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Brot und Gemüse einsammeln

Tübinger Tafel sucht neue Mitstreiter und größere Räume

Im Tafel-Laden in der Tübinger Südstadt können Bedürftige für einen symbolischen Preis Lebensmittel kaufen. Damit der gemeinnützige Betrieb reibungslos weiterläuft, braucht die Tafel-Initiative wieder mindestens 130 Ehrenamtliche. Aktuell sind es nur 97.

18.08.2015
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Bis zu 120 Haushalte sind pro Verkaufstag auf die Tübinger Tafel angewiesen. Das sind bereits gut ein Fünftel mehr als im Vorjahr, als es noch 80 bis 100 Haushalte waren. Wer die Kreisbonuskarte vorzeigt, bekommt im Laden in der Katharinenstraße 29 zu einem symbolischen Preis Brot, Gemüse, Obst und Molkereiprodukte. Jeder Haushalt darf zwei Mal pro Woche einkaufen.

Derzeit sind 750 sogenannte Bedarfsgemeinschaften mit 1600 Personen in der Laden-Kartei regi-striert, sagt Reinhardt Seibert aus dem Vorstandsteam der Tübinger Tafel. Außer Hartz IV-Beziehern und Alleinerziehenden kämen neuerdings vor allem Ältere, die von Grundsicherung oder Mini-Renten leben müssen, und Flüchtlinge. Diese benötigten die Tafel meist nicht auf Dauer: „Die meisten bleiben wieder weg, wenn sie die Zeit, in der sie Schwierigkeiten hatten, überbrückt haben.“ Aktuell seien mehr als 6000 Tübinger auf soziale Hilfen angewiesen.

Die Lebensmittel werden von Tübinger Supermärkten oder Bäckereien gespendet. Auch Bio-Ware ist darunter. „Fleisch, Wurst und Fisch sind eher selten dabei“, sagt Seibert. „Eine Vollversorgung durch den Tafel-Laden ist nicht möglich.“ Das Team hätte auch gar nicht die Möglichkeit, Fleisch und Fisch sachgerecht zu lagern. „Wir haben zwar einen Kühlraum und ein paar Kühlschränke“, sagt er, und für vereinzelte Lieferungen von tiefgefrorener Ware stehe eine Kühltruhe bereit. Aber mit der begrenzten Kapazität sei keine verlässliche Kühlung möglich, wie sie für Fleisch oder Fisch notwendig wäre.

Seibert war evangelischer Pfarrer in Sindelfingen. Als Ruheständler zog er vor drei Jahren nach Tübingen und suchte sich gleich ein Ehrenamt. Wie seine drei Vorstandskollegen arbeitet er 20 Stunden pro Woche für die Tafel, auch als Fahrer und bei der Vorbereitung der Lebensmittel für den Verkauf. „Wir sortieren ein bisschen, und legen beispielsweise Tomaten zu Tomaten“, sagt Seibert. Unbrauchbares wie angeschimmelte Ware wird vorab von den Fahrern aussortiert, die die Lebensmittel abholen. Und: „Wir achten darauf, dass jeder Ehrenamtliche nicht mehr als sechs oder sieben Stunden pro Woche arbeiten muss.“ Die Einsatz-Zeit ist variabel: Ein paar Stunden am Tag, in der Woche oder im Monat – ganz wie es der eigene Terminplan zulässt.

Jetzt im Hochsommer ist der Tafel-Laden geschlossen, damit die freiwilligen Helfer/innen auch einmal Ferien machen können. Der Helferkreis ist sehr gemischt. Pfarrerkollegen von Seibert, Handwerker, Lehrer, Ärzte, Professoren und Buchhändlerinnen, sämtlich im Ruhestand, engagieren sich. Jüngere Ehrenamtliche sind häufig Studierende, auch ausländische wie Italiener und Türken, sagt der Theologe, der auch der Öffentlichkeitsarbeiter der Tafel ist.

Das Team ist interreligiös, auch Muslime machen mit. „Ich habe auch schon erlebt, dass jemand morgens an seiner Doktorarbeit schrieb und nachmittags bei der Tafel half“, berichtet Seibert. „Es war eine Romanistin“, meint er sich zu erinnern.

Ehrenamtliche, die neu einsteigen, müssen nicht unvorbereitet loslegen, sondern bekommen eine Einarbeitung durch erfahrene Kräfte. Besonders dringend braucht die Tafel zusätzliche Fahrer, die die Lebensmittel mit den ebenfalls gespendeten beiden Lieferwagen vormittags im Tübinger Stadtgebiet bei großen Supermärkten und Bäckereien einsammeln und zum Tafel-Laden transportieren. Ihr Selbstverständnis formuliert die Initiative so: „Wir sehen es als unsere Aufgabe, der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken. Wir sammeln zur Vernichtung bestimmte Lebensmittel ein und geben diese an nachweislich bedürftige Menschen direkt weiter.“

Info Die Tübinger Tafel braucht dringend neue Mitstreiter/innen. Interessenten melden sich am besten per E-Mail: info@tuebingertafel.de

Tübinger Tafel sucht neue Mitstreiter und größere Räume
Reinhardt Seibert war Pfarrer in Sindelfingen. Im Ruhestand engagiert er sich für die Tübinger Tafel. Bild:Sommer

Seit zehn Jahren ist der Tübinger Tafel-Laden in der Katharinenstraße 29 in der Südstadt zu finden. Ab Dienstag, 8. September, ist er wieder wie gewohnt geöffnet: dienstags, donnerstags und freitags von 15.30 bis 18 Uhr; mittwochs von 18 bis 20 Uhr. Kunden brauchen die Kreisbonuskarte. Wie bereits der Vorgänger-Laden in der Schwärzlocherstraße, der Ende der neunziger Jahre eingerichtet wurde, werden auch die Räumlichkeiten in der Südstadt allmählich zu eng, sagt Reinhardt Seibert vom Tafel-Vorstand: „Wir suchen neue, größere Räume.“ Er hofft auf eine Möglichkeit auf dem Gelände des Güterbahnhofs. Die Lagerräume für die Lebensmittelkisten reichten ebenfalls kaum noch aus. Weitere Infos gibt es unter www.tuebingertafel.de.

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18.08.2015, 12:00 Uhr

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