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Kleine Kätzchen suchen Zuhause

Tübinger Tierheim kann keine Stubentiger mehr aufnehmen

Rund 70 Katzen leben zur Zeit im Tübinger Tierheim. Das hat nun keine Kapazitäten mehr und sucht dringend Kümmerer.

20.09.2014
  • Stefan Krespach

Im Tübinger Tierheim ist es rappelvoll. „Es eskaliert“, sagt Tierpfleger Felix Wagner, 48. „In den letzten zwei Wochen der Sommerferien ging es richtig los mit den Katzen.“ Tierpflegerin Jennifer Michel kümmert sich liebevoll um die Kleinen. „Es sind gerade etwa 70 Katzen hier“, schätzt die 28-Jährige. „Davon kamen etwa 50 in den letzten zwei Monaten.“ Damit ist die Grenze der Kapazität erreicht.

Jede Katze, die im Tierheim landet, kommt zunächst in Quarantäne, um zu klären, ob sie krank ist. Dort herrscht allerdings akute Platznot, so dass die Neuankömmlinge erst in behelfsmäßigen Notboxen untergebracht werden müssen. „Das ist ein Ausnahmezustand. Das Hauptproblem besteht darin, dass es hier keine Kastrationspflicht gibt“, erklärt Karin Hudjetz, die sich mit 56 Jahren ehrenamtlich engagiert. In Österreich müssen Katzen bereits seit 2005 kastriert werden.

Jennifer Michel erläutert das Populationsproblem so: „Stellen Sie sich vor, es gibt vier Jungkatzen. Diese werden mit fünf bis sechs Monaten geschlechtsreif. Inzest ist da normal. Es wird dann bis zu vier mal im Jahr geworfen, jeweils fünf bis sechs Welpen. Dann beginnt der Kreislauf von vorn.“

Dabei wurde im Juli 2013 der Paragraph 13b dem Tierschutzgesetz hinzugefügt. Demnach dürfen die Länder selbst Kontrollen zur Katzenpopulation anordnen. Dieses Recht können die Länder auch an Kommunen übertragen, die dann selbst entscheiden, ob sie eine Kastrationspflicht für sinnvoll halten. In Deutschland führte Paderborn 2008 als erste Stadt eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen ein, um das Problem der Katzenpopulation in den Griff zu bekommen.

Doch in den baden-württembergischen Landkreisen gibt es keine Kastrationspflicht. Das Tübinger Tierheim versucht, Jungtiere ohne Mutter an Menschen zu gewöhnen und abzugeben. Etwa 30 Katzenkinder warten neben den ausgewachsenen Katzen auf ein neues Zuhause. Im sogenannten Arztraum finden sich Kätzchen, bei denen diese Gewöhnung an den Menschen gut funktioniert hat. Sie springen am Bein hoch, schnuppern neugierig an den Schuhen und kriechen in die Kameratasche des TAGBLATT-Fotografen. Falls die Gewöhnung nicht funktioniert, werden sie kastriert, geimpft, gekennzeichnet und wieder ausgewildert, sofern es eine Futterversorgung vor Ort gibt.

„Es hilft, wenn Leute bereit sind, eine Pflegestelle anzubieten. Dazu genügt ein leerer Raum. Für eine Katzenmutter mit Babys oder für eine tragende Katze ist es hier zu gefährlich und zu stressig.“ sagt Hudjetz. Den Pflegern werden einige Utensilien zur Verfügung gestellt. „Kastration ist jedoch die einzige langfristige Lösung, um das Problem in den Griff zu bekommen“, betont Hudjetz. „Wir wollen ja nicht zurück zu den Zeiten, in denen Katzen ertränkt oder erschlagen wurden.“

Tübinger Tierheim kann keine Stubentiger mehr aufnehmen
Kuscheltigerchen im Tierheim: Die Kätzchen brauchen dringend ein Zuhause, um das Tierheim zu entlasten. Bild: Metz

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20.09.2014, 12:00 Uhr

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