konzentrationen in Flüssen und Seen.

„Weil die Kläranlagen die Hormone nicht ausreichend filtern, ist in vielen Gewässern die Belastung mit weiblichen Geschlechtshormonen sehr hoch“, sagt Rudolph. Grund dafür sei vor allem die Anti-Babypille. Infolgedessen bilden viele männliche Fische weibliche Geschlechtsorgane aus, was deren Fruchtbarkeit mindert. Eine Studie zeigte zuletzt, dass im Rhein bei Basel bereits 20 Prozent der männlichen Fische weibliche Geschlechtsmerkmale ausgebildet haben.

Die Hormonbelastung wollen die Tübinger Forscher mit einem Trick nachweisen. Die Studenten entwickeln dazu eine Hefe, die den Rezeptor enthält, an den die Geschlechtshormone der Fische andocken. Geschieht dies, fängt die Hefe aufgrund eines Kniffs an zu leuchten wie ein Glühwürmchen. „Die Belastung wird bei den Messungen dadurch ganz leicht sichtbar“, erklärt der Bioinformatiker.

Die Nachwuchsforscher rechnen sich gute Chancen aus, beim europäischen Vorentscheid Anfang Oktober in Amsterdam gegen die insgesamt 54 europäischen Mitbewerber zu bestehen, um den Sprung in die Endrunde zu schaffen, die im Oktober am Massachusetts Institute of Technology in Boston stattfindet. „Wir entwickeln ein Messsystem, das in der Form noch nicht existiert“, sagt Rudolph. Zudem sei das Verfahren in der Praxis problemlos anwendbar, umweltfreundlich und kostengünstig, denn „die Hefe wächst immer wieder nach“.

Doch auch wenn es mit dem Weiterkommen nicht klappt, war die Mühe des Forscherteams nicht vergebens. „Für uns ist der Wettbewerb eine super Chance, ein Projekt einmal von Anfang bis Ende zu begleiten“, erklärt Jan Rudolph.

Die Studenten wollen mit ihrem Projekt nicht nur im Wettbewerb möglichst erfolgreich sein, sondern auch noch ein anderes Ziel verfolgen. „Die überhöhte Hormonkonzentration in den Gewässern ist ein ernsthaftes Problem für die Fischpopulationen“, sagt Rudolph. Die Messungen sollen deswegen darauf aufmerksam machen, dass die überhöhten Werte schädlich für die Umwelt sind.

Fachliche Unterstützung bekommen die Studenten von vier Professoren der Universität, die sich auch an den Forschungskosten von etwa 25 000 Euro beteiligt. Außerdem unterstützt die Reinhold-und-Maria-Teufel-Stiftung die Nachwuchswissenschaftler finanziell. Das Geld können die Studenten gut gebrauchen, denn Preisgelder gibt es beim „iGem“-Wettbewerb nicht zu gewinnen.

Tübinger Studenten nehmen an internationalem Forscherwettbewerb teil
Bis zu sieben Stunden täglich forschen Jochen Bauer (links) und Jan Rudolph mit ihren Teamkollegen im Labor.Bild: Euteneuer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.08.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball